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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 3, Nr. 10 (May 22, 1950)

B--en
Gegen das Grundgesetz,   p. 7


Ruffing, Anny
Der Sonnenplisseerock,   p. 7


Page 7


GEGEN DAS GRUNDGESETZ
,Der bezahlte freie Hausarbeitstag verst–þt
gegen das Grundgesetz', erkl"rte k¸rzlich
der Vorsitzende einer Arbeitsgerichtsver-
handlung in einer westdeutschen Stadt.
Die Zuh–rerschaft war einigermaþen er-
staunt, und der Kollegin, die als Kl"gerin
um die ihr zustehende Verg¸tung f¸r den
Hausarbeitstag k"mpfen wollte, sank aller
Mut. Denn diese Feststellung wurde ganz
sachlich mit dem Artikel des Grundgesetzes
begr¸ndet, daþ niemand wegen seines Ge-
schlechts bevorzugt oder benachteiligt wer-
den d¸rfte. Und der freie Hausarbeitstag sei
doch eine offensichtliche Bevorzugung der
weiblichen Arbeitnehmer, so meinte der
Herr Vorsitzende.
Zu welchen Schluþfolgerungen man doch als
ge¸bter Kenner des Rechts kommen kann!
Den Sinn und Zweck des freien Hausarbeits-
tages konnte jedoch der Gewerkschaftsver-
treter, der der Kollegin in ihrer Sache bei-
stand, schnell klarlegen:
Der freie Hausarbeitstag stellt keinerlei Be-
vorzugung dar, sondern ist ein Ausgleich
(und nur ein kleiner) f¸r die vielen arbeiten-
den Frauen und M"dchen, die auþer ihrer
Berufsarbeit noch Hausfrauenpflichten zu
erf¸llen haben, die zu Hause unm¸ndige
Kinder, arbeitsunf"hige kranke M"nner oder
alte pflegebed¸rftige Eltern versorgen m¸s-
sen. Mit diesem einen Tag im Monat soll
ihnen eine kleine Hilfe zuteil und ihnen
erm–glicht werden, gr–þere h"usliche Arbei-
ten wie W"sche usw. zu erledigen.
Zu Ehren des Herrn Arbeitsgerichtsvor-
sitzenden sei gesagt, daþ er sich von dieser
Klarstellung belehren lieþ und unserer Kol-
legin die Verg¸tung f¸r dennicht erhaltenen
Arbeitstag zugesprochen wurde.
Wie gl¸cklich w"ren wir Frauen doch, wenn
man immer und ¸berall sc peinlich darauf
bedacht w"re, alle noch bestehenden wBevor-
zugungenh der m"nnlichen Arbeitnehmer
auszumerzen.
Aber wie war das doch zuletzt im Bundes-
tag bei dem verabschiedeten Beamtengesetz?
B-en
FRAUEN IM OFFENTLICHEN LEBEN
Aus einer amtlichen Lohnerhebung des Stati-
stischen Amtes f¸r das Bundesgebiet geht
hervor, daþ die L–hne der Arbeiterinnen mit
einem Monatsdurchschnitt von 162,80 DM
immer noch um 34 v. H. u n t e r dem Ge-
samtdurchschnitt bleiben. Die Einkommen-
spitze f¸r M"nner liegt in der Lohnklasse
von 250 bis 275 DM, die der Frauen dagegen
in der Lohnklasse von 150 bis 175 DM.
Das Duisburger Arbeitsamt hat in Zusam-
menarbeit mit den karitativen Verb"nden
N"hstuben eingerichtet, um schulentlassenen
jungen M"dchen, die keine Lehrstelle erhal-
ten k–nnen, die Erlernung des Schneider-
handwerks zu erm–glichen.
Eine k¸rzlich in Kalifornien gemachte stati-
stische Aufstellung ¸ber die Verteilung der
wichtigsten Ÿmter der Regierungs- und
Verwaltungsstellen beweist deutlich einen
dauernd zunehmenden weiblichen Einfluþ in
dem bisher nur von M"nnern regierten
Staat. Seit 1943 wurden vom Gouverneur
Earl Warren 101 Frauen auf wichtige Posi-
tionen der Staats-, Stadt- und Landesverwal-
tungen berufen. Allein in Los Angeles sind
13 Verwaltungsstellen von weiblichen Beam-
ten besetzt.
In Schweden ist die Zahl der gewerkschaft-
lich organisierten Frauen und M"dchen im
letzten Jahr um etwa 4000 gestiegen und
betr"gt jetzt 231 866 von 1 225 907 Mit-
gliedern, das sind rund 18 v. H.
Der
ee
Jo:ttieuiplissee-
roch
Marlene hatte am Sonntag den Vogel ab-
geschossen. Ganz reizend sah sie in dem neuen
pastellfarbenen Sonnenplisseerock aus. Alle
Freundinnen bewunderten das gute St¸ck,
