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L├╝thi, Walter, 1901- / Deutschland zwischen gestern und morgen: ein Reisebericht.
([1947])

Bekennende Kirche,   pp. 78-83 PDF (1.4 MB)


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Keller seiner Kanzlei verschwunden, und die Zahl der
Menschen in Deutschland ist grol3, die froh sind, diese
Fremdherrschaft loszusein. Aber wie steht es nun um die
Bekennende Kirche? Hat sie nun ihren Dienst getan und ist
gleichsam arbeitslos und uiberflissig geworden? War sie nur
eine der Widerstandsbewegungen und kann jetzt verschwin.
den? Die eigentliche Bekennende Kirche ist jetzt nicht nur
ebenso n6tig, ja, sie ist jetzt notiger denn je. Wir meinen
vor allem zwei nachstliegende Aufgaben gesehen zu haben,
die ihr jetzt unter den neuen Verhaltnissen aufgetragen und
gesetzt sind: Bekenntnis zur Schuld und Bekenntnis zur poli.
tischen Verantwortung. Das sind die beiden Ansatzpunkte,
da momentan die Bekennende Kirche in Deutschland, will
sie weiterhin bekennende Kirche sein, auf ihrem Posten ste-
hen muflte.
Man hat sich daruiber gewundert, dal3 jetzt die Kirche 'n
Deutschland nicht stirker aus sich herausgeht, dal3 sie nicht
mehr Anstrengungen macht, sagen wir einmal an die Massen
des Volkes heranzukommen, dal3 sie die <<volksmissionarisch
giunstige Situation>> nicht besser wahrgenommen hat. Aber
wenn sie das wollte, dann miiute sie das Wort haben, dann
mniite ihr das Wort gegeben sein. Und da liegt der Mangel.
Ein Kirchenfiihrer wie Hans Asmussen hat darin durchaus
recht, daB er sagt, der eigentlich wunde Punkt der Kirche
sei in Deutschland (nur in Deutschland?) die Predigt. Nun
aber hat die Kirche daruiber zu wachen, daB die Kirche sel-
ber an diesem wunden Punkt gesund werden mochte, und
nun nicht etwa den SchluB zieht, weil wir nicht mehr predi-
gen konnen, so versuchen wir's mit etwas anderem. Nein,
die Kirche hat jetzt ums Wort, ums rechte Wort, ums Wort
zur Lage, ums Wort der Stunde zu beten und zu arbeiten
und zu ringen. Wir k6nnen nicht mehr, wir konnen noch
nicht predigen, darum duirfen wir nicht ablassen, darnach zu
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