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Nationale Front des Demokratischen Deutschland / Weissbuch über die amerikanisch-englische Interventionspolitik in Westdeutschland und das Wiedererstehen des deutschen Imperialismus
([1951])

1. Die Verfilzung des Deutschen mit dem amerikanischen Monopolkapital,   pp. 63-67 PDF (377.2 KB)


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Die Anleihen, aus denen die Altverschuldung Bonns resultiert, wurden nach
dem
ersten Weltkrieg, und zwar nach der Dawes-Konferenz fiber die deutschen Repara-
tionszahlungen, an Deutschland gegeben. Es gab damals kaum ein gr6Beres Unter-
nehmen in Deutschland, das keine amerikanische Anleihe aufgenommen hatte.
Mittels dieser Anleihen wurde die Reorganisation der deutschen Monopole und
die
Regeneration des im ersten Weltkrieg schwer angeschlagenen deutschen Imperia-
lismus vorgenommen. Die Kredite fur die deutsche Schwerindustrie und besonders
ffir den deutschen Stahltrust, die Vereinigten Stahlwerke AG, wurden fast
aus-
schlielflich von dem Wallstreet-Bankhaus Dillon, Read & Co. gegeben,
das in der
kurzen Zeit von Oktober 1924 bis Dezember 1928 mehr als 200 Millionen Dollar
in
deutschen Anleihen anlegte.
Der EinfluB, den dieses Bankhaus auf die Besatzungspolitik in Westdeutschland
nach
dem zweiten Weltkrieg ausubte, geht daraus hervor, dal3 sein Prasident James
V.
Forrestal der Verteidigungsminister Trumans war, der bekanntlich seiner eigenen
Kriegshysterie zum Opfer fiel. Der Vizeprasident von Dillon, Read ist ,,General"
William H. Draper jr., der fruhere Direktor der Wirtschaftsabteilung der
US-Militar-
regierung in Westdeutschland, der danach sogar stellvertretender Kriegsminister
wurde. Jetzt ist er auf seinen Vizeprasidentenposten in die Wallstreet zuriickge-
kehrt. Ein anderer Vizeprasident von Dillon, Read & Co., Paul Henry Nitze,
war
wahrend des Krieges in wichtiger Stellung im AuBenministerium tatig, uibernahm
dort im Jahre 1946 die Abteilung Internationale Handelspolitik, war fiuhrend
an der
Aufstellung des Marshallplans beteiligt und ist auch gegenwartig noch im
AuBen-
ministerium.
Das amerikanische Finanzkapital hat durch die Milliardenverschuldung Deutsch-
lands nicht nur eine enge Verbindung mit den deutschen Monopolisten hergestellt,
sondern es hat auch daffur gesorgt, daB es seine Interessen durch eine entsprechende
Vertretung in den Schliisselpositionen des Staatsapparates und des Besatzungsre-
gimes in Westdeutschland unmittelbar wahrnehmen kann.
Amerikanische Beteiligungen in Westdeutschland
Die Verflechtung des deutschen mit dem amerikanischen Finanzkapital beschrankt
sich jedoch nicht nur auf die Form des Verhaltnisses zwischen Glaub'iger
und Schuld-
ner. Es gibt eine noch viel engere Form, namlich die der Partnerschaft, des
Verhalt-
nisses von geschaftlichen Teilhabern. An einer groBen Anzahl deutscher Unter-
nehmungen sind die amerikanischen Monopolisten direkt beteiligt. Die Gesamt-
summe dieser Beteiligungen - soweit sie sich uiberhaupt nachweisen lassen-
ubersteigt eine Milliarde Mark um ein betrachtliches. Nach einer Ver6ffentlichung
des Deutschen Wirtschaftsinstituts in Berlin, das zum erstenmal eine zahlenmaBige
Untersuchung der amerikanischen Beteiligungen in der deutschen Wirtschaft
vor-
genommen hat, erreichen diese Beteiligungen die H6he von etwa 1,4 Milliarden
Mark. Das ist eine sehr vorsichtige Schatzung und der tatsachliche EinfluB
des ame-
rikanischen Kapitals diirfte etwa doppelt so hoch sein und sich auf rund
drei Mil-
liarden Mark des westdeutschen Gesellschaftskapitals erstrecken.
Es handelt sich dabei naturflich nicht um deutsche Unternehmungen, die von
unter-
geordneter Bedeutung sind, und die amerikanischen Partner sind nicht etwa
kleine
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