University of Wisconsin Digital Collections
Link to University of Wisconsin Digital Collections
Link to University of Wisconsin Digital Collections
The History Collection

Page View

Aufwärts
Jahrgang 2, Nr. 13 (June 18, 1949)

E.
Wunderkind und Wunder der Musik: Wolfgang Amadeus Mozart,   p. 11


Der Fuchs,   p. 11 PDF (747.1 KB)


Page 11


WUNDERKIND UND WUNDER DER MUSIK
AtJtadeus
./l-lozarf
Mlozart als sechsj"hri-
ger  Knabe   ~im      aa
kleid (1762) Foto: Archiv
Was stellen sich die meisten Menschen vor,
wenn sie den Namen Mozart h–ren? Wahr-
scheinlich das musikalische Wunderkind, f¸r
das Mozart schlechthin der Inbegriff gewor-
den ist. Wahrscheinlich auch dies: schwe-
bende Heiterkeit und ziervolle Grazie, wie
sie sich mit dem Wort ,Rokoko' verbinden.
Das klavierspielende Wunderkind hat in
der Tat in den europ"ischen Hauptst"dten
das gr–þte Aufsehen gemacht. Es waren,
"uþerlich betrachtet, ¸berhaupt die st"rk-
sten Erfolge, die Mozart in seinem kurzen
Leben (von 1756 bis 1791) zu verzeichnen
hatte. Auch dem komponierenden J¸ngling
war das Schicksal noch hold. Dann aber
f¸hrte die Linie dieses Lebens abw"rts in
die Niederungen der Not, des Verkannt-
werdens und des fr¸hen k–rperlichen Ver-
falls. Mozart kam als siebtes und letztes
Kind des Salzburger Hofmusikers Leopold
Mozart zur Welt. Von den sieben Geschwi-
stern wuchsen nur er und die um f¸nf Jahre
"ltere Schwester, das ,Nannerl', auf. Schon
mit dem Sechsj"hrigen begann der strenge
Vater Konzertreisen zu unternehmen. Die
ersten gedruckten Noten stammen von dem
achtj"hrigen  Mozart.  Der  Zw–lfj"hrige
schrieb seine erste Oper. Mit 19 Jahren
etwa erreichte er die erste Reife und kom-
ponierte Werke, die noch heute das Ent-
z¸cken der Konzerth–rer bilden.
Die gl¸cklichsten Tage Mozarts waren die
seines Brautstandes. Damals schrieb er vol-
ler Hoffnungen die Oper ,Die Entf¸hrung
aus dem Serail', und auch die Heimf¸h-
rung seiner Konstanze nannte er scherzhaftt
.eine Entf¸hrung". In einem Brief hat er
seine Trauung geschildert: ,Bei der Kopu-
lation war kein Mensch zugegen als die
Mutter und die j¸ngste Schwester, der Vor-
mund und die beiden Trauzeugen. Als wir
zusammen verbunden wurden, fingen so-
wohl meine Frau als ich an zu weinen; da-
von wurden alle, sogar der Priester ge-
r¸hrt, und alle weinten, da sie Zeuge un-
serer ger¸hrten Herzen waren.'- Die Ehe
war nicht ungl¸cklich, aber sie war auch
nicht sonderlich gl¸cklich.
In jenen Jahren lernte Mozart auch seinen
groþen Zeitgenossen Joseph Haydn kennen,
der auf einige seiner Kammermusikwerke
einen nachhaltigen Einfluþ ausge¸bt hat.
Einen groþen B¸hnenerfolg erlebte er 1786
bei der ersten Auff¸hrung seiner unver-
ganglichen heiteren Oper äFigaros H-och-
zeit'. Im Mittelpunkt von Mozarts Opern
steht nicht, wie bei Wagner, ein ~Held',
sondern schlechthin der Mensch. Mozart war
einer der gr–þten Menschen- und Seelen-
kenner. Er sah die Väorg"nge auf der Buhne
nicht in falscher idealistischer Verkl"rung,
er sah sie durchaus realistisch, er sah die
Menschen mit ihren guten und schlechten
Seiten, mit ihren Sorgen, N–ten und Trie-
ben. In seiner Oper ,Don Juan' hat er das
Schicksal des Triebmenschen geschildert. In
seiner letzten Oper. der ~Zauberfl–te', die
eins der groþen Wunder der B¸hne ist, fand
er den Weg zur H–he des sittlichen Seins.
zur vollkommenen Menschlichkeit. In diesen
,drei ber¸hmtesten seiner Opern begegnen
.sich Tiefe und Heiterkeit  ddrin hat Mo-
zart eine Klarheit und tr–stende Kraft er-
reicht, wie sie keinem anderen Meister
mehr mit so umfassender Wirkung beschie-
den war.
Elend und unter armseligen Verh"ltnissen
starb Mozart am 5. Dezember 179t. Sein
letztes Werk, das er nicht mehr vollenden
konnte, war das Requiemt, das sp"ter von
seinem Sch¸ler S¸þmayer erg"nzt wurde.
Das Werk war von einem Boten bestellt
worden, der den Namen seines Auftrag-
gebers nicht nennen sollte. Diese Geschichte
mit dem ,Todesboten' hat Anlaþ zu vielen
Legenden gegeben. Die Aufkl"rung, die
sp"ter erfolgte, war einfach genug: der Auf-
traggeber war ein aristokratischer Musik-
freund, der das Werk als sein eigenes aus-
geben und auff¸hren wollte.
Mozart erscheint in der Musikgeschichte als
das spezifisch ,musikalische', das am mei-
sten in Musik verzauberte Genie. Die Be-
gl¸ckung, die von seiner Musik ausgeht,
