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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 2, Nr. 20 (September 24, 1949)

Briefe an die Redaktion,   p. 15 PDF (874.4 KB)


Kt.
Unser Recht,   p. 15


Page 15


i~~~~~~~
Werte Kollegen!
Durch die Tatsache. daþ das Problem eines etwaig
einzurichtenden Arbeitsdienstes immer mehr in den
Vordergrund gestellt wird sehen wir, daþ die Arbeits-
lage bzw. die Berufsaussichten f¸r die heutige Jugend
sich immer mehr zu einem katastrophalen Problem
entwickeln.
Wie schon richtig in einem Bund-Bericht gesagt, ist
es heute vielfach so, daþ ein Uberschuþ an Arbeits-
kr"ften, also auch an Jugendlichen, dort besteht, wo
keine Arbeit bzw. weniger Arbeit vorhanden ist.
Diesem fibel abzuhelfen, ware mn. E. die unbedingte
Pflicht der zustandigen Ministerien.
Da es die demokratischen Grundprinzipien nicht zu-
lassen, daþ die Freiheit der Person angetastet wird,
ist ein sogenannter Arbeitsdienst in seiner Pflichtform
abzulehnen, jedoch in seiner freiwilligen Weise mn. E.
als Uberbrurkung, nicht zuletzt im Interesse der wei-
teren Ausbildung des Jugendlichen, im Augenblick zu
begr¸þen, da von diesem, dem Jugendlichen, der
weitere Schritt in den Beruf gewahrleistet werden muþ.
Um den Jugendlichen in den arheitsarmcen Gebieten
nun den Anschluþ im Beruf zu gewahrleisten, mache
ich von mir und im Namien unserer Jungkollegen den
Vorschlag:
1. Zentral in den Gebieten, wo ein Mangel von
Arbe.itskr"ften  besteht. sogenannte  Arbeitsd–rfer
einzurichten und so die Voraussetzungen f¸r eine
planinaþige Arbeit zu sdiaffen.
2. Eine Weitertiildlung fur die Jugend durch Einrich-
tung voii Bildungsanstalten ;;ewahrleisten, die mlazu
in der Lage sind nut dein Ziel, evtl. dadurch zu
einer anderen Berufsart zu komumen und durch die
Ausbildung das n–tige Grundwissen.
Zu dem zwzeiten Vorschlart wurde mn. E. ein sichtbares
Gegenteil von den fruheren Kadettenanstalten zu er-
blicken sein, in denen die Jugend fur den Tod erzogen
wurde. Durch die Bildungsanstalten soll die Jugend
fur eine bessere Zukunft heranreifen, und um das zu
gewahrleisten, muþte ni. E. unledingt zur Tat ge-
schritten werden.
Wilhelmn Arens, Jtugendlciter, Emden-Norden.
Gutenberg -   die Erfin-      -
dung der Buchdrucker-
kunst -    von  Georg                f
Nowottriidc, Ph–nix-Ver-
lag  Christen  &  Co.,
Hamburg 1.
Mit ,der Sdhwarzen Kunst', dem Buchdrudc, befaþt
sich dieses kleine Buch. Auf den Spuren der ersten
Buchdrudcer - sieben waren es - f¸hrt uns Georg
Nowottnidc in die Zeit des Mittelalters - Anfang des
14. Jahrhunderts -, wo man naci einer Form suchte.
Gesdiriebienes zu vervielfaltigen. Wenig ist uns aus
dieser Zeit, wo das Pergament noch vorherrscht,
¸berliefert, wenig weiþ man auch von dem Erfinder
des Druckens, Johannes Gutenberg aus Mainz. denn
auþer einigen Prozeþakten sind uns keine Schrift-
st¸cke erhalten, in denen er als Erfinder angef¸hrt,
in denen etwas uber sein Leben berichtet wird.
Man muO staunen, wenn man dieses B¸chlein liest.
wie es dennoch dem Verfasser gelungen ist, trotz
sparlicher Anhaltspunkte klar herauszuarbeiten, daþ
Gutenberg allein die Erfinderehre des Buchdrudcs ge-
buhrt und ein sicheres Bild von der Entwicklung der
Buchdruckerkunsl und ihrer Verbreitung zu schaffen.
