University of Wisconsin Digital Collections
Link to University of Wisconsin Digital Collections
Link to University of Wisconsin Digital Collections
The History Collection

Page View

Nationale Front des Demokratischen Deutschland / Weissbuch über die amerikanisch-englische Interventionspolitik in Westdeutschland und das Wiedererstehen des deutschen Imperialismus
([1951])

2. Hauptkriegsschauplatz Deutschland,   pp. 134-145 PDF (4.7 MB)


Page 140

umfassenden Vorbereitungen zu Sprengungen von Verkehrs- und Industrieanlagen
auch andere militarisdhe MaBnahmen. Von dem Major und Wehrwirtschaftler der
einstigen Nazi-Wehrmacht, Professor Dr. Kurt Hesse, wurde uns eine vertrauliche
Denkschrift fiber ,,Die deutsche Wirtschaftspolitik 1950/51 und die Verteidigung
Europas' bekannt. Im Zusammenhang mit unserem Thema interessiert aus dem
Punkt 5r besonders der Hinweis auf die vorgesehene Dislokation der Riistungs-
industrie. Daruber sagt Hesse:
,r) Einleitung einer Aufklarung der Arbeiterschaft fiber die Notwendigkeit
rustungs-
wirtschaftlidher MaBnahmen. Ernste Bedenken (im Hinblick auf bekanntgewordene
strategische Erwagungen der Atlantikpakt-Fhfirung fiber die Rolle des rechtsrhei-
nischen Gebietes) gegen eine zu weitgehende Inanspruchnahme des rheinisdi-west-
faliscien Industriepotentials fur Rdstungszwecke.'
E s w i r d d e s h a -1 b e m p f o h 1 e n, h i e r n u r e i n e R ui
s t u n g s i n d u s-t r i e
beschrdnkfen Umfanges wiedererstehen zu lassen, weitere
Anlagen jedoch in den linksrheinischen Raum und dabei
auch in das belgisch-hollndische Grenzgebiet zu verlegen.
Daruber hinaus durfte der Aufbau von Ruistungsindustrien in Westeuropa und
Nord-
afrika unter Beteiligung deutschen Kapitals, deutsdher Fachkrafte und unter
Ver-
wendung deutschen Materials in Betradht kommen ...
Dieser Vorsdclag Hesses zur Dislokation der Ruistungsindustrie ist auch eine
Be-
statigung daffir, daB das Gebiet rechts des Rheines als zur Todeszone des
amerika-
nischen Krieges geh6rig betradhtet wird. (Nebenbei, und das ist nidct unwidctig
fur
die Sonderabsichten des wiedererstehenden deutschen Imperialismus, zeigt
der Vor-
sdilag von Hesse, daB auf dem von ihm vorgeschlagenen Wege die belgisdien,
hol-
landisdien, luxemburgischen und franz6sischen Partner des Sdhumanplanes einer
,Uberschattung' durdi die deutsche Ruistungsindustrie sich kaum entziehen
k'nnen.)
Vermehrung der FlugplAtze in Westdeutsdhland
Eine andere wichtige militarisdie MaBnahme, die darauf sdclieBen l&Bt,
daB das
redhtsrheinische Gebiet des westdeutschen Separatstaates als Zermurbungszone'
betrachtet wird, ist die Anlage von neuen Basen fuir die Luftwaffe auf linksrheini-
sdcem Gebiet. In einer Geheimbesprechung in Bad Homburg zwischen Eisenhower
und Adenauer wurde vereinbart, daB links des Rheins 29 Luftstuitzpunkte,
einsdcliel3-
lich samtlicher unter Hitler 1940 angelegten Einsatzhafen, ausgebaut werden
sollen.
Die Vermehrung der Flugplatze auf linksrheinischem Gebiet wurde bereits im
Herbst
1950 in Angriff genommen. Auf einer Besprechung beim Ministerprasidenten
des
Landes Nordrhein-Westfalen am 10. Oktober 1950 wurde nach einer Meldung der
,Deutschen Zeitung", Stuttgart, vom 22. November die Bereitstellung
von Gelande
fur Flugplatze beschlossen. Bereits Ende Oktober wurde auf Grund dieses Beschlus-
ses im Gebiet von Erkelenz gerodet, ohne daB die Bauern, um deren Boden es
sidh
handelte, benachrichtigt waren. Insgesamt wurden etwa 400 Hektar gutes Acker-
land der bauerlichen Bewirtschaftung entzogen. ,,Die Welt", Hamburg,
beriditete
am 24. November 1950: 3Ein neuer alliierter Militairflugplatz soll bei Gillrath
im
Kreise Geilenkirchen in Grobe von rund 700 Hektar angelegt werden. Die Anlage
148


Go up to Top of Page