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The History Collection

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Jahrgang 4, Nr. 13 (June 30, 1951)

Der Ersatzmann,   p. 14 PDF (733.2 KB)


Page 14


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Wie ein Laulteuer war es um den Platz ge-
gangen: die Gr¸n-Weiþen spielen ohne ihren
ber¸hmten Linksauþen! Ein neues, junges
Gesicht nimmt den Platz ein.
Kurt, der Ersatzmann f¸r den fehlenden
Linksauþen, sieht den Menschenwall, der den
Platz s"umt. Ihn fr–stelt in der Schw¸le des
Sonntages, und er f¸hlt, daþ die Zuschauer-
massen entt"uscht sind, daþ er den Platz
des Nationalspielers ausf¸llt. Er hat nicht
nur den Gegner gegen sich, auch den Men-
schenwall.
Das Spiel l"uft. Eine feine, weiche Vorlage
seines L"ufers erreicht er nicht. Er ist wie
gelahmt, die Beine sind bleiern, das Herz
schl"gt hoch am Halse. Einen Paþ des Mit-
tell"ufers kann er nicht meistern. Der Ball
rollt ins Aus.
Seine Mannschaft spielt, immer wieder wird
er ins Spiel gezogen, aber wenig gelingt
ihm am Tag seiner groþen Chance. Monate
bat er darauf gewartet, Gelegenheit zu be-
kommen, in der Meisterelf mitzutun. Bis
gestern hat er immer am Rande gesessen,
sich vorstellend, wie er einmal zu denen
geh–ren w ird, die auf dem Rasen ihr Spiel
spielen. Er war Ersatzmann und Kamerad
unter Kdmeraden. Auch wenn er nicht spielte,
war er Glied der Mannschaft. Er hatte auf
diesen Tag gewartet, um im Spiel beweisen
zu k–nnen, daþ seine Berufung durch die
Leistung gerechtfertigt wurde.
Drei Ecken hat er sdilecht hereingegeben.
Auch die vierte gteht hinter das gegnerische
Tor. Langsam geht er zuru¸k. Das Urteil der
Zuschauer ist fertig. Es gibt Zwischenrufe,
nur seine Kameraden finden kein Wort des
Vorwurfes. Sein  Nebenmann, der Links-
innen, serviert ihm immer wieder B"lle.
Dieser Halbst¸rmer ist ein alter erfahrener
Fuchs, der schon viele hundert Fuþball-
schlachten mitgemacht hat. Dieser Kamerad,
der auch Spieltuhrer der Mannschaft ist,
versucht den neuen Linksauþen zu einem
vollwertigen  Glied  der  Mannschaft  zu
machen.
Die f¸nfte Ecke von links ist f"llig. Wie
Kurt zur Ecke eilen will, kommt der Halb-
linke zu ihm. Kurt denkt, ich darf die Ecke
nicht treten, und hemmt seinen Schritt. Der
Spielf¸hrer aber sagt nur: "Tritt ganz ruhig,
Junge, ziele auf den Elfmeterpunkt.'
Die Ecke kommt gut, doch der Torwart mei-
stert den Ball. Bevor er den Ball wegbef–r-
dern kann, kommt der Halbzeitpfiff. Das
halbe Spiel ist um. Der Spielf¸hrer legt den
Arm um Kurt, und sie gehen in die Kabine.
Dort gab es keine Vorw¸rfe. Vorerst sprach
man nicht vom Spiel. Kleine Spielepisoden
aus anderen Spielen werden erz"hlt. Der
iechte L"ufer gibt zum besten, wie er sich
bei seinem Debut in der ersten Mannschaft
gleich mit einem Tor eingef¸hrt hatte -
zwar mit einem Selbsttor.
Dann war es wieder soweit. Der Trainer
gab jedem ein paar VWorte mit zur zweiten
Halbzeit. Zu Kurt sagte er: "Di gehst jetzt
ab wie die Post, damit dein Gegenmann Be-
schattigung hat, und spiele, als ob keine Zu-
schauer vorhanden seien.
Der Linksauþen lief. Er wurde freier in
seinen Bewegungen. Da, eine sch–ne Halb-
hohe des Halblinken, jetzt laufen, den Ball
am  Fuþ, zwei Meter vor der Linie eine
Flanke zur Mitte. Der Rechtsauþen stoppt.
Ein kerniger Schuþ knallt gegen die Latte.
Nacheinander gelingen dem Linksauþen ein
paar Sachen. Ausgiebig besch"ftigt er seinen
Gegenspieler. In der Mitte –ffnet sich die
Deckung der Schwarzen, und dieGrun-Weiþen
kommen z u zahlbaren Erfolgen. Die Zu-
schauer mildern ihr tUrteil ¸ber den äErsatz-
mann'. Es ist ja auch eine schwere Aufgabe,
den Stammspieler zu vertreten.
