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The History Collection

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Nationale Front des Demokratischen Deutschland / Weissbuch über die amerikanisch-englische Interventionspolitik in Westdeutschland und das Wiedererstehen des deutschen Imperialismus
([1951])

5. Ein empfindlicher Schlag,   pp. 208-210 PDF (3.0 MB)


Page 209

vergehen. Diese Versicherungen haben die Zweifel und die Verwirrung im Lager
der Kriegstreiber jedoch nicht zu beheben vermocht.
Schon im September 1950 sah sich die eine hundertffinfzigprozentige amerikanische
Politik vertretende ,,Neue Ziircher Zeitung" (vom 6. September 1950)
zu folgender
Feststellung genotigt: ,,Die Bevolkerung Westdeutschlands verhalt sich gegenuber
der Wiederaufriistung zuruickhaltend, wenn nicht gar ablehnend. Im Ausland,
in
den angelsachsischen Landern vor allem, herrscht daruber ziemliches Erstaunen..'.1
Die britische Zeitschrift ,New Statesman and Nationu (London, 17. Februar
1951)
muB zugeben, daB die Opposition gegen die Wiederaufrfistung in Deutschland
auBer-
ordentlich stark ist. Sie 8breite sich auf das ganze Spektrum deutschen Lebens
aus,
wobei Menschen aus den verschiedensten Parteien und politischen Richtungen
ein-
bezogen werden; Rechtsanwalte, Arzte, Lehrer, Geschaftsleute und andere Personen
erklarten..., daB das deutsche Volk nicht wuinsche, Deutschland in ein Schlachtfeld
verwandelt zu sehen. Es will keinen Mann oder auch nur einen Pfennig fur
den
Krieg opfern. Diese Menschen werden nicht von Kommunisten gefiuhrt... Trotz
aller
Schmierereien und Boykotts seitens der Presse und Regierung ist ohne Zweifel
der
EinfluB dieser Gruppen mit ihrer Forderung nach einer friedlichen Wiedervereini-
gung im Wachsen begriffen."
In seinem fur den USA-Aul3enminister Acheson bestimmten Vierteljahresbericht
fur
die Zeit vomi1. Oktober bis 31. Dezember 1950 gibt McCloy zu, daB die Ablehnung
der Remilitarisierung und der amerikanischen Kriegspolitik breite Schichten
der
westdeutschen Bev6lkerung erfaBt hat. Jedoch glaube man, so schreibt er,
dal mit
fortschreitender Verwirklichung des Beschlusses der Nordatlantikpaktstaaten,
ihre
eigenen militarischen Krafte zu verstarken, das deutsche Volk seine Haltung
andern
werde.
Die amerikanische Zeitschrift ,Harpers Magazine' formuliert die Hoffnungen
McCloys in einem Leitartikel fiber die Wiederaufriistung Deutschlands etwas
gr6ber
und stellt zynisch fest:
,Wenn die Eisenhower-Armee wirklich etwas Kraft erhalten wird..., dann werden
auch die Deutschen nicht mehr so zuruickhaltend sein. Wie der liebe Cott
tauchen
auch sie im allgemeinen auf der Seite der starkeren Bataillone auf."
(Zitiert nach
,Deutsche Zeitung und Wirtschaftszeitung", Stuttgart, 6. Juni 1951.)
Diese zynisch-offenen AXuBerungen der amerikanischen Handler mit deutschem
Kanonenfutter zeigen eine auffallige Verwandtschaft mit Adenauers ,,Forderung'
nach Verstfirkung der amerikanischen Interventionstruppen in Westdeutschland
und
Dr. Schumachers mehrfach geauBertem Wunsch, die amerikanischen Imperialisten
m6gen ihre Truppen nicht in Arizona oder Texas, sondern in der Lnfieburger
Heide
oder am Rhein ausbilden. Das abgekartete Spiel liegt offen zulage.
Arger und Betroffenheit fuber den standig wachsenden und wirksamer werdenden
Widerstand des deutschen Volkes, der die amerikanischen Plane fiber den Haufen
zu werfen drohlt, spricht deutlich auch aus dem offiziellen Vierteljahresbericht
des
amerikanischen Hochkommissars McCloy ffur die Zeit vom 1. Januar bis 31.
Marz
1951. McCloy sieht sich trotz aller Versuche der Sch6rofarberei genbtigt,
das Vor-


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