liegt nicht nur in ihrer reinen, naturhaften
Sch–nheit, sie liegt nicht weniger in einem
lauteren, echten Menschenturn. Kein an-
derer als Goethe hat in Mozart den musi-
kalischen Geistesverwandten gesehen. Was
er von den sch–pferischen Taten Mozarts
gesagt hat, gilt auch heute noch: ~Es liegt
in ihnen eine zeugende Kraft, die von Ge-
schlecht zu Geschlecht fortwirkt und so bald
nicht ersch–pft und verzehrt sein d¸rfte.'
F.
IGNAZIO SILON E
,£Der                iu cIis
Da erschien Agostino. Er wuþte noch nichts
und war dennoch blaþ und aufgeregt.
--Gestern abend -  wandte sich Daniele
an ihn,-- ist der Spion ausger¸ckt und hat
in unserer Abwesenheit viele meiner Pa-
piere mitgenommen, darunter die f¸r den
Grenzverkehr ... Man muþ, ohne eine Mi-
nute zu verlieren, die Betroffenen benach-
richtigen ..
---Heute fr¸h   antwortete Agostino -
wurden zwanzig Saisonarbeiter an der Sta-
tion Luino verhaftet. Und zwar die, welche
tags¸ber zur Arbeit in die Schweiz kommen
und abends nach Italien heimgehen ... Sil-
via sah den Vater und Agostino entgeistert
an, als w"re dies alles erfunden, eine Art
Theater.
Nein, nein   begann sie zu st–hnen -
dies ist alles nicht wahr! . .. Dies ist alles
ein Scherz! Agostino, sag mir um Gottes wil-
len, daþ es nicht wahr ist!...
Daniele raffte sich zusammen:
--.Man muþ sofort an die Rettung derer
denken, die der Spion noch nicht fassen
konnte!... Er und Agostino gingen eilig
davon.
Sp"t am Abend kam Daniele zur¸ck.
Mutter Filomena und Luisa saþen am Ka-
min, Silvia kauerte auf einer Kiste im Hin-
tergrund der dunklen K¸che.
Heute, schon fr¸h am Morgen -* - sagte
Daniele unter der K¸chent¸r-- sind unsere
Schmuggler verhaftet worden. Eine B¸cher-
sammeistelle in Brisaggo wurde am Mittag
ausgehoben. Die Polizei war bei Caterina.
Es scheint, daþ Agostino verhaftet ist und
wahrscheinlich ausgewiesen wird. Und hier?
Ist die Polizei noch nicht hier gewesen?..
Nein- antwortete Filomena.
Daniele setzte sich auf die T¸rschwelle.
Die Nacht kam heran, vom stillen Gang
der Sterne gef¸hrt. Der Hahn kr"hte zum
ersten Male, aber niemand dachte daran,
sich schlafen zu legen; niemand wollte am
ersten Stock vor¸bergehen, wo der andere
bis gestern gewohnt hatte. Der Hahn kr"hte
zum zweiten Male. Die Mutter und die j¸n-
-1-40 CEus!
Es trieb mich einst des Wissens starker Drang
Zur Schmiede, wo die Feueressen gl¸hten,:
Am Amboþ stand der wackre Schrnied und
schwano
Den Hammer, daþ die roten Funken spr¸hten.
Er h"mmerte mit stillem Fleiþ und gab
Nach Meisterart und kunstgerechten Normen
Dem rohen, gl¸hendweiþen Eisenstab
Gestalt und rechte, wohldurchdachte Formen.-
Und aus dem Werken sah ein Bild mich an:
Die Welt ist eine groþe Feuerkammer,
Der Schmied bin ich, bist du. Ist jedermann.
Lind unser Wille ist der Eisenhammer.
Wit alle sind mit z"hem Fleiþ bem¸ht,
Das Leben in die rechte Form zu bringen. -
Nur nicht ges"umt! Solang das Eisen gl¸ht,
Kannst du es zwingen!
Joset Kamp
gere Tochter blieben am Kamin sitzen, die
"ltere Tochter kauerte im Hintergrund der
dunklen K¸che auf einer Kiste und der Va-
ter auf der T¸rschwelle. Es war wie eine
Totenwache, es war, wie wenn einer gestor-
ben w"re. Der Hahn kr"hte zum dritten Male.
Da durchbrach ein durchdringender Tier-
schrei, einem schmerzerf¸llten Hundebellen
"hnlich, und dann ein langandauerndes
H¸hnergegadcer das Schweigen der Nacht.
Daniele sprang auf, durchquerte den Gar-
ten und rannte auf den H¸hnerstall zu. Dort
sah er einen Fuchs, dessen eine Pfote in der
Falle steckte. Sich mit den drei freien Pfo-
ten dagegen stemmend und den R¸cken
kr¸mmend, versuchte das Tier, das gefan-
gene Glied zu befreien. Als der Fuchs den
Menschen heraneilen sah, begann er nach
rechts und links w¸tende Spr¸nge zu
machen, obwohl ihn die Kette, mit der das
Fangeisen befestigt war, schwer behinderte.
--Endlichl - - keuchte Daniele mit wilder
Stimme. Er packte eine Axt, die neben dem
H¸hnerstall lehnte und hieb, als ob es sich
um das F"llen einer Eiche handelte, mit
f¸rchterlichen Schl"gen auf das Tier ein.
Er hieb auf den Kopf, auf den R¸cken, auf
den Bauch, auf die Beine, immer wieder
wie ein Wahnsinniger. Er fuhr fort, auf den
Fuchs einzuschlagen, auch dann noch, als
das Tier schon in Fetzen zerst¸ckelt, zu
einer blutigen Masse zermalmt war.
E ND E
11


Go up to Top of Page