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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 2, Nr. 11 (May 21, 1949)

Nissen, N. P.
Bildung und Takt,   p. 2


W. B.
Alle müssen es kennen,   p. 2


Page 2


ALLE MUSSEN ES KENNEN ...
BILDUNG UND TAKT
Bildung und Takt sind durchaus nicht immer
miteinander vereint, wie ein oberfl"chliches
Urteil annimmt. Es gibt Gebildete', die
von einer Taktlosigkeit sind, die das Herz
erfrieren l"þt, und es gibt schlichte, ein-
fache Menschen ohne h–here Schulbildung,
die ein angeborenes Taktgef¸hl besitzen,
das die Umgebung wohltuend erw"rmt und
selbst harte Naturen r¸hrt.
Was heiþt denn ¸berhaupt Bildung? Wir
sind heute ¸ber die Zeit hinaus, da sich nur
der Mensch zu den Gebildeten z"hlen durfte,
der eine gewisse Summe von Schulkennt-
nissen  aufgespeichert hatte  und  damit
glaubte, das Recht erworben zu haben, auf
die Ungebildeten' hochm¸tig hinabblidcen
zu k–nnen. Menschen solcher Art sind nur
eingebildet und verkennen den Begriff
wahrer Bildung.
Vor allem muþ endlich mit der Vorstellung
aufger"umt werden, daþ Bildung nur eine
Sache des Intellekts, des Verstandes sei, daþ
die wahllose Anh"ufung von Kenntnissen
auf allen m–glichen geistigen Gebieten
schon Bildung bedeute. Das w"re ein sehr
oberfl"chliches Urteil. Nein, Bildung im
wahren Sinne des Wortes bedeutet viel mehr,
sie umschlieþt a 11 e Seiten des menschlichen
Wesens, sie umfaþt den ganzen Menschen.
Die Ausbildung des Verstandes ist nur ein
Teil der Bildungsaufgabe, die jedem von
uns gestellt ist. Zur Bildung geh–rt auch die
Herzens- und die Charakterbildung, ja diese
Bildung ist zur Beurteilung des menschlichen
Wertes einer Pers–nlichkeit geradezu ent-
scheidend. Bilden heiþt gestalten, heiþt for-
men, heiþt entwickeln, heiþt immerw"hrende
Wandlung, heiþt Streben nach geistiger
Harmonie, nach Ausgleich der Pers–nlichkeit.
Bildung ist kein Zustand, ist nichts Starres,
nichts Abgeschlossenes, nichts Vollendetes.
Bildung heiþt geistig aufgeschlossen sein,
heiþt vor allem auch Verst"ndnis f¸r andere
haben. Dieses Verst"ndnis ist die Wurzel
des Taktes.
Was ist Takt? Takt besitzen heiþt, ein Organ
haben f¸r feinste seelische Schwingungen,
heiþt Abstand halten, heiþt Unaufdringlich-
keit, heiþt ein sicheres Gef¸hl besitzen f¸r
alles, was unfein und unpassend ist. Die
Quelle des Taktes flieþt nicht aus dem Ver-
stand, sie kommt aus dem Herzen und ist
eine Sache des Gef¸hls.
Wem sind nicht schon Menschen begegnet
von bescheidener Herkunft, ohne groþes
Schulwissen, die ein hohes Maþ von Takt-
gef¸hl besitzen? Wieviel Zartheit der Emp-
findung, wieviel ehrliches Ringen um Er-
kenntnis, wieviel allgemein menschliches
Mitgef¸hl finden wir in Kreisen, die, vom
Standpunkt des Bildungsphilisters aus ge-
sehen, nicht zu den Gebildeten geh–ren.
Ein besonderes Kennzeichen wahrer Bildung
ist die Bescheidenheit. Wer sich in
den geistigen Bezirken umgesehen hat, wem
die F¸lle der geistigen Erscheinungen be-
gegnet ist, der weiþ, daþ alles menschliche
Wissen St¸ckwerk bleibt,
Von Goethe stammt das ewig g¸ltige Wort:
,Edel sei der Mensch, hilfreich und gut.'
Umfaþt diese Forderung nicht auch alles,
was zum Begriff menschlicher Bildung geh–rt?
N. P. Nissen
das Jugendarbeitsschutzgesetz, so f¸hrte in
der Diskussion der D¸sseldorfer Kund-
gebung der Vertreter der Gewerbeaufsicht
aus. Im Fr¸hjahr 1939 in Kraft getreten,
wurde das Gesetz bereits im Herbst 1939