Heute, wo wir uns keine Kultur ohne Druck-Erzeug-
nisse mehr vorstellen k–nnen, sp¸ren wir, wie unend-
,lich viel wir Gutenberg und seinen Kollegen ver-
danken. Darum, um unser Wissen zu bereichern.
sollten wir uns dieses anschaulich geschriebene, leicht
erschwingliche B¸chlein kauten, besonders auch den
Kollegen von ,Druck und Graphik' m–chte ich es
empfehlen.                          Irmgard Klein.
Gustav Adolt Bischoff: _.Erst denken. datOt schreiben.-
Auf den kleinen Streifziigen unserer Zeitschrift ins
Zaiiherland der Sprache kann dies B¸chlein ein zuver-
iassi<ger Begfleite~r und Wegweiser sein. Wo uns Raum-
not z-ur K¸rzung indt blolþer Andeutung zwingt, ge-
stattet si;rh der Leitfaden Bisclinffs Vertiefungen und
Ausschweifungen, zuerst in allgemeinen Aufs"tzen
sprachkundlicher Art, sodann in einer alphabetischen
richtiger statt falscher Ausdrucke, von denen hbackt-
bhackte-- und   bhackst-- dcch  wohl besser  mit
hbackt"~., huk" und ha"ckst" auszuwechseln sein
w¸rden. Im dritten Teil des B¸chleins stehen kurze
Stilproben von Goethe, Schiller, Raabe, Sturm, Lessing
u. a. Einige Muster von personlichen und gesch"ft-
lichen  Briefen  und  sonstigen  Niederschriften  be-
schlieþen das verdienstliche Werkchen. (Verlag Georg
Westermann, Braunschweig.)                  R. W.
1
Euldh Grlsar: Die Hoch-
zeit In   der  Kessel-
~~icIª,er             Verlags Marburg, Flebrg-
c   h   ei r       Vsdmerleg  Feareburg,  o
man, 287 Seiten, ge-
bunden 8,50 DM.
Der .Kohlenpott', das Herzst¸ck deutscher Arbeit mit
seinen Menschen aus allen Landschaften und seinem
rastlosen Getriehe, hat bisher nur wenige Schrift-
steller verlockt, das Ohr an das in ihm pulsende
Leben zu halten. Erich Grisar aber ist einer von
denen, dem es der Kohlenpott mit seinen Menschen
angetan hat. In diesem Buch f¸hrt er einen Dort-
munder Vorzeichmer den Weg der Liebe und Ent-
t"uschungen, der dann sogar in einer Hochzeitsfeier im
Betriebe endet. Die Schilderung der Arbeit ist bei
ihm erlebtes Leben. Die Menschen siqd so, wie er
sie schildert. Das gibt seinem Buch den besonderen
Wert.                                          Fi.
Robert Nathan: Fr¸hlbing wird es wieder. 124 Seiten,
geb. 4,50 DM. Rowohlt-Verlag, Hamburg.
Unter den modernen amerikanischen Autoren nimmt
Robert Nathan einen besonderen Platz ein. Bei ihm
spuren wir trotz seiner lebensnahen, ungeschminkten
Schilderungen aus dem Alltagsleben von gescheiterten
Menschen, die hart um ihre Existenz ringen m¸ssen.
doch etwas Erw"rmendes in der K"lte der Welt und
etwas ¸ber alle Entt"uschungen hinweg Tr–stendes:
die Gute. Anders als viele Schriftsteller unserer Zeit
verzweifelt Nathan nicht und h"lt sich fern von
altem Nihilismus. Nathan glaubt an das Leben, er
bejaht es freudig und versucht, auch seinen Schatten-
seiten ein verhaltenes Leuchten abzugewinnen. Und
weil er (las Lehen liebt, so wie es ist, mit allen
Freuilen und Schmerzen, darum gelingt es ihm, sein
nalurgetreues Ahbild in harmonischen, ausgeglichenen
Strichen zu zeicinen.
