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Nationale Front des Demokratischen Deutschland / Weissbuch über die amerikanisch-englische Interventionspolitik in Westdeutschland und das Wiedererstehen des deutschen Imperialismus
([1951])

2. Der deutsche Imperialismus ersteht erneut,   pp. 67-77 PDF (1.9 MB)


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Einige dieser industriellen Kriegsverbrecher mu3ten schlieBlich unter dem
Druck
der 6ffentlichen Meinung, besonders in den Landern, die unter der faschistischen
Okkupation gelitten hatten, doch verhaftet werden. Gegen drei der Kriegsver-
brecherkonzerne wurden auch Prozesse in Nurnberg durchgeffihrt, gegen Krupp,
Flick und IG Farben. Wie die Atmosphare zwischen diesen Angeklagten und ihren
,,Anklagern" aussah, die in den sogenannten Kriegsverbrechergefangnissen
herrschte,
dartiber gibt eine eidesstattliche Erklarung eines der Hauptangeklagten im
IG-Far-
ben-ProzeB Auskunft, des Georg von Schnitzler, die er am 11. September 1945
abgab:
,,Das pers6nliche Verhaltnis zwischen den Untersuchungsbeauftragten und
mir, in Frankfurt, wahrend des Jahres 1945, war ein sehr ungezwungenes und
offenes, es war sehr herzlich."
(Office of Chief of Counsel for War Crimes, Document No. NI-5191, S. 1.)
Entsprechend diesem ,,herzlichen Verhaltnis" sah die ,,Bestrafung"
der ffihrenden
wirtschaftlichen Kriegsverbrecher aus. Sie befinden sich heute alle langst
in Freiheit.
Als letzter wurde im Februar 1951 Alfried Krupp entlassen und in seine samtlichen
Eigentumsrechte als Kanonenk6nig von Essen wieder eingesetzt. Mit der Entlassung
von Krupp und seinen Direktoren fand eine Episode der anglo-amerikanischen
Be-
satzungspolitik in Westdeutschland ihren AbschluI3, die darin bestand, ihren
eigenen
V6lkern und dem deutschen Volk Sand in die Augen zu streuen und den Anschein
von Bemuhungen zu erwecken, als ob man tatsdchlich dem aggressiven deutschen
Imperialismus zu Leibe riicken wollte.
Die Rettung des deutschen Monopolkapitals
Fur die neue Etappe der amerikanischen Politik in Westdeutschland, fur die
offene
Aufriistung braucht man die Krupps und Flicks und Schnitzlers, so wie man
ihre
Trusts braucht. Die Worte, die der amerikanische Hauptanklager in den Niurnberger
Prozessen im Jahre 1947 gesprochen hat, erweisen sich im Jahre 1951 als geradezu
prophetisch. Derselbe Gedanke ist auch von Tausenden und aber Tausenden deut-
scher und internationaler Friedensfreunde und Demokraten ausgesprochen worden:
,,Sollte die Schuld dieser Angeklagten nicht ans Tageslicht gezogen und sie
nicht entsprechend bestraft werden, so werden sie fur den kiinftigen Frieden
der Welt eine grolere Gefahr darstellen als seinerzeit Hitler."
Heute ist diese Gefahr bereits zu einer unumst6oflichen Tatsache geworden.
Die Rettungsaktion fulr die westdeutschen Konzerne und Trusts selbst setzte
bereits
am 22. Dezember 1945 mit dem ErlaB des Gesetzes 52 in den Westzonen ein.
Dieses
Gesetz stellte 67 Stein- und Braunkohlengesellschaften ,,unter Kontrolle",
ohne je-
doch die Eigentumsrechte der Zechenherren anzutasten. Auf Grund dieses Gesetzes
wurde am 20. Juli 1946 die Allgemeine Verfuigung Nr. 7 erlassen, die die
Kontrolle
fuir die Eisen- und Stahlindustrie anordnete. Im Oktober 1946 wurde die ,,Treuhand-
verwaltung" als ,,deutsches Organ" der North German Iron and Steel
Control zur
,,Entflechtung der Stahlkonzerne" ins Leben gerufen und einige Zeit
spdter die
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