durchSonderbestimmungen durchl–chert und
dadurch praktisch unwirksam. Heute stehen
wir vor der Frage, ein neues Gesetz zu
schaffen, wo doch praktisch das alte kaum
bekannt ist. Dar¸ber hinaus war f¸r uns der
Vorwurf bemerkenswert, daþ nach Meinung
der Gewerbeaufsicht die Jugendlichen selbst
die Miþst"nde nicht anzeigen, um sich nicht
selbst oder dem Ansehen der Firma zu
schaden. Zivilcourage, verbunden mit Wahr-
heit, tut not!
Ja, alle sollten es wissen! Darum f¸hrt das
Jugendsekretariat des Bezirks Nordrhein-
Westfalen eine Aufkl"rungsaktion ¸ber das
Jugendarbeitsschutzgesetz durch. Etwa 10 000
Jugendliche wurden in den St"dten Duis-
burg,  D¸sseldorf,  Essen, Gelsenkirchen,
Bielefeld, Recklinghausen, Marl, Moers, Dort-
mund, Velbert, Gummersbach, Leverkusen
erfaþt. Detmold, M¸nster, Opladen und
Troisdorf folgen.
Anregende Diskussionen mit Vertretern des
Jugendamtes der Gewerbe- und Handels-
schulen, der Handwerkerschaft, des Arbeits-
amtes, Ausbildungsleitern aus Groþbetrie-
ben fanden in allen F"llen statt. Beispiele
¸ber den Miþbrauch jugendlicher Arbeits-
kraft, von Kolleginnen und Kollegen selbst
in dieVersammlungenhineingebracht, lieþen
klarwerden, daþ nur eine bis ins kleinste
ausgearbeiteteJugendschutzgesetzgebung die
Gew"hr bietet gegen Miþbrauch der Unter-
nehmergewalt und Ausbeutung der Arbeits-
kraft junger Menschen.
Der Kampf um ein neues, den heutigen Ver-
h"ltnissen entsprechendes Jugendarbeits-
schutzgesetz ist in ein entscheidendes Sta-
dium getreten. Zwar sind die Verhand-
lungen, ein Gesetz auf bizonaler Ebene zu
erhalten, gescheitert. Die L"nder haben sie
angepackt. Niedersachsen begann, Nord-
rhein-Westfalen will folgen. Im Landtag
ist in diesen Tagen ein Gesetzentwurf der
KPD eingebracht worden, der nicht unsere
Zustimmung findet. Es kann nicht Aufgabe
einer Partei sein, aus Propagandagr¸nden
ein Gesetz einzubringen, ohne vorher mit
der Gewerkschaft, deren alleinige Aufgabe
es ist, die rechtliche Seite zu ¸berwachen
und dem schaffenden Menschen Schutz in
seiner Arbeit zu gew"hren, R¸cksprache zu
nehmen. Es ist den Gewerkschaften, den
jungen Menschen, aber auch der Wirtschaft
nicht mit unm–glichen Forderungen gedient.
Die Gewerkschaftsbewegung weiþ um ihre
Verantwortung der Jugend, aber auch der
Wirtschaft gegen¸ber. Der von ihr aus-
gearbeitete Gesetzesentwurf tr"gt diesen Er-
fordernissen Rechnung. Die Gewerkschaften
verlangen, zu diesem Gesetz geh–rt zu wer-
den, weil ihre Organe f¸r die sp"tere Durch-
f¸hrung und Uberwachung des neuen Ju-
gendschutzgesetzes berufen sind.   W. B.
Sm¸iag& ÷d   B    –44´Ÿ¸&
Beide waren zertr¸mmert. Die Sprit-
fabrik wird aufgebaut - die Berufs-
schule bleibt weiterhin ein Tr¸mmer-
haufe. Ein Merkmal der Wirtschafts-
methoden, die in unserem Deutsch-
land angewandt werden. Es ist ja so,
Jaþ Vergn¸gungspal"ste, Kinos, Ver-
waltungsgeb"ude und die H"user der
Reichen wie Pilze aus der Erde schie-
þen, w"hrend f¸r die Menschen, die
in Bunkern und Wohnl–chern hausen,
fast nichts getan wird. Ist es nicht ein
Wahnsinn, daþ uns Millionen Wohn-
r"ume fehlen - und Bauarbeiter ar-
beitslos sind? Sehen unsere Verant-
wortlichen nicht, daþ wir uns wieder
einem Zustand n"hern, wie er in den
dreiþiger Jahren war, wo ¸ber das
Daniederliegen der Bauwirtschaft die
Arbeitslosigkeit immer gr–þer wurde,
w"hrend die Ankurbelung der Bau-


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