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Nationale Front des Demokratischen Deutschland / Weissbuch über die amerikanisch-englische Interventionspolitik in Westdeutschland und das Wiedererstehen des deutschen Imperialismus
([1951])

2. Hauptkriegsschauplatz Deutschland,   pp. 134-145 PDF (4.7 MB)


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Angreifer in dem Raum zwischen Elbe und Rhein zur Entscheidungssdclacit zu
stellen. Bewegliche Verteidigung in weiten Raumen. Keine Verteidigung ,von
Linien'. Verhinderung des Rheiniiberganges.' (.Mittelbayrische Zeitung',
Regens-
burg, 14. August 1950.) In normales Deutsch iubertragen, heilt das: Nach
dem Schei-
tern des wBlitzkrieges' gegen Osten zu versuchen, daB Deutschland Hauptkriegs-
schauplatz bleibt. Zu diesem Zweck sollen die Deutschen mittels beweglicher
Ver-
teidigung ihr eigenes Land einebnen und sich in einem brudermbrderischen
Krieg
gegenseitig abschlachten: Korea in vergr6l3erter Ausgabe.
Der Versuch, das deutsche Volk ffir einen solchen Wahnsinn zu gewinnen, ist
der
Versuch, es zu einer Nation von Selbstmordern zu machen. Eine schwere Aufgabe
und eine'verbrecherische, landesverriterische hbchsten AusmaBes zugleich.
Dr. Schu-
macher hat sie auf sich genommen. Er erprobt aufs neue die Selbstm6rderstrategie
von Goebbels. Das Schumachersche Rezept ist mit den Herren von der Wallstreet
und Eisenhower genau abgekartet. Schumacher will, wie seine Auftraggeber,
den
Krieg gegen die Sowjetunion und die Volksdemokratien, an dessen Beginn der
deutsche Bruderkrieg stehen wiirde. Aber er steht in ,Opposition' zu Adenauer,
der das gleiche will. Was ist der Sinn dieser ,,Opposition"? Schumacher
will sidc
von keiner deutschen Interessengruppe in dem Bestreben uibertreffen lassen,
m6g-
lichst viel amerikanische Soldaten auf westdeutschem Boden zu haben. Er erklarte
am 23. August 1950 in Bonn: ,,Es ist gar nicht einzusehen, daB die amerikanischen
Divisionen nicht in Grafenw6hr oder in der Luneburger Heide ausgebildet werden,
statt in Texas und Arizona." (,Nordbayerische Volkszeitung", Nurnberg,
25. No-
vember 1950.)
Wir haben gesehen und werden noch sehen, daB Eisenhower fir diese Sorge
Schumachers volles Verstandnis hat und dafuir sorgt, daB die amerikanische
In-
vasion und die anderen Atlantikpaktstreitkrafte in Westdeu tschland fortgesetzt
verstirkt werden. Das zweite Motiv der Schumacherschen Opposition: Er will
eine
m6glichst starke deutsche Armee nadh einer von ihm vorgeschlagenen Wehrver-
fassung, die die restlose Aussch6pfung des westdeutschen Menschenreservoirs
fur
das neuzuschaffende Massenheer erm6glicht. Auch dafur hat Eisenhower volles
Verstandnis.
Man fragt sich nur, was haben diese Forderungen mit Opposition gegenuiber
Ade-
nauer zu tun? Will der etwas anderes? Das nicht. Aber die amerikanischen
Kriegs-
hetzer brauchen einen Mann, der EinfluB auf breite Schichten insbesondere
der Indu-
striearbeiter hat und so lange in ,Opposition' macht, bis seine Forderungen
erfullt
sind: eine m6glichst starke amerikanisch-britische Streitmacht in Westdeutschland,
damit das deutsche Volk, gestiitzt auf diese Verbundeten wie der Gehenkte
auf den
Strick, schneller fur die Remilitarisierung und den Angriffskrieg gegen Osten
ge-
wonnen werden kann. Nicht zufallig deckt sich das exakt mit den Wunschen
der
amerikanischen Kriegstreiber.
Nun ware den Deutschen nur noch beizubringen, daB der Krieg fuir sle gar
nicht so
sdilimm sei, denn er wurde schon am zweiten Kriegstag ostlich der deutschen
Ost-
grenze gefiuhrt, dank eben der Tatsache, daB ein starkes deutsches Massenheer
sich
auf starke Kampfverbande der Atlantikpaktstaaten stutzen k6nne. Den Versuch,
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