und alle dachten das gleiche: Marlene hat
sich aber sehr in Unkosten gest¸rzt, denn
solche R–cke sind doch recht teuer. Margaret
aber fragte einfach nach dem Preis. Marlene
l"chelte, als sie die H–he des Preises angab.
Nat¸rlich m¸þtet ihr ihn selber arbeiten,
sagte sie in das allgemeine Erstaunen ¸ber
den wirklich nicht zu hohen Preis des Rockes.
Das ist gar nicht so schwierig, wie es scheint.
Die Plisseebrennerei nimmt uns ja die Haupt-
arbeit, n"mlich das Faltenbrennen, ab. Der
Preis daf¸r liegt um 10 DM. Falls der Rock
nicht l"nger als 80 cm wird, brauchen wir
160cm  Stoff, 140cm  breit. Der Stoff darf
nicht steif oder sehr dick sein, aber auch
nicht zu weich. Man l"þt sich am besten im
Gesch"ft beraten und fragt, ob der Stoff sich
zum Plissieren eignet.
Bevor der Stoff in die
Plisseebrennerei gebracht
wird, muþ er zugeschnit-
ten werden. Man legt ihn
so ein, wie auf der Zeich-
nung zu sehen ist. Die
H"lfte der Taillenweite
(bei 70 cm also 35 cm)
wird ¸ber Eck, von der
geraden Kante zur an-
deren geraden Kante ge-
messen. Unter diese mar-
kierte Linie schl"gt man
einen Bogen, der in der
Mitte 7 cm tief geht. Von
diesem Bogen aus messen
wir nun mit dem Zenti-
metermaþ strahlenf–rmig
(wie auf dem Muster zu
sehen) 80 cm L"nge ab.
Falls wir kleiner sind und
mit 70 cm L"nge auskom-
men, brauchen wir 10 cm
wenge rh Ytoii i_* 5Aoer
weniger Stoff. Ist ader      -~~~
unser Taillenumfang wei-           B..
ter als 70 cm, so m¸ssen     Andere VB eiten
wir diese Zentimeter in
der Stoffl"nge hinzurechnen. Also z. B. so:
Umfang 76 cm, H"lfte des Umfanges 38 cm.
Wir m¸ssen 3 cm weiter nach unten mit der
Taillenlinie auf dem Stoff. Also auch unten
an der L"nge 3 cm zugeben. Wir markieren
nun die gemessene L"nge auf dem Stoff und
schneiden danach aus. Nun legt man, rechts
auf rechts, die zugeschnittene H"lfte des
Rockes in die gegen¸berliegende Ecke des
Stoffes und schneidet die zweite H"lfte des
Rockes zu. Danach markiert man die Mitte
auf den beiden Rockh"lften und bezeichnet
durch ein Fadenkreuz die rechte Seite. So
nimmt ihn die Plisseebrennerei entgegen.
Nach dem Plissieren n"hen wir die beiden
Rockh"lften bis auf den Schlitz f¸r den Reiþ-
verschluþ zusammen. Aber bitte darauf
achten, daþ die Falten auf beiden Seiten
h¸bsch gleich zusammentreffen. Auf den
unteren Rand des fertig gerichteten Mieder-
bands n"hen wir nun den Rock. Falls der
Rock etwas weiter ist als das Taillenbund,
schieben wir die F"ltchen oben etwas enger
ZLu hnit! äum Plisseerr k
1'i:  s.;:  7 r,' . .   . .   *..  o .   ,  ..,  Lanrd,
und Langen mussen entsprechend ge"ndert werden
zusammen. Sitzt der Rock auf dem Taillen-
bund, so schneiden wir (bei 4 cm breitem
Miederband) einen Stoffstreifen von 70 cm
L"nge und 7-8 cm Breite. Diesen n"hen wir
von innen am oberen Rand des Mieder-
bandes fest, verst¸rzen ihn nach auþen und
n"hen ihn auþen auf den unteren Rand des
Miederbandes fest, wobei wir gleichzeitig
den auf das Miederband gen"hten Rock zwi-
schenfassen. Nun n"hen wir den Reiþver-
schluþ ein. Den Saum richtet uns dieMutter
oder die Freundin mit einem h–lzernen
Zentimetermaþ vom Boden 35-40 cm hoch ab.
Er wird offenkantig umgeschlagen und mit
Hexenstich vers"umt. Hinterher werden die
F"ltchen an der Saumkante noch einmal
nachgeb¸gelt, damit der Saum sch–n flach
f"llt. Vorsicht, dabei keinen Glanz b¸geln.
Alle hatten sie Marlene interessiert zu-
geh–rt. Ob sie es wohl auch einmal ver-
suchen sollten mit so einem Sonnenplissee-
rock? Marlene sagte darauf aufmunternd, ich
w¸rde es tun!   Text und Zeichnung: Anny Ruffing
7
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