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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 4, Nr. 3 (February 10, 1951)

Aus unseren Gruppen,   p. 13 PDF (839.0 KB)


Bücher,   p. 13 PDF (839.0 KB)


Page 13


AUS UNSEREN GRUPPEN'
Westberliner Xmter "durchk"immen"
Einmal in aller Ruhe Fragen diskutieren
zu k–nnen, ohne "ngstliche Blicke auf den
unerbittlich rotierenden Uhrzeiger werfen
zu m¸ssen, das war der Wunsch aller
Mitglieder des Landesjugendausschusses
Berlin der Deutschen Postgewerkschaft
Deshalb zogen wir im vergangenen Mo-
nat in unser sch–nes Posterholungsheim
nach Gatow zu einer ersten Arbeitstagung,
Indem wir ernsthafte Arbeit mit den
schmunzelnden W¸nschen vieler "lterer
Kollegen f¸r "Viel Vergn¸gen" zu einer
gl¸cklichen Synthese vereinigten, konn-
ten wir nach Abschluþ der Tagung einen
sch–nen Erfolg verzeichnen.
Vieles lag uns auf dem Herzen. Da war als
erstes die Frage des Sportes. Nach langen
Verhandlungen ist es uns gelungen, neben
dem beruflichen Fachschulunterricht unserer
Fernmeldebaulehrlinge Ausgleichssport zu-
n"chst auf freiwilliger Grundlage durchzu-
setzen. Weitere Bem¸hungen sollen er-
reichen, Sport als ordentliches Lehrfach in
den Fachschulunterricht der Berliner Post
aufzunehmen.
Ein dringendes Anliegen ist dem LJA die
enge Verbindung mit den Jugendlichen in
den Ÿmtern. In den kommenden Monaten
werden alle Mitglieder des LJA die west-
berliner Ÿmter "durchk"mmen". So kann
jeder pers–nlich seine Sorgen und N–te vor-
tragen und Anregungen f¸r unsere weitere
Arbeit geben. Zuerst sollen die Ÿmter be-
sucht werden, in denen die gewerkschaft-
liche Jugendarbeit am schw"chsten ist.
Im weiteren Verlauf der Tagung wurden
auch die ersten Vorbereitungen f¸r unseren
im Februar stattfindenden  ersten  Landes-
jugendtag der DPG getroffen.
Der zweite Tag brachte Diskussionen ¸ber
unsere kulturelle Arbeit und ¸ber die Dring-
lichkeit der Einf¸hrung  des  Lehrfaches
"Staatsb¸rgerkunde" in den Lehrplan des
Berliner Post- und Fernmeldeschulamtes.
Unsere diesj"hrigen Fahrten sollen nach
Westdeutschland gehen. Wir m–chten nur
w¸nschen, daþ der Herr Bundespostminister
seine Einstellung zur Frage der Jugendzelt-
lager recht bald revidiert und seinen Irrtum
einsieht.
Den Abschluþ der Tagung bildeten ein-
gehende Gespr"che ¸ber die Berufsausbil-
dung unserer Jugendlichen. - Es war er-
freulich, daþ sich alle Kollegen des LJA und
auch die weiblichen Wesen sich rege an der
Diskussion beteiligten. So er–ffneten wir das
neue Jahr, m–ge es uns der Verwirklichung
unserer W¸nsche n"herbringen. Wir lassen
uns nicht von unserem Ziel abbringen. Wie
sagt doch der Berliner? "Imma mit die Ruhe,
und denn mit'n Ruck!"
Textil-Bekleidung wirbt
Vom 1. bis 28. Februar 1951 findet eine
Werbeaktion der Jugend f¸r die Jugend
innerhalb unserer Gewerkschaft statt.
Unsere Jugendkolleginnen und -kollegen
erhalten f¸r die Werbearbeit innerhalb
der  Jugendwerbeaktion   nachfolgende
Pr"mien:
F¸r 2 Neuaufnahmen:
1 Jahres-Freiabonnement der Jugend-
zeitschrift ãAufw"rts'.
F¸r 4 Neuaufnahmen:
1 gutes Buch.
F¸r 6 und mehr Neuaufnahmen:
1 gutes Buch u n d ein Jahres-Frei-
abonnenment ,Aufw"rts'.
Bedingungen f¸r Werbepr"mien:
Jede Jugendkollegin und jeder Jugend-
kollege, der einen Jugendlichen f¸r unsere
Gewerkschaft Textil-Bekleidung im Monat
Februar als Neumitglied gewinnt, bringt die
Aufnahmescheine der neu gewonnenen Mit-
glieder der zust"ndigen Verwaltungsstelle.