So fuhrt uns Nathan hier in die (Genieinschaft einer
kleinen Gruppe, die durch die Wirren der ameri-
kanischen Depressionsjabre nach dem ersten Welt-
krieg bunt zusammengew¸rfelt wurde. Menschen aller
Stande finden sich in dem armseligen Gerateschuppen
des Neuyorker Parks zusammen, gleich arm, gleich
ern¸chtert und gleich  hoffnungslos.  Die Not aber
bindet sie enger aneinander, durch menschliche W"rme
und ftitfsbereitschaft wenden sie alle Widerwartig-
keilen in gemeinsames Glu¸ck, bis es auch f¸r sie
wieder Fr¸hling wird.               Karl W. K¸nz.
Der Jugendliche im Arbeitsrecht
2. Die einzelnen Pflichten des Lehrherrn
Beim Bundverlag erscheint ein ,Gewerkschaft-
liches Handbuch' mit dem Titel ,Lehrlingsrecht'.
Wir nehmen dies zum Anlaþ, um einige Kern-
fragen des Lehrvertruges zu besprechen.
Jeder Lehrling muþ wissen, welche Pflichten sein
Lehrherr ihm gegenuber hat! Die gesetzlichen
Bestimmungen hier¸ber sind aus der Gewerbe-
ordnung (Gew0) und dem Handelsgesetzbuch
(HGB   f¸r kaufm"nnische   Lehrlinge) zu  ent-
nehmen. In erster Linie gilt auch f¸r die Pflich-
ten des Lehrherrn der Lehrvertrag. Gemn. ß 126 b
der GewO muþ dieser n"mlich enthalten:
d) die Bezeiehnting des Gewerbes oder des
Zweiges der gewerblichen T"tigkeit, in wel-
chem die Ausbildung erfolgen soll;
b) die Angabe der Dauer der Lehrzeit;
c) die Angabe der gegenseitigen Leistungen;
d) die. gesetzlichen und sonstigen Voraus-
setzungen, unter welchen die Aufl–sung des
Vertrages ztul"ssig ist.
Die Pflichten des Lehrherrn zerfallen
in zwei Gruippen:                           -
a) die Ausbildungspflicht, worunter
man versteht, daþ der Lehrherr v'erpflidhtet
ist, den Lehrling in den bei seinem Betrieb
vorkommenden Arbeiten des Gewerbes zu
-unterweisen (ß 127 Abs. 1 GewO und ß 76
Abs. II HGB). Der Lehrherr kann sich durch
geeignete Vertreter vertreten lassen, wenn
dadurcht das Ausbildungsziel nicht gef"hrdet
wird.
b) die F¸rsorgepflicht : Den Lehrherrn
trifft dens Lehrling gegen¸ber eine erh–hte
Fursorgepflicht. Er hat ihn z. B. zur Arbeit-
samkeit und zu guten Sitten anzuhalten
und ferner vor Nachl"ssigkeit, Bummelei
und Ausschweifungen zu bewahren; er hat
ihn vor Miþhandlungen vott seiten der
Arbeits- und Hautgenossen zu sch¸tzen und
daf¸r Sorge zu tragen, daþ ihm nicht Arbeits-
verrichtungen zugemutet werden, welchen
seine k–tperlichmen Kr"fte nicht gewachsen
sind (ß 127 Abs. 1 Gew0j.
So notwendig es f¸r jeden einzelnen Lehrling ist,
sich ¸ber die Pflichten des Lehrherrn klar zu
sein, darf er nie vergessen, daþ das Gesetz auch
ihm selbst Pflichten auferlegt. Der Lehrvertrag ist
Arbeitsvertrag. Es zeichnen ihn aber gewisse
Besonderheiten aus, die darin begr¸ndet sind,
daþ dem Lehrherrn die Ausbildung und Erziehung
des Lehrlings obliegt. Die P fli ch t en  d es
L e h ir I i n g s liegen in einem verst"rkten Ge-
horsam und der erh–hten Pflicht zur Unterord-
nung und zur Treue. Der Lehrling hat sich dem
Lehrherrn gegen¸ber, wie ß 127a GewO ausdr¸ck-
lich hervorhebt, anst"ndig zu. betragen. Diese
Dinge treten hesrinrders in den nicht seltenen
F"llen stark in Erscheinung, wo der Lehrling in
die h"usliche Gemeinschaft des Lehrherrn auf-
genommen wird. Andere als die mit der Aus-
bilduntg zusammenh"ngende Arbeiten braucht der
Lehrling nicht zu leisten, jedoch darf er kleine
Nebendtenste und technische Verrichtungen nicht
verweigern, wenn sie ¸blich oder vereinbart
sind. H"usliche Arbeiten braucht der Lehrling
nur zu leisten, wenn er im Hause des Lehrherrn
Kost und Wohnung erh"lt (ß 127 Abs. II GewO
und  ß 76 Abs. 111 HGB). Handlungslehrlinge
trifft noch  das  sogenannte  Konkurrenzverbot
(vgl. hierzu ß 76 in Verbindung mit ßß 60, 61
HGB).
