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Aufwärts
Jahrgang 2, Nr. 21 (October 8, 1949)

H. T.
Lagerfeuer Tanz Gesang und was uns sonst auffiel,   p. 3


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U N D W A S U N S S O N S T A U F F I E L
bundesfeier der deutschen Jugend und des
deutschen Sports in Bonn. Die Jugend
wurde gerufen, und sie kam per Fahr-
rad, Eisenbahn und Omnibus. Zwei Tage
lang gab sie der Stadt ein buntes, farben-
frohes Bild.
Der tiefere Sinn der Veranstaltung ist mir
nicht klar geworden, und alles machte den
Eindruck, als seien irgendwelche Leute im
letzten Augenblick auf diese Idee gekom-
men. Daf¸r zeugt schon, daþ man hier
Jugend und Sport in einen Rahmen spannte.
Es war offensichtlich, daþ man den Sport
in den Vordergrund stellte.
Aber nichtsdestotrotz, die Jugend aller
Schattierungen war gekommen, und sie er-
f¸llte die Aufgabe, die man ihr mit Musik,
Tanz und Lagerfeuer gestellt hatte. Die
Gewerkschaftsjugend. war  die  weitaus
st"rkste Gruppe. Tausende Jungen und
M"del aus unseren Gruppen waren gekom-
men. Sie gaben auch den einzelnen Ver-
anstaltungen das Gepr"ge. Ihre Singe-,
Musik- und Volkstanzgruppen warteten auf
allen Pl"tzen der Stadt Bonn mit beacht-
lichen Darbietungen auf, und die Zuschauer
kargten nicht mit Beifall.
Doch merkw¸rdigerweise wurde die Gewerk-
schaftsjugend als st"rkster Teil der Ver-
anstaltung nirgends erw"hnt. Der
Rundfunk vergaþ sie bei seiner Aufz"hlung,
und auch Bundespr"sident Heuþ nannte sie
nicht. Und das befremdet.
Am Sonntagnachmittag sprach der Bundes-
pr"sident zur Jugend. Es war eine einfache
und menschliche Rede, fern allen Phrasen
und leeren Versprechungen. Was im ¸bri-
gen im Laufe der zwei Tage an Reden ge-
boten wurde, war kaum von Belang. Eine
Ausnahme bildet, was unser Kollege Hel-
mut Sdcorr, der Bezirksjugendsekret"r des
DGB f¸r Nordrhein-Westfalen, auf dem
Marktplatz und am Lagerfeuer der Gewerk-
schaftsjugend sprach. Er stellte ganz klar
heraus, daþ die Jugend bereit sei, leben-
diges Glied im neuen Staat zu werden, daþ
sie aber auch W¸nsche und Forderungen
habe. Es gehe um die Linderung der
sozialen Not wie um eine neue Jugend-
schutzgesetzgebung.
Selten hat man Gelegenheit, die verschie-
denartigsten Jugendgruppen in ihrer Viel-
zahl an Namen in ihrem Tun zu beob-
achten. Dabei fiel mir einiges auf. Da gab
es Gruppen, da wurde marschiert, komman-
diert, Haltung eingenommen und derglei-
chen mehr. Es erinnerte an die Zeiten der
Hitlerjugend. Eine Gruppe trommelte auf
einem Erbst¸ck der HJ. Da gab es Jugend-
f¸hrer, die wie schneidige Offiziere auf-
traten. Ich glaube, die Stimmen ausdem Zu-
schauerkreis, die da sagten: ãDie neue SA
marschiert aufs, hatten nicht ganz unrecht.
Auch bei den Turnern ber¸hrte es merk-
w¸rdig, daþ sie Haltung annehmen muþten,
als der Oberkreisdirektor zu ihnen sprach.
Erfreulich ist, daþ der ¸berwiegende Teil
der Jugend mit diesen Dingen nichts zu tun
hat und sie ganz entschieden ablehnt. Das
kam in vielen Gespr"chen zum Ausdruck.
Im  ganzen sch–ler, zweckm"þiger, klarer
und richtungweisender w"re es gewesen,
wenn die Tage von Bonn nur der Jugend
geh–rt h"tten und damit die Zwiesp"ltig-
keit der Veranstaltung vermieden worden
w"re.                              H. T.
Fotos: 11 Sdcorr i21, Ingeborg Suielmans (41.
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