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Nationale Front des Demokratischen Deutschland / Weissbuch über die amerikanisch-englische Interventionspolitik in Westdeutschland und das Wiedererstehen des deutschen Imperialismus
([1951])

1. Die Verfilzung des Deutschen mit dem amerikanischen Monopolkapital,   pp. 63-67 PDF (377.2 KB)


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einzugliedern, investierte der amerikanische Imperialismus auch nach dem
zweiten
Weltkrieg groBe Summen in Westdeutschland.
Ein groBer Teil dieser Mittel wurde direkt aus dem amerikanischen Militaretat
ent-
nommen und tragt die Bezeichnung GARIOA (Government Appropriations for Re-
lief in Occupied Areas = Regierungsbewilligungen fur Hilfsleistungen in besetzten
Gebieten). Durch den Namen soll der Eindruck erweckt werden, als handele
es sich
um groBe, unentgeltliche Unterstuitzungen. In Wirklichkeit mussen die GARIOA-
Kredite auf Heller und Pfennig zurickgezahlt werden.
Ein anderer Teil der in Deutschland investierten amerikanischen Kapitalien
kommt
aus dem sogenannten Marshallplan, dem ERP (European Recovery Program = Euