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The History Collection

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Beier-Red, Alfred, 1902- / Mit dem politischen Pinsel
(1953)

Brockdorff, Cay
Vorwort,   pp. 5-8 PDF (1.5 MB)


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Die speziellen Erziehungsaufgaben, die an die politische Grafik
gestellt werden, erweitern die Forderungen der Massenwirksam-
keit und -verständlichkeit, die sich aus den Grundzügen des
sozialistischen Realismus ergeben. Sie muß leicht begreifbar
sein, mit schnell lesbaren Mitteln das Typische erkennen lassen
und von der Wahrhaftigkeit des Ausgesagten überzeugen. Für
die gesamte agitatorisch-politische Grafik gilt das, was Prof.
Kemenow über eines ihrer Teilgebiete, das Plakat, ausführte: Sie
kann das Typische nur an charakteristischen Umständen und
Modellen, nicht aber in der individuellen Vertiefung erkennbar
machen.
In der Periode des kritischen Realismus wurde für die Tätigkeit
des politischen Grafikers die Bezeichnung "Karikaturist" allge-
mein. Sie birgt zwei Gefahren in sich. Sie leistet der Entwicklung
eines falschen Spezialistentums und der Vereinseitigung Vor-
schub. Die kapitalistische Gesellschaftsordnung wünschte den
Künstler von allseitiger Erkenntnis und Gestaltung der Wirklich-
keit abzuhalten. Formalistische Spielereien, Entstellung und De-
formierung der Erscheinungen in Natur und Gesellschaft und
antihumanistische Darstellungen wurden zum Wesen der politi-
schen Grafik gestempelt. Auf dieser Grundlage entstand in der
Verfallsperiode des Kapitalismus eine verzerrte und eingeengte
Auffassung der Karikatur. Diese Vereinseitigung beeinflußte
inhaltlich wie formal auch die Entwicklung d e r politischen Grafik,
die den fortschrittlichen Kräften als Waffe dient. Sie beschränkte
ihr Schaffen häufig auf die enthüllende und anklagende Zeit-
satire. Sie nahm ihr die Möglichkeit, das Neue und Zukünftige zu
gestalten. Dieses Spezialistentum zog viele Karikaturisten in den
Sumpf des Formalismus. So wenig die Bezeichnung "Karikatur"
in dem eben gekennzeichneten Sinne für die politischen Grafiken
eines Goya und Daumier, Steinlen, Jefimow und der Kukryniksy
als Gesamtbezeichnung ihrer Bemühungen richtig ist, so wenig
trifft sie für die umfassenden Aufgaben zu, die der demokratische
Aufbau in unserem Vaterlande dem grafischen Künstler stellt.
Der Autor sieht daher für die Entwicklung der politischen Grafik
drei Hauptaufgaben:
1. Die Sichtbarmachung des Neuen in der Aktion. Sie hat das
Ziel, den werktätigen Massen die ihnen innewohnende Kraft,
ihren Mut und ihre vorbildlichen Leistungen bewußt werden zu
lassen. Sie muß sie zu neuen größeren Taten begeistern.
Solche
Darstellungen bedürfen nicht notwendigerweise der Gegen-
überstellung mit dem Klassengegner oder dem Feind des demo-
kratischen Aufbaus. Jedoch müssen in solchen Werken die
Schwierigkeiten der Uberwindung des Alten durch das Neue,
kurz die Widersprüche unseres Lebens deutlich werden.
2. Die Entlarvung der Kriegsbrandstifter und Ausbeuter und ihrer
Handlanger. Jedoch muß in der Darstellung die unüberwind-
liche Kraft des Lagers des Friedens und Fortschritts stets direkt
oder indirekt sichtbar werden. Notwendigerweise wird eine
solche Gestaltung im Betrachter Haß und Verachtung gegen
diese Feinde der Menschheit auslösen und ihn davon über-
zeugen, daß ihre Oberwindung und Beseitigung geschicht-
liches Gesetz ist.
3. Die Auseinandersetzung zwischen dem Alten und dem Neuen
in der sozialistischen Gesellschaft, wobei das Alte als Einzel-
erscheinung vom Neuen stets kritisch überwunden wird. Wäh-
rend jedoch die Entlarvung der Imperialisten die Entlarvung
einer historisch zum U n t e r g a n g verurteilten Klasse bedeu-
tet, ist der kritisierte Einzelmensch, der Bürokrat, der moralisch
Schwache oder Undisziplinierte veränderbar und im Gesamt-
zusammenhang der Entwicklung seiner gesellschaftlichen Um-
gebung verbesserbar. Der Betrachter muß die Möglichkeit
haben, dies zu erkennen, um mit Hilfe einer solchen Kritik
das Alte und Negative um und in sich bekämpfen und beseiti-
gen zu können.
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