University of Wisconsin Digital Collections
Link to University of Wisconsin Digital Collections
Link to University of Wisconsin Digital Collections
The History Collection

Page View

Becher, Johannes Robert, 1891-1958. / Wir, Volk der Deutschen; Rede auf der 1. Bundeskonferenz des Kulturbundes zur Demokratischen Erneuerung Deutschlands (21 Mai 1947)
(1947)

VIII. √úberparteilichkeit,   pp. 65-71 PDF (1.1 MB)


Page 68

Menschen vor allem sind es, auf deren Zugehorigkeit im
Kulturbund wir Wert legen.
Es gibt Manner und Frauen, die einer Partei angehoren
und sogar eifrige Parteimitglieder sind, die aber dennoch
unbefangen objektiv und uberparteilich zu d-enken und
zu handeln vermogen. Man kann also hier kein Schema
aufstellen. Man kann hier nicht mit veralteten biiro-
kratischen Schablonen arbeiten. Es ware ebenso schadlich
wie unsinnig, eine Kulturbewegung, eine geistige Erneue-
rungsbewegung wie die unsere, nach Parteimaf zu be-
messen.
Wenn also - Spaf mul sein - die Fqrderung erhoben
wird, die Leitungen des Kulturbundes jeweils im Ver-
haltnis zu den Wahlergebnissen zusammenzusetzen, so
kann ein solches Hirngespinst nur im Kopf eines unheil-
baren Doktrina-riss eines hemmungslosen Ausrichters und
Totalitatsanbeters entstehen, mag er sich als deren
Gegenteil auch noch so geflissentlich aufspielen. Eine
solche Forderung bedeutet: nach jeder Wahl mUilten alle
Kulturorganisationen sich proportional zu den ent-
sprecheniden Wahlergebnissen ausrichten, unbeschadet
darum, ob die betreffenden Organisationen in ihrer Mit-
gliedschaft mit diesen Wahlergebnissen identisch .sind
oder nicht. Jedermann versteht, dal Kultur sich nicht
in Parteiformeln zwingen laft und dal das Gewicht einer
geistigen Personlichkeit nicht einzig und allein davon be-
stimmt ist, ob sie einer Partei und welcher Partei sie an-
geh6rt. Ein solcher Totalititisanspruch des Parteilebens
ist absurd, und der Totalitatsanbeter wUrde nur folge-
richtig handeln, wenn er in seinem doktrinaren Wutanf all
auch noch von den Sportverban den usw. bis zu den
Kirchen und Religionsgemeinschaften eine den Wahl-
ergebnissen entsprechende Ausrichtung verlangte. Solche
abstrusen Forderungen enthullen den, der sie stellt, als
den prinzipienlosen Schwatzer, der er ist, und der sich
gegen die angeblichen Totalitatsanspriiche, den Doktri-
narismus und die Ausrichtungsgeliiste der anderen nur
68


Go up to Top of Page