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Jahrgang 3, Nr. 23 (November 18, 1950)

elf
Eine Idee,   p. [16] PDF (626.5 KB)


Page [16]


EINE IDEE
MAN KANN ein Volk an seinen Plaka-
ten erkennen. Denn darauf ist abzulesen,
wie es sich ansprechen l"þt. Die Auftrag-
geber und Plakatmaler kennen die Mentali-
t"t der Massen. Die Nazis versuchten es mit
Papiervorbildern ¸berstarker M"nner, die
rmit Gewehren, Sammelbuchsen und Fahnen
zum Einsatz f¸r Groþdeutschland werben
sollten.  Mit strahlenden,  aber  klasse-
bewuþten Gesichtern drehen sowjetische
Frauen im Stachanowsystem Munition. In
Ruþland sieht man viele solcher strahlenden
Gesichter - auf den Plakaten. Die s¸þen
Pinupgirls der Amerikaner setzen im Sechs-
farbendrucd Beine und Busen f¸r den gro-
þeren Umsatz von Coca-Cola ein.
EIN VOLK das andauernd von diesen Pla-
katen suggeriert wird, glaubt sehr leicht an
die wirkliche Existenz der Menschen auf dem
Papier, die heroische, gl¸ddiche oder leicht-
lebige Vorbilder sein sollen. Auf den Plaka-
ten lassen sich die S¸chte ablesen, denen die
Masse verfallen ist. Es l"þt sich der Zwang
ablesen, den ein Regime ihr mit Raffinesse
auferlegt. Das bedruckte Papier, an die
Hauswand geklebt, in Millionenauflage an
die Bauz"une und Fabriken geheftet, kann
zur Revolution aufwiegeln. Mit sch–nen Bil-
dern und Versprechungen kann es die Mas-
sen vertr–sten, sie blind machen f¸r das
eigene Elend und die Unfreiheit.
EUROPŸISCH ist die Idee, f¸r die von den
V–lkern geworben wird. F¸r die Hilfe unter-
einander! Alle L"nder, die dem Marshallplan
angeschlossen sind, beteiligen sich an dem
Plakatwettbewerb. 12 000 Entw¸rfe wurden
in Paris einqereicht. Ein Holl"nder, ein
Schweizer und ein Italiener erhielten den
ersten bis dritten Preis. Die Plakate, die wir
hier abbi'ien, geh–ren nicht zu den preis-
gekr–nten. Sie interessieren uns aber, weil
vier Plakate aus vier Nationen einheitlich
mit uen Mitteln moderner Plakatkunst ge-
staltet wurden. Den Deutschen mag diese
Auffassung nicht ganz liegen, weil sie noch
die naturalistischen und dreisten Plakate des
vorigen Regimes vor Augen haben. Das Aus-
land hat sich schon l"ngst an die moderne
Fl"chenaufteilung moderner Plakate gewohnt.
ERZIEHEN wir uns, damit wir uns endlich
befreien von dem Kitsch und dem Dilettan-
tismus, der sich auf den Litfaþs"ulen breit-
macht. Die vier Plakate m–gen ein Beispiel
daf¸r sein, wie die moderne Kunst die Auf-
gabe ¸bernommen hat, der Masse eine Bot-
schaft zu ¸bermitteln. Die Botschaft vom
Frieden durch intereurop"ische Zusammen-
arbeit.                              elf.
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