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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 3, Nr. 23 (November 18, 1950)

Strzoda, Hans
Sand,   p. 10


Page 10


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Ich will ihn Grant Yates nennen; sein rich-
tiger Name tut nichts zur Sache. Er war ein
Mann in den f¸nfziger Jahren, hochgewach-
sen, mager und mit einem blassen Gesicht.
Ich war damals zw–lf Jahre alt. Wie mein
Vater war auch er im Tal des Colorado be-
heimatet. Sein kleines weiþes Haus stand
am Fuþ eines Sandh¸gels, und wir lebten
f¸nf Meilen s¸dlich von ihm in der trockenen
Buffalosteppe. Ich glaube, er hatte mich
sehr gern; denn ich liebte seinen Sandh¸gel
wie er. Mit meinem Pferd ritt ich oft zu ihm,
und dann gingen wir beide zu dem groþen
H¸gel in der N"he seines Hauses, setzten
uns und erz"hlten oder saþen bloþ bei-
sammen.
Es war ein wunderbarer H¸gel, sein Sand
schimmerte wie Gold, sein Gras war zer-
streut, aber hochgewachsen und gr¸n im
Sommer. Von seinem Gipfel konnte man
meilenweit sehen. Eines Tages setzte er sich
wieder mit mir auf den H¸gel, lieþ eine
Handvoll Sand durch seine Finger rieseln
und sagte:
ãDer Sand ist die Zeit, abgesetzt und so auf-
gerichtet, daþ er mit den Sternen heimlich
und eng verbunden ist; dauernd den Ort
unter den F¸þen "ndernd wie die Zeit selbst.
Und du kannst nicht mehr auf einmal
nehmen als eine Handvoll.'
Er l"chelte und fuhr fort: HZwei Jahre sind
eine lange Zeit! - F¸r dich, meine ich!"'
Ich sagte ihm, daþ ich in zwei Jahren vier-
zehn sein werde.
Er nickte: "Und mit einer Menge Jahre
noch vor dir. Was willst du mit ihnen an-
fangen?"
"Ich w¸þte es noch nicht', gab ich zur Ant-
wort.
,Nat¸rlich, du kannst es nicht wissen, es
gibt so viel Dinge, wenn man noch jung
ist. Aber merke dir dies: du kannst alles
machen; es gibt keine un¸berwindlichen
Hindernisse. Es ist ¸berall ein Weg dar¸ber,
durch oder vorbei.'
Ein erstickender Husten ¸berfiel ihn, und
dann bat er mich, mit ihm hinunterzugehen.
Langsam schritten wir seinem Haus ent-
gegen. Er hatte dieses Haus selbst gebaut
und jedes St¸ck in ihm gezimmert. Nat¸rlich
fragte ich ihn, ob er Zimmermann sei.
,Nein, aber ich verbrachte eine lange Zeit
in einem kleinen weiþen Raum eines Sana-
toriums. An das Bett gebunden, plante ich
dieses Haus und baute es, als ich entlassen
wurde", gab er mir zur Antwort.
Ich verstand nicht, warum er in einem Sana-
torium war, und als ich sp"ter meine Mutter
fragte, erkl"rte sie mir, daþ Grant Yates
lungenkrank sei.
,Dieses Haus und mein Pferd, das ist alles,
was ich noch wollte. Der Arzt sagte mir, ich
h"tte noch zwei Jahre zu leben - vielleicht
noch mehr. Das Geld, das ich besitze, kann
mich noch so lange unterhalten. Ein.Jahr ist
schon vergangen; es war ein prachtvolles
Jahr.'
Der fr¸he Winter war sehr mild in diesem
Jahr, aber im Februar begann an einem
sp"ten Nachmittag ein furchtbarer Sturm,
der sich fast jede Nacht wiederholte. In einer
dieser N"chte klopfte jemand an unser Tor.
Es war Fred Williams, welcher eine Meile
s¸dlich von uns lebte. Er erz"hlte, daþ sein
Sohn Roh ernsthaft krank geworden sei. Der
Junge bekam Sch¸ttelfrost und Schmerzen in
der Brust. In .der Nacht stellte sich Fieber
ein, und er litt unter den schmerzhaften
Hustenanf"llen.
Meine Mutter fragte mich, ob ich zum Tele-
fon gehen m–chte, welches in Woodrowcamp,
noch f¸nf Meilen von Grant Yates entfernt.
war. Williams hatten nicht einmal ein Pferd,
und so beschloþ ich zu gehen, zumal ich die
H¸gel und Wege wie die Linien meiner
H"nde kannte. Meine Mutter nahm weiþe
T¸cher und Medizin und begab sich mit
Williams auf seine Farm. Ich sattelte Shorty,
mein Pferd, und ritt zum Woodrowcamp.
Der Sturm machte es mir unm–glich, irgend
etwas zu erkennen. Doch Shorty hielt zwei
Stunden sp"ter neben Grant Yates' Haus. Ich
¸berlegte, ob ich nicht gleich weiterreiten
sollte. Doch dann roch ich den Rauch von
Yates Ofen und trat ein. Er war schon im
Bett.
äWas machst du in diesem Sturm da
drauþen?"
W"hrend ich sein Feuer auffrischte, erz"hlte
ich alles, was vorgefallen war. Bald nach
den ersten S"tzen verstand er und griff nach
seinen Sachen. Ein leichter Schwindel erfaþte
ihn, und er muþte sich wieder f¸r einen
Augenblick setzen. Dann ging er zu seinem
Schrank, –ffnete ihn, nahm einige Flaschen
heraus, packte sie in eine Tasche und legte
sich einen leichten Mantel um, w"hrend ich
mit klopfendem Herzen zuschaute, seine Ab-
sicht ahnend. Er sah es mir an, und ohne
daþ ich ihn fragte, erwiderte er:
,ich gehe an Williams Platz."
Jich hole ja den Arzt', sagte ich fast zornig.
"Der Arzt kann erst in einigen Stunden hier
sein. Der Junge hat eine Lungenentz¸ndung.
und ich weiþ ein wenig ¸ber diese Krank-
heit. Es kann sein, daþ ich ihm helfen kann.'
"Der Sturm ist aber so heftig."
Er l"chelte und sagte: ,Ich will es machen.
Es gibt keine un¸berwindlichen Hindernisse.
Willst du mein Pferd satteln?"
Zehn Minuten sp"ter ritten wir beide fort-
er meinen Weg zur¸ck und ich weiter nach
Woodrowcamp.
Wie Grant Yates ankam, weiþ ich nicht. Ich
brauchte noch zwei Stunden, um nach Woo-
drowcamp zu gelangen, und der Arzt ver-
sprach mir, sofort aufzubrechen.
Am sp"ten Nachmittag kam er bei uns an,
und ich gab ihm eines meiner Pferde; denn
das seinige war m¸de und durchgeschwitzt.
Als ich ihm erz"hlte, was ich ¸ber Rob
wuþte, sch¸ttelte er den Kopf und meinte,
daþ nicht mehr viel Aussichten w"ren. Doch
er wolle hin, um wenigstens den Totenschein
noch auszustellen.
So kam er bei Williams an. Roh war nicht
tot. Sein Fieber hatte sich gelegt, und er war
eingeschlafen. Der Doktor untersuchte ihn,
drehte sich zu Williams und sagte:
,Euer Junge bleibt am Leben, nur weil Mister
Yates rechtzeitig kam.'
Dann nahm er Grant Yates zur Seite und
sprach mit ihm im Fl¸sterton, aber am Ende
vernahm ich, wie Yates erwiderte:
,Was sind schon ein oder zwei Monate.'
Ein Husten ¸berfiel ihn abermals, und er
muþte sich setzen.
Meine Mutter wollte Grant Yates bei uns
behalten, doch er bestand darauf, nach Hause
zu gehen. Der Doktor begleitete ihn. Eine
halbe Stunde sp"ter, nachdem er in sein
Haus kam, starb er im Beisein des Arztes.
Wir begruben ihn im Sand des H¸gels und
setzten einen Stein auf sein Grab. Aber der
Sand wanderte von Stunde zu Stunde, und
eines Tages fand ich den Stein nicht mehr.
Der Sand hatte ihn begraben.
äAti dem -iAmerikanisdcen ¸bersetzt von Hans Strzod".
50 v. H der gesamten Weltstromerzeugung entfallen auf die Vereinigten Staaten.
Der Stromverbrauch
des Amerikaners ist zehnmal so hoch wie der eines Menschen in der ¸brigen
Welt. Etwa 30 v. H.
des Stromes wird durch Wasserkraftwerke erzeugt. Hier der Hoover-Damm am
Colorado der f¸r die
kalifornische Industrie von groþer Bedeutung ist.                 
                    Foto: AD
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