Nach der Dusche meinte der Spielf¸hrer:
,Nun, Kurt, n"chsten Sonntag wird es besser
klappen. Jedem von uns ist es so gegangen
wie dir zu Anfang. Sieh, man darf auch
nicht von Ersatzmann sprechen. Wer in einer
Mannschaft spielt, ist ein vollwertiges Glied
der Mannschaft. Gleich, ob er einen guten
oder schlechten Tag hat. Ich mag das Wort
"Ersatz' nicht. Eine Elf ist auf die Dauer
nichts, wenn sie nicht zwei oder drei Kame-
raden hat, die jederzeit einspringen k–nnen.'
Preuþen M¸nster - Endspielteilnehmer um die Deutsche Fuþballmeisterschaft
N"d.e  ihrem 8 2-Erlolg jegen Tennis Borussia Berlin hat sich Preuþen
M¸nster f¸r das Endspiel urn die
Deutsche Fuþballmeisterschaft, das am 30. Juni im Berliner Olmpia-Stadion
stattfinden wird, als
Geoner des 1, FC Kaiserslautern qualifziert                             
                 F..: +,)1
Im Berliner Olympiastadion pfiffen 100 000
Zuschauer, als die siegreiche T¸rkenmann-
schaft nach ihrem 2:1 -Erfolg ¸ber Deutsch-
land das Spielfeld verlieþ. Es war ein
gellendes Konzert, das den G"sten aus
dem Nahen Osten in den Ohren klang.
Aber auch Brauseflaschen flogen. Sie gal-
ten dem italienischen Schiedsrichter Car-
pani, der im Laufschritt zu den Kabinen
eilte.
Uberall in der Welt, wo Fuþball gespielt
wird, werden sich die Sportler diese Mel-
dungen aus Berlin weitererz"hlen. Und
wenn schon der Sekret"r des Britischen
Fuþballverbandes, Sir Stanley Rous, der
auf der Ehrentrib¸ne saþ, nach dem Spiel
erkl"rte: Wenn in anderen L"ndern be-
kannt wird, daþ gegen siegreiche Mann-
schaften in Berlin in dieser Art demon-
striert wird, werden sie sich einen Start
wohl ¸berlegen', dann kann sich jeder
selbst ausrechnen, wie das Echo auf
diese skandal–sen Vorf"lle in anderen
L"ndern sein wird.
Das Berliner Sportpublikum, bisher als ob-
jektiv bekannt, hat die Nerven verloren.
Die deutsche Elf, die ungl¸cklich verlor,
die also in erster Linie Grund gehabt
h"tte, gegen die eines L"nderkampfes
unw¸rdige Spielweise der T¸rken und
gegen den parteiischen Schiedsrichter zu
protestieren, sie lieþ zwar den Kopf
h"ngen, f¸gte sich aber dem Schicksal.
Der Vorstand des Westdeutschen Fuþball-
verbandes wird demn"chst beim DFB
einen Antrag stellen, sich mit Ende der
Spielzeit 1953 vom Vertragsfuþball auf
Vollprofitum umzustellen. Der WFV ver-
tritt die Ansicht, daþ es bis zu diesem
Zeitpunkt m–glich sein m¸þte, die ent-
sprechenden Vorbereitungen zu treffen.
Ein seltenes Schauspiel bot sich den Zu-
schauern j¸ngst in Kopenhagen, als
wenige Minuten vor Beginn des Spiels
der Stadtauswahl gegen eine englische
Amateurelf ein Hubschrauber nahte und
den Schiedsrichter genau auf den Mittel-
punkt des Spielfeldes absetzte. 17 000
Zuschauer klatschten lebhaft Beifall, die
D"nische Fluggesellschaft aber hatte eine
ausgezeichnete Reklame. W"re das um-
gekehrt nicht der richtige Weg, um
unbehelligt vom Spielfeld zu kommen?
Den traurigen Rekord an Strafen im ge-
samten Bundesgebiet erreichten die Spie-
ler der 1. W¸rttembergischen Fuþball-
Amateurliga. W"hrend der abgeschlos-
senen Saison wurden 36 Spieler vom
Platz gestellt und Sperren von insgesamt
drei Jahren, sechs Monaten und drei
Wochen verh"ngt.
Die Oberliga Nord zog nach einer amt-
lichen Z"hlung der bezahlten Eintritts-
karten in der Saison 1950 51 insgesamt
2,1 Millionen Zuschauer an. Der HSV
war mit 450 000 der zugkr"ftigste Ver-
ein. Den h–chsten Durchschnitt zu Hause
hat Werder Bremen mit 13500 zu ver-
zeichnen. Diese Zahlen liegen wesentlich
niedriger, als allgemein gesch"tzt wird.
Als Rekord' wird das Spiel HSV gegen
St. Pauli mit 28 000 Besuchern angegeben,
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