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Vertriebene, Flüchtlinge, Kriegsgefangene, heimatlose Ausländer : 1949-1952
(1953)

5. Die Zuwanderer aus der sowjetisch besetzten Zone,   pp. 15-18 PDF (1.1 MB)


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Der Prozentsatz der Aufgenommenen an der Zahl der von den Ausschiissen Ober-
priiften betrug in                 1950        1951        1952
Gieflen              33,2 0/o    40,0 0/o    81,9 0/o
Uelzen               29,4 0/o    43,8 0/o     84,2 0/o
Berlin                 -                      69,4 0/o
Summe                30,9 0/o    42,3 0/o    75,6 0/o
bzw. Durchsdhnitt
Dabei wurden die alleinstehenden Personen bis zum 24. Lebensjahr bis August
1951 unmittelbar von den Landern aufgenommen. Ihre Zahl ist deshalb in den
Auf-
nahmezahlen von 1949/1950 nicht und von 1951 nur teilweise enthalten, wahrend
sie
die Aufnahmequote von 1952 wesentlich erhoht haben.
Der gr&fte Teil der Abgelehnten blieb trotz Versagung der Notaufnahme
im
Bundesgebiet und verschirfte dadurch die Lage auf dem Wohnungs- und Arbeits-
markt.
Auch von den nach dem Berliner Gesetz uiber die Anerkennung als politischer
FIichtling vom 30. 9. 1950 in der Zeit von 1949 bis Januar 1951 abgelehnten
etwa
109 000 Zuwanderern ging ein groIfer Teil in das Bundesgebiet. Hinzu kommen
noch
die unmittelbar von den Landern aufgenommenen Personen, &ren Zahl auf
etwa
600 000 geschatzt wird, und die grofe Zahl der illegal in das Bundesgebiet
gekom-
menen Personen, uiber die zuverlassige Schdtzungen nicht moglich sind.
Die Verteilung der in Uelzen und Giegen notaufgenommenen Zuwanderer erfolgt
nach einem vom Bundesrat festgelegten Schlissel, nach dem seit 1. 4. 1952
Nordrhein-
Westfalen 64,2 0/o, Baden-Wiirttemberg 21 0/o, Hessen 5 0/o, Bayern und Rheinland-
Pfalz je 3 0/o, Hamburg 2,6 0/o und Bremen 1,2 °/o aufzunehmen hatten.
Die Linder
Niedersachsen und Schleswig-Holstein wurden von der Aufnahme von Fliichtlingen
aus der sowjetisch besetzten Zone freigestellt. Auf die besonderen Verhaltnisse
in
Berlin wurde dadurch RUcksicht genommen, daB nach Berlin nur 20 °/o der
in Berlin
Aufgenommenen eingewiesen wurden, wahrend 80 0/o in das Bundesgebiet eingeflogen
wurden.
Bei der Verteilung legte das Bundesministerium fur Vertriehene Wert darauf,
dag Aufgenommene nur in Lander und in Gemeinden eingewiesen wurden, in denen
sie nicht nur Unterkunfl, sondern auch Arbeit erhalten konnten.
Die Sperrmagnahmen an der Zonengrenze und die gleichzeitig immer starker
werdenden Bestrebungen zur Sowjetisierung der sowjetisdc besetzten Zone fiihrten
dazu, dag seit Juni 1952 sich der Zustrom uberwiegend nach Berlin verlagerte.
Dort
beantragten seitdem durchschnittlich 15 000 Personen im Monat die Notaufnahme.
Dieser neuen Situation trug die Bundesregierung sofort dadurch Rechnung,
dag sie
erstmals 5 Millionen DM fur die Errichtung eines Notaufnahmelagers in Berlin
zur
Verfiigung stellte. Ferner ordnete sie in der Verordnung vom 12. 8. 1952
an, dag
Zuwanderer zur vorlaufigen Unterbringung auch in die lander eingewiesen werden
konnen, die bisher von der Zuweisung ausgenommen waren. Der Anteil Berlins
an
der Einweisung der in Berlin aufgenommenen Zuwanderer wurde im November 1952
vom Bundesrat von 20 °/o auf 10 °/o herabgesetzt. Ab 1. 1. 1953 ubernimmt
die
Bundesrepublik 96 °/o, Berlin 4 °/o der aufgenommenen Zuwanderer.
Der stark anhaltende Zustrom von Zuwanderern aus der sowjetisch besetzten
Zone hat eine sehr ernste Lage geschaffen, die fur Berlin zuerst und dann
fur die
Bundesrepublik eine schwere Dauerbelastung darstellt. Magnahmen der Bundesrepublik
fur den Wohnungsbau fUr Zuwanderer aus der Sowjetzone siehe auch Kapitel
7 (Der
Wohnungsbau).
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