Uber Fragen des Abschlusses des Lehrvertrages,
insbesondere der Zustimmung des gesetzlichen
Vertreters, ist in der letzten Nr. des ,Aufw"rts'
gesprochen worden. Uber die Dauer und die
Beendigung etwas zu sagen, reicht leider nicht
der zur Verf¸gung stehende Raum. Wesentlich
ist vielleicht noch, an dieser Stelle zu betonen,
daþ bez¸glich der Arbeitszeit die Bestimmungen
des Jugendschutzgesetzes (JSchG) nach wie vor
Geltung haben. Daþ von seiten der Gewerk-
schaften seit langem ein neues Jugendarbeits-
schutzgesetz gefordert wird, zu dem ein eigener
Entwurf erstellt worden ist, ist euch bekannt.
Was den Urlaub des Lehrlings anbelangt, so gilt
auch hier in der britischen Zone noch der ß 21
JSchG, mit Ausnahme von Niedersachsen, das
ebenso wie die s¸ddeutschen L"nder ein eigenes
Urlaubsgesetz vecabschiedet hat. Diese Gesetze
bringen in der Regel eine Ausweitung des Urlaubs
f¸r Jugendliche auf 24 Arbeitstage. Die Lehr-
lingsverg¸tung unterliegt der Vereinbarung und
kann auch - ebenso wie andere Teile des Lehr-
verh"ltnisses - durch Tarifvertrag geregelt wer-
den. Ihrem Charakter nach ist sie äLohn' und
keine ~Erziehungsbeihilfe'.
Diese kurzen Hinweise auf wichtige Fragen des
Lehrlingsrechts werden hoffentlich jeden Lehrling
dazu anreizen, sich einmal eingehend mit seinen
Rechten und Pflichten zu befassen, die sich aus
dem Lehrverh"ltnis ergeben.                Kt.
Lizenztr"ger: Hans B–ckler, Albin Karl, Franz Spliedt.
Schritlleitung:  Hans  Treppte,  K–ln,  Pressehaus,
Breite Straþe 70, Ruf 5 88 41. Verlagsleitung: Heinz
Decker, K–ln, Pressehaus. Breite Straþe 70, Ruf 5 86 41.
Verlag: Bund-Verlag GmbH., Koln, Pressehaus, Breite
Straþe 70. Ruf 5 86 41. Veroffentlichst unter Zulassung
Nr. 234 der Milit"rregierung. Erscheint alle 14 Tage.
Auflage 200 000. Druck M. DuMont Schauberg, K–ln,
Fressehaus. Unverlangt eingesandteii Manuskripten muþ
Ruckporto beigef¸gt werden.
Die Jugendzeitschrift *Aufw"rts' kann bei allen
Post"mtemn und Jugendfunktion"ren bestellt werden.
LICHT UND SCHATTEN
Die Sonne lockt, die Sonne lacht.
Versonnen ist mein Blick.
Ich stehe wie in tiefer Nacht
Im Schatten der Fabrik.
Die Pflicht der Arbeit h"ilt mich lest.
Verlangen f¸llt mein Herz.
Ein Vogel, fl¸gellahm im Nest,
Sehn' ich mich sonnenw"rts.
Ein Schatten huscht, ein Schatten fliegt.
Erleichtert ist mein Sinn.
Belriedet aus dem Schattenspiel
Dr"ngt's mich zur Arbeit hin.
Josef Lenders
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