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The History Collection

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Jahrgang 3, Nr. 3 (February 11, 1950)

Aus schwindelnder Höhe,   p. 14 PDF (730.7 KB)


Page 14


Unter den vielen Wintersportbildern, die wir
zu sehen bekommen, haben die einen be-
sonderen Reiz, wo ein k¸hner Skispringer
weit in die Landschaft hineinspringt und wo
unten im Tal die Zuschauer wie kleine Punkte
erscheinen. Hoch vom Berg kommen sie ge-
flogen und schweben auf ihren Skiern 70,
80 und noch mehr Meter durch die L¸fte.
Die Rekorde liegen schon weit ¸ber diesen
Zahlen. Der weiteste Sprung betr"gt 120
Meter und wurde von dem Schweizer
Tschannen gesprungen. Der erste Mensch,
der die 100-Meter-Grenze ¸bersprang, war
der Osterreicher Sepp Bradl im Jahre 1936
mit 101 Meter. Es war auf der Riesen-
schanze von Planica in Jugoslawien. F¸nf
Jahre sp"ter sprang der Deutsche Rudi Ge-
ring auf der gleichen Schanze 118 Meter.
Nun m–chte man noch weiter springen!
Wird dies m–glich sein?
Es wird vom Bau der Schanzen abh"ngen,
denn von den einzelnen Sprungschanzen
lassen sich nur bestimmte Weiten erzielen.
So ist man auch in Deutschland, und zwar
in Oberstdorf, darangegangen, eine neue
Riesensprungschanze zu bauen, die Ende
Januar mit einem internationalen Skispringen
eingeweiht wurde.
Foto: B¸dceler
Anlaufturm einer arosen þp n asd4anie
Der Springer oben auf der Schanze blickt
von der H–he von 161 Meter, das ist so
hoch wie der K–lner Dom, hinab ins Tal,
in dem sein gegl¸ckter Sprung auslaufen
wird. Mit ¸ber 100 Kilometer Geschwindig-
keit gleitet er vom Schanzentisch in die
Luft. Sehr viel Wagemut und K–rperbe-
herrschung geh–ren dazu, den Sprung zu
wagen. Und doch sind die Unf"lle im Ver-
h"ltnis gering. Der Skisprung hat sich zu
einer hohen Kunst entwickelt, und seit man
aerodynamisch baut und springt, viel von
seiner Gef"hrlichkeit verloren.
Bei der Wertung des Skispringens sind die
Weite und die Haltung des Sprunges ent-
scheidend.  Also  wer die gr–þte  Weite
springt, ist nicht immer der beste Springer.
Die nordischen L"nder sehen mehr auf die
Sch–nheit und Eleganz des Sprunges. Dort
ist man auch gegen die Rekordsucht in der
Skispringerei.
Der Skisprung kommt aus dem Norden,
und zwar aus Norwegen. Die Geschichte
erz"hlt, daþ im Jahre 1886 in Norwegens
Hauptstadt Kristiania, heute heiþt sie Oslo,
ein Mann namens Elling Baekken als erster
zehn Ellen weit von einem Schneeh¸gel
durch die Luft flog. Er wurde genau so um-
jubelt wie die Sprungk–nige heute. Lehr-
meister f¸r alle L"nder waren die norwegi-
schen Springer, die in der Sch–nheit ihrer
Spr¸nge bis heute kaum erreicht wurden.
Doch die Rekordsucht und der Gesch"fts-
geist mond"ner Winterkurorte dr"ngen nach
Weite, so daþ der sportliche Wert des Re-
kordspringens fraglich wird, denn aus
Sportlern werden Artisten.
Sch–ner und sportlicher war und ist, was
die einfachen Bauern, Arbeiter und Hand-
werker aus Norwegen, Finnland und Schwe-
den an Skisuringkunst zeiqen.
Zeidinung: C. Karas (Aus Sportrummel, Werner