Bis zum 5. M"rz ¸bersenden die Verwaltungs-
stellen listenm"þig die Namen und genauen
Anschriften der erfolgreichen Jugendwerber
unter Angabe der get"tigten Neuaufnahmen
an den Hauptvorstand, Abt. Werbung. Diese
gemeldeten Neuaufnahmen m¸ssen durch
Unterschrift  des  zust"ndigen  Gesch"fts-
f¸hrers, des Vorsitzenden und, falls vorhan-
den, des Jugendleiters unserer Verwaltungs-
stellen durch Unterschrift beglaubigt sein.
F¸r Jugendliche bis zu 18 Jahren wird kein
Eintrittsgeld erhoben. Kolleginnen und Kol-
legen ¸ber 18 Jahre zahlen ein Eintrittsgeld
von 1 DM.
Nach Eingang der beglaubigten Werbeergeb-
nisse durch die Verwaltungsstellen erfolgen
die Zusendungen der Pr"mienb¸cher bzw.
die Mitteilung ¸ber die Gew"hrung des Frei-
abonnements des "Aufw"rts' durch den
Hauptvorstand, Abt. Werbung, unmittelbar
an den Werber.
Wir erwarten eine starke Beteiligung aller
Jugendkolleginnen und -kollegen.
Scharf verurteilt
Im groþen Saal des Gewerkschaftshauses
Mannheim hatten sich am 20. Januar 1951
60 junge Kolleginnen und Kollegen zur
ersten Ortsjugendkonferenz eingefunden.
Mit einem Musikst¸ck von Mozart und
einer Rezitation wurde die Konferenz
er–ffnet.
Den H–hepunkt der Konferenz bildete ein
Referat des Bezirksjugendsekret"rs der Ge-
werkschaft OTV, Kollege Buch (Stuttgart),
¸ber "Die gegenw"rtige Situation der Ju-
gend in Westdeutschland". In eindrucks-
vollen Worten gab der Referent einen er-
sch¸tternden Einblick in die Not der heimat-
losen Jugend und warnte davor zu glauben,
daþ die grausamste Not heute vorbei sei.
"Die Jugend", so sagte er, "ist heute eine
immer lauter werdende Anklage gegen ein
System, das Reiche immer reicher und Arme
immer "rmer werden l"þt." Kollege Buch
sagte dann, wie widersinnig die 33 Millionen
D-Mark, die von der Bundesregierung f¸r
Jugendarbeit und Jugendbetreuung zur Ver-
f¸gung gestellt wurden, verteilt werden. Der
Bau eines Bundesju]gendhauses wurde von
dem Sprecher scharf verurteilt. Die Gelder
sollten vielmehr daf¸r verwandt werden,
daþ auch der letzte jugendliche Mensch in
Arbeit kommen soll. Die Anwendung der
Sauckelschen Gesetze durch die heutige Re-
gierung kritisierte er in scharfen Worten. Er
schloþ mit einem Appell an alle Jugendkol-
legen, sich weiterzubilden, damit sie mit
einem gut fundierten Wissen die Geschicke
des Betriebes lenken und in der Wirtschaft
maþgebend mitbestimmen k–nnen, auf daþ
durch ihre Mitarbeit die sozialen Unter-
schiede beseitigt werden.
Prol. Heinrich L¸tzeler: Bildw–rterbuci der Kunst. Ver-
lag Ferd. Dunimter, Bonn, 626 Spalten, 853 Abbil-
dungen. Preis 9,80 DM.
Wie oft gebrauchen wir W–rter, von denen wir eigent-
lich nicht oder nur sehr ungenau wissen, was sie be-
deuten. Z, B. hast du sicher schon manches kitschig'
gefunden, Suchen wir im Rechtschreibebuch nach, in
unserem altbewahrten ãDuden', so finden wir wohl
f¸r Kitsch die Bezeichnung ãSchund', aber mehr nat¸r-
lidr nicht. F¸r die Beantwortung solcher Spezialfragen
aus dem Gebiet der Bildenden Kunst und Architektur
ist das .Bildw–rterbuch der Kunst' von Prof. Lutzeler
zust"ndig. Schlagen wir hier mal nach: Kitsch, der (von
engl. sketch = Skizze). Scheink¸nstlerische, innerlich
unwahrhaftige Gebilde; sie tauschen Empfindungen
etwa in sentimentaler oder phrasenhaft-pathetischer Art
vor oder benutzen miþbr"uchlich Bedeutendes zu trivia-
len Zwecken.' - Nun, vielleicht ist dir das Wort
"trivial- noch nicht ganz verst"ndlich, oder "pathe-
tisch' - dann greif nochmals zum ãDuden', aber
schlieþliid bist du der Sache dann auf den Grund ge-
kommen, und zum n"chstenmal wirst du dies Wort
selbstverstandlicher gebrauchen. Damit ist nat¸rlich
noch niact gesagt, daþ du nun echte Kunst von Kitsch
unterscheiden kannst, das lehren dich erst die Erfah-
rung und der Umgang mit der Kunst. Und du hast
auch recht, daþ du leben kannst, auch ohne zu wissen,
was z. B. Fachwerk, Fadenglas, Facherfenster, Faksi-
mile, Faltdadh und die vielen tausend Ausdr¸cke be-
deuten, die auf den 300 doppelspaltigen, reich bebil-
derten Seiten dieses Buches erkl"rt sind Aber es ist
doch ein schones Gef¸hl und f¸r den Beruf oftmals
forderlich, wenn man sein Wissen weitet uni die
sprachlichen Begriffe inimer mehr klart; und das gilt
nicht nur fur Lehrlinge und Sch¸ler, also f¸r junge
Lernende, sondern in genau so starkem Maþe auch f¸r
Erwachsene. Im ¸brigen handelt es sich hier nicht um
trockene Definitionen. wir erhalten nebenbei Einblidc
in die germanischen und antiken G–ttersagen und in
die christliche Welt, soweit sie mit der Kunst in Zu-
sammenhang stehen, und kunstgeschichtliche Daten wer-
den kurz angemerkt. Oft wird das Wort durch Zeich-
nungen unterst¸tzt. Daþ allerdings auch Gemalde und
Plastiken durch Zeichnungen - und nicht durch gute
Fotografien - wiedergegeben sind, ist ein kleiner
Sdionheitstehler dieses Bildworterbuches. Um so mehr
solltet ihr auch also die Kunst, soweit euch die Mog-
lichkeit geboten wird, vor dem Original betrachten.
