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Nationale Front des Demokratischen Deutschland / Weissbuch über die amerikanisch-englische Interventionspolitik in Westdeutschland und das Wiedererstehen des deutschen Imperialismus
([1951])

1. Westdeutschlands Position in der strategischen Planung der USA,   pp. 123-134 PDF (398.9 KB)


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schalle und Generalstabler, Manner mit ,RuBlanderfahrung", wie es in
den ,Such-
anzeigen" der Wallstreet heiBt. Diese modernen Landsknechtsfuhrer, die
Li Sing
Mans vom Rhein, die auBer ihren ,,Erfahrungen in der Ostkriegfuihrungu ihr
Vaterland verkaufen, die nie ein Gewissen hatten und um hohen Dollarsold
aus
deutschen Menschen die Todeshaufen fur den amerikanischen Krieg zusammen-
stellen diese Manner wie Halder, Guderian, Speidel, Heusinger usw. stehen
bei
den aMlbtrikanischen Kriegstreibern hoch im Kurs.
Diese deutschen Niederlagestrategen reden sich teilweise darauf hinaus, daB
ihnen
Hitler ihre Plane verpatzt habe; zumindest dadurch, daB er nicht SchluB gemacht
habe, als die Niederlage unwiderruflich feststand und die Armee, wenn auch
stark
angeschlagen, fur einen spater wieder aufzunehmenden Revanchekrieg hatte-
ge-
rettet werden k6nnen. Den entscheidenden Vorwurf aber richten sie gegen die
Westmachte, die durch ihre Landung in Westeuropa Hitler in den Riucken gefallen
seien und so verhindert hatten, daB SowjetruBland niedergerungen wurde. Das
ist der ,DolchstoBlegende - Ersatz' der deutschen Niederlagestrategen. Nach
der Niederlage von 1918 hatten sie die Legende in die Welt gesetzt, der ,innere
Feindu habe den DolchstoB gegen das ,im Felde unbesiegte Frontheeru gefuhrt,
und
nach der Niederlage im zweiten Weltkrieg wird zum Teil Hitlers Feldherren
Stumperei, zum Teil der Angriff der Alliierten in Westeuropa far die totale
Nieder-
lage der Macher des totalen Krieges verantwortlich gemacht. Der Zweck dieser
Legendenschusterei ist, den ramponierten Schild der deutschen Kriegfuihrung
wieder
so instand zu setzen, daB er far einen dritten Weltkrieg brauchbar ist. Jetzt
drehen
sie ihren amerikanisch-britischen Auftraggebern ihre ,reformierten' Feldzugsplane
gegen den Osten an. An Stelle des deutschen Monopolkapitals als oberstem
Auf-
traggeber tritt das anglo-amerikanische mit dem deutschen als Juniorpartner.
Das,
so rechnen die deutschen Niederlagestrategen samt ihrem  BoB" Eisenhower,
erlaubt
ihnen, das starke industrielle Potential Westeuropas und des nordamerikanischen
Kontinents ,gegen den Osten" geltend zu machen, ein mit allen Mitteln
der moder-
nen Kriegstechnik reichlich ausgestattetes Heer aus dem Menschenreservoir
von
mehr als 350 000 000 Menschen aufzustellen. Was in den Planen der Strategen
des Atlantikblocks, insbesondere in den Planen der einstigen Hitler-Strategen
ein
erstrangiger Trumpf zu sein scheint, ist der Umstand, daB sie sich der fatalen
Situation des Zweifrontenkrieges enthoben glauben.
So scheint sich diesmal die Redcnung der ehemaligen Hitler-Strategen zu ihren
Gunsten vereinfacht zu haben, und die von ihnen entworfenen Plane sind dem-
entsprechend mit allen Attributen der deutschen ,Offensivstrategie' versehen.
Die amerikanisdhe Zeitschrift ,Newsweek", New York, ver6ffentlichte
am 10. April
1950 einen von deutschen Generalen ausgearbeiteten Plan, der zwar dem damaligen
Stand der technischen Vorbereitungen vorausgriff, der aber nach Aussage der
Zeitschrift in seiner theoretischen Grundlage mit den Ansichten der westlichen
Experten in Ubereinstimmung stehe. Die deutschen Experten und ihre West-
und
,West Point" 1)-Kollegen gehen davon aus, daB jeder kommende Konflikt
als eim
1) NWest Point" Ist eine der bedeutendsten Offiziersschulen der USA,
aus der u. a. Eisenhower her-
vorgegangen ist.
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