Tapper-Verlag)
*0*
In Argentinien herrscht Mangel an guten
Fuþballschiedsrichtern. Aus diesem Grunde
hatten die Argentinier den englischen
Fuþballverband gebeten, einige gute eng-
lische Schiedsrichter f¸r eine Saison nach
Argentinien kommen zu lassen. Die Eng-
l"nder waren dazu gerne bereit. Unter
anderen geh–rte auch Mr. Barrik zu
denen, die hin¸berfuhren und jetzt wie
der zur¸ckkamen. Mr. Barrik erz"hlte bei
seiner R¸ckkehr, daþ er innerhalb von
neun Monaten 19 Spitzenspieler vom Fuþ-
ballfeld habe verweisen m¸ssen. W"lh-
rend der 23 Jahre, die er als Schieds-
richter auf englischen Pl"tzen t"tig war,
habe er diese Strafe nur achtmal aus-
sprechen m¸ssen.
Im Oktober starteten zwei Schweizer
Sportler, die Meistergeher Schwab und
Ermatiner, in Herne (Westfalen). Auf
Grund dessen wurden die beiden vom
Schweizer Leichtathletik-Verband bis zum
Mai 1950 gesperrt.
Der groþle Irrtum
Hellblau leuchtet das Wasser des Amster-
damer Schwimmstadions auf den Olym-
pischen Spielen 1928. Vor äden dicht-
besetzten Zusdiauerr"ngen Turmspringen
der M"nner. Bewundernswerte Spri¸nge
die hoch bewertet werden, fordern den
Beifall der Zuschauer heraus. Die Menge
zaudert nicht, das K–nnen der Springer,
die aus allen Erdteilen herbeigeeilt sind,
anzuerkennen.
Zwei M"nner machen die Entscheidung
unter sich aus. Der Amerikaner Desjar-
dins und der Ÿgypter Simaika. Wunder
an Pr"zision und flieþender Bewegung
zeigen die beiden. Dann braust der Bei-
fall durch das Viereck. Eine Fahne
rauscht am Siegesmast empor. Nilgr¸n mit
einem weiþen Halbmond und drei
Sternen. Eine fremdl"ndische Hymne er-
klingt. Olympische Siegesfeier f¸r den
Ÿgypter Simaika, der das Turmspringen
knapp vor Desjardins gewonnen hat.
In diesem feierlichen Augenblick h–rt
man laute Schreie: Aufh–rens' .Auf-
h–ren!' Allesblickt auf, nach dort, von
wo der L"rm ert–nt.
Und dann h–rt man ganz klar, wie Erik
Bergvall, der Pr"sident des Weltschwimm-
verbandes, erkl"rt- äAufh–ren, das stimmt
ja nicht!'
Etwas sehr Schreckliches ist geschehen,
ein furchtbarer Irrtum. Der falsche Sieger
wird gefeiert.
Der Springer Simaika, der vollst"ndig
unschuldig ist, erbleicht. Schweigend ver-
l"þt er seinen Platz. Begleiter prote-
stieren. Das Publikum schweigt und be-
greift nicht
Dann die Stimme aus dem Lautsprecher,
die erkl"rt: Bei der Wertung sei ein be-
dauerlicher Irrtum geschehen, die Nach-
pr¸fung habe ergeben, daþ Desjardins
gewonnen habe, da die Platzziffer und
nicht die Punktwertung entscheidend set.
Desjardins habe Platzziffer 10 und
Simaika 11, somit sei Desjardins Erster
und Simaika Zweiter.
Es ist eine schlimme Sache. Alle Feier-
lichkeit ist nun dahin. Wer kann noch
Beifall spenden, nachdem er eben Simas
Beifall zollte? Die nilgr¸ne Flagge sinkt
herab. Der Union Jack steigt auf. Wer
achtet darauf? Ein St¸ck sportlicheTragik.
F¸r Desjardins und f¸r Simaika. Der eine
lebte f¸r eine kurze Zeit in der Illusion
des Sieges, der andere kam um das k–st-
liche Gef¸hl der ersten Siegerehrung.
Aus schwindelnder H–he


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