Denn was ihr euch aus diesem Buch aneignen k–nnt,
ist das W i s s e n u b e r Kunst und Handwerk, das
Kunstwerk selbst muþ an Ort und Stelle e r 1 e b t
werden.                                       -tt
*
Junge Menschen sehen ihre Sozialversicherungsbeitrage
meistens als ein notwendiges Ubel' an. Wer von
ihnen zerbricht sich schon den Kopf daruber, welche
Rechte und Pflichten mit dieser Beitragszahlung ver-
bunden sind? Diese Leichtfertigkeit hat im Alter schon
manchen gereut, wenn er feststellen muþte, daþ er
irgend etwas unterlassen hat und dadurch seine An-
spruche an die betreffende Versicherungsanstalt ge-
sdcmalert wurden. Nicht in allen Betrieben sind Lohn-
b¸ros, auf denen sachkundige Menschen sitzen, die von
sich aus die einzelnen aufklaren. Datum heiþt es auch
hier, wie so oft im Leben: Selbst ist der Mann!' Die
Rentenversicherung ist f¸r die allermeisten arbeiten-
den Menschen die einzige Sicherung fur den Lebens-
abend. Darum lohnt es wirklich, sich bestens mit allen
einschl"gigen Fragen vertraut zu machen. Das erleich-
tern zwei altbekannte Schriften. die in neuer Auflage
herausgekommen sind und in volkstumlidier Weise
das notwendige Wissen ¸ber die bestehenden gesetz-
lidhen Best.mmungen in der Rentenversicherung der
Arbeiter und Angestellten vermitteln. Die klare, uber-
sichtliche Gliederung und der knappe, klare Text er-
hohen die Lust zu diesem empfehlenswerten Stiti'rfm
L, D.
ãWas muþ jeder von der Invalidenversicherung wissen?
.Was muþ jeder von der Angestelltenversicherung
wissen?'
Beide erschienen im Verlag August Glenz. Essen-
BredeneY (52 Seiten, broschiert, 1,60 DM).
*
Klaus Franken: Das groþe Abenteuer'. Verlag Haus
Altenberg. Preis 5,80 DM.
Das Buch steht unter dem Leitsatz ãDas gef"hrliche
Abenteuer zum Guten ist das einzig wahre!' und
schildert spannende abenteuerliche Begegnungen zwi-
schen Mensch und Mensch, mit den Naturgewalten,
mit der Tierwelt, mit Sport, Technik und Beruf.
In allen Geschichten wird der Leser vor die drama
tischsten Situationen des Lebens gestellt, in denen er
eine echte, gef"hrliche, aber mutige Entscheidung er-
lebt, die auch zur eigenen Entscheidung in ernst-
haften Lebensstunden f¸hren soll. Das Buch umfaþt
fast 300 Seiten, dazwischen viele ganzseitige Fr,tis.
*
Anton Tesarek: Der Kinderknigge'. Verlag Friedrich
Oetinger, Hamburg, Preis 2,50 DM.
Hier finden wir ein lebendiges. heiter-unbefangienes
Buch, das im losen Plauderton die Grundregeln des
Anstandes und   der Erziehung  nahebringt. Es ist
schwierig, den M"del und Burschen diese sonst so
trocken wirkenden Dinge auch einmal ohne erhobenen
Zeigefinger nahezubringen. Hier ist es gelungen. Hier
haben wir ein Buch vor uns, an dem jeder Jugend-
liche, jeder Gruppenleiter, jeder Lehrer und jeder
Erwachsene seine Freude haben wird.
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