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Nationale Front des Demokratischen Deutschland / Weissbuch über die amerikanisch-englische Interventionspolitik in Westdeutschland und das Wiedererstehen des deutschen Imperialismus
([1951])

4. Westdeutsche Wirtschaft - Teil der USA-Kriegswirtschaft,   pp. 83-94 PDF (2.2 MB)


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gas herzustellen. Eine Strukturverapnderung in der westdeutschen Wirtschaft
ist nicht
durcgefihrt worden, im Gegentell, der von den Nazis herbeigefiuhrte kriegswirt-
schaftliche Charakter ist noch weiter verstarkt und ausgebaut worden.
Wachstum der Rfistungsindustrie  Drosselung der Friedensindustrie
Die gesamte Industrieproduktion Westdeutschlands hat den Stand von 1936 im
Jahre
1950 um 9,5 v. H. iiberschritten. Angesichts der gestiegenen Bev6lkerungszahl
lag
die Erzeugung pro Kopf der Bev6lkerung allerdings noch unter dem Vorkriegsstand,
der erst im Durchschnitt der ersten ffiiif Monate des Jahres 1951 erreicht
wurde. Die
Entwicklung war jedoch auf den einzelnen Gebieten der Industrie vollkommen
unter-
schiedlich. Einige Industriezweige haben den Vorkriegsstand schon in einem
ganz
erheblichen AusmaB iiberschritten, wahrend andere zum Teil noch weit unter
diesem
Stande liegen.
Die Erdolgewinnung z. B. lag 1950 um 152 v. H. fiber dem Stand von 1936 und
stieg
in den ersten fuinf Monaten 1951 noch weiter auf eine Hohe von 183 v. H.
fiber 1936.
Der Fahrzeugbau uberschritt den Stand von 1936 im Durchschnitt des Jahres
1950 um
54 v. H. und in den ersten fuinf Monaten 1951 sogar um 92 v. H. Der Maschinenbau
lag im Durchschnitt 1950 bei 121 v. H. von 1936 und stieg in den er~ten fiinf
Monaten
1951 auf 150 v. H., die elektrotechnische Industrie hatte 1950 schon 236
v. H. von
1936 erreicht und in den ersten fnfif Monaten 1951 sogar 315 v. H.
Ganz anders ist die Lage auf dem Gebiet der Konsumguiter. Die Ledererzeugung
lag
im Durchschnitt von 1950 noch um 27 v. H., im Durchschnitt der ersten fiunf
Monate
1951 noch um 24 v. H. unter dem Vorkriegsstand. Die Schuherzeugung blieb
1950 um
22 v. H., 1951 um 9 v. H. unter dem Vorkriegsstand. Die Nahrungs- und GenuBmittel-
industrie zeigt in den ersten fuinf Monaten 1951 sogar einen Ruickgang von
2 v. H.
gegeniuber dem Durchschnitt 1950. Die Bauindustrie liegt ebenfalls noch unter
dem
Vorkriegsstand.
Wir sehen also eine stark ausgepragte Differenzierung in der Entwicklung
von In-
dustrien, die teilweise den Vorkriegsstand weit uiberschritten haben, und
denen, die
noch unter dem Vorkriegsstand liegen. Auch in den einzelnen Industriezweigen
selbst IiBt sich diese Differenzierung weiterverfolgen in dem Vorschnellen
und Zu-
riickbleiben verschiedener Erzeugnisse. Im Maschinenbau betrug die Erzeugung
von
Metallbearbeitungsmaschinen, die fur die Kriegsindustrie wichtig sind, im
monat-
lichen Durchschnitt 1936 in Westdeutschland rund 9000 t, im Mai 1951 war
sie auf
fast 10 000 t gestiegen. Die Erzeugung von Landmaschinen und Zubehbr dagegen,
die der Friedenswirtschaft dienen, ging von 19 000 t 1936 auf 16 300 t im
Mai 1951
zuruick. Im Fahrzeugbau stieg die Erzeugung von Personenkraftwagen im Mai
1951
gegenuber dem Durchschnitt von 1936 um 50 v. H., die Erzeugung von Lastkraft-
wagen dagegen stieg um 120 v. H. In der chemischen Industrie stieg die Erzeugung
von solchen kriegswichtigen Erzeugnissen wie Chlor um 160 v. H. gegenufber
1936,
von Atznatron fast um 200 v. H., wahrend z. B. die Erzeugung von Seife und
Wasch-
pulver von 42 600 t auf 18 900 t zuruickging.
Diese Zahlen zeigen, daB die Struktur der westdeutschen Wirtschaft nicht
etwa nor-
malisiert, sondern noch weiter in der Richtung der Kriegswirtschaft verandert
wird.
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