University of Wisconsin Digital Collections
Link to University of Wisconsin Digital Collections
Link to University of Wisconsin Digital Collections
The History Collection

Page View

Aufwärts
Jahrgang 3, Nr. 23 (November 18, 1950)

H. C.
Neue Formen...,   p. 6


Streit um Aina,   p. 6 PDF (702.5 KB)


Page 6


n–tig, um eine passende Brille zu liefern,
wenn auch die Fassungen und die Gl"ser
fabrikm"þig hergestellt und nur in beson-
deren F"llen vom Optiker selbst gearbeitet
werden. Hilde erkl"rt den Werdegang einer
Brille an einer Zellhornplatte; es scheint ein
sehr komplizierter Arbeitsgang zu sein.
"Das ist es auch', best"tigt sie, ãwie die
meisten Arbeiten der Feinoptik und Augen-
optik. Mir macht die gewissenhafte und
exakte Arbeit, die unser Beruf verlangt,
Freude. Meiner Kollegin in der Berufsschule
geht es ebenso. Wir sind n"mlich zwei weib-
liche Lehrlinge hier am Ort."
ãDas theoretische Wissen, das unsere Lehr-
linge in den 3' 2 Jahren ihrer Lehrzeit neben
der Praxis erarbeiten m¸ssen, ist recht um-
fangreich", sagt der Meister, ãdoch sind die
M"dchen, die andere Berufe als die ¸blichen
Frauenberufe suchen, meist auch besonders
begabt und strebsam. Daþ sie fachm"nnisch
geschult auch im Verkaut besonders Gutes
leisten, haben Sie eben selbst gesehen. Sie
haben mehr Einf¸hlungsverm–gen; es ge-
lingt ihnen viel leichter, die Abneigung der
Frauen gegen Brillen zu ¸berwinden und sie
davon zu ¸berzeugen, daþ die modernen
Brillen sie nicht h"þlich machen..."
Die zierliche blonde Hilde sieht mich bei
diesen Worten ermunternd an, und dieses
Mal nicke ich ihr verst"ndnisvoll zu.  H. c.
sehr modern, eben erst hereingekommen',
sagt der Optikerineister etwas erm¸det und
legt zu dem halben Dutzend noch ein neues
Modell vor. Ich kann mich schlecht an den
Gedanken gew–hnen, eine Brille tragen zu
m¸ssen. Das ist wohl der Grund, warum mir
keine gefallen will. Der Meister wird abge-
rufen 1er scheint nicht traurig dar¸ber zu
sein), und ein nettes Madel nimmt seine
Stelle ein. ãSoll ich die Brillen einmal auf-
set7en?' fragt sie mit einem verst"ndnis-
vollen Blick auf die vielen Gestelle, dlie vor
mir liegen. Siehe da, auf dem frischen M"d-
chengesicht wirken die zum Teil recht neu-
artigen Formen gar nicht mehr so fremd,
und schnell ist die fiir mich passende qe-
funden.
Ich lege nun das Rezept vom Augenarzt vor,
dabei ergibt sich, daþ Hilde H. keine Ver-
k"uferin, sondern Optikerlehrling ist. In der
Werkstatt, die hinter dem Laden liegt, ar-
heiter sie, schleift unerm¸dlich Gl"ser in die
richtige Form und bringt sie dann in die
erw"rmte Hornfassung, die sich in diesem
Zustand dehnen und biegen l"þt. Das ist ein
Beruf, der geschickte Finger, Einf¸hlungs-
verm–gen und Genauigkeit verlangt, das
sieht man hier Viele Arbeitsg"nge sind
Die kritische Schilderung der schwedischen
Studentin ¸ber ihre Eindr¸cke in Deutsch-
land hat die ãAufw"rts-Leser auf den Plan
gerufen. Jeden Tag brachte die.Post eine
Menge Briefe, die ihre Zustimmung oder
ihren Unmut ¸ber Ainas Bericht mehr oder
weniger temperamentvoll ausdr¸ckten. Einige
ganz Begeisterte (hoffentlich?) boten uns so-
Keine Zeit f¸r ,"Sex-App.dl"
Mit Interesse habe ich- den Artikel der schwedischen
Studentin ¸ber ihre Eindr¸cke von Deutschland ge-
lesen. Zu dem Absatz -Sex-Appeal statt Kamerad-
schalt- m–chte ich sagen:
Es ist ungemein zu bedauern, daþ die Schwedin be-
zlglich der Stellung der Frau in Deutschland diesen
Eindruck mit in ihre Heimat nehmen muþte, da wir
Frauen und Madchen, die im politischen und gewerk-
schaftlichen Leben stehen, genau wissen, daþ es nur
ein kleiner Bruchteil von Frauen ist, die auf so-
genannten "M"nnerfang' ausgeben und bei denen es
eine wahre Kameradschaft zwischen it4ann und Frau
nicht gibt.
gar um die Anschrift der jungen Schwedin.
Sie wollen sich mit ihr ¸ber die einzelnen
Punkte schriftlich auseinandersetzen. Alles,
was die Kolleginnen und Kollegen uns ge-
schrieben haben, k–nnen wir nat¸rlich nicht
abdrucken, aber das Wesentliche aus den
uns zugegangenen Briefen wollen wir euch
nicht vorenthalten.                      Die Red.
Wenn behauptet wird, daþ die deutsche Frau keine
Kameradin sein kann und kein Selbstbewuþtsein hat,
so wird es leider so sein, daþ die schwedische Stu-
dentin an die falschen Menschen geraten ist.
Es ist erwiesen, daþ in Kreisen, die kaum finanzielle
Not kennen, eine echte Kameradsdiaft seltener ist als
bei den Menschen, die den Lebensunterhalt durch ihre
Arbeit bestreiten m¸ssen. Daþ die schwedische Stu-
dentin kaum Gelegenheit hatte, mit Arbeitern zusaM-
menzukommen, ist ein groþer Fehler. Wenn sie Ein-
sicht in die Arbeit der Gewerkschaitsjugend h"tte
nehmen k–nnen, dann w"re sie mit einer weit besseren
Meinung iber die deutsche Frau heimgefabren.
Es gibt Hunderte von Frauen, die trotz des Frauen-
Ðberschusses Frau und Mutter sind und die, wenn die
wirtschaftliche Lage der Familie es erfordert, auch
noch einen Beruf aus¸ben. Sie haben gar keine Zeit.
an das "Sex-Appeal zu denken. Es gibt auch eine
Unzahl von M"dchen, die in ihrem Beruf sehr viel
leisten und die im Mann nicht nur das andere Ge-
schlecht, sondern den Arbeitskameraden sehen.
Fast allen von uns M"dchen und Frauen war jahre-
lang der Boden unter den FPþen genommen, und wir
haben erst jetzt wieder die Gewiþheit, bewuþt leben
7u k–nnen. Vberall gibt es Licht und Schatten, liebe
schwedische Studentin, aber wir als Gewerkschafter
haben die Verpflichtung, das Gute im Menschen zu
erkennen und daf¸r zu k"mpfen.
Else Thiel. Frankfurt a. M.
Gibt.. hD Mnnchen keina
beru–fstll          Fruen?
Zu dem Artikel ãWie sah die schwedische Studentin
Deutschland?- in Nr. 2i m–chte ich auch einiges er-
widern. In bezug auf die Studenten und auch auf die
Akademiker kann ich die Meinung von Aina Nor-
str–m nur unterstreichen. Erst k¸rzlich erlebte ich
vleder, daþ ein Ingenieur wohl von der Wichtigkeit
der gewerkschaftlichen Organisation ¸berzeugt war,
als er aber h–rte, daþ er mit den Arbeitern in einer
Organisatmomx zusammen sein sollte, lehnte er dies als
etwas Unm–gliches ab.
mi
STREIT UM >AINA´
Auf    Milli-t- --          1;- n-In-        -, -      l.
T
C/Ve"C 0              . . .


Go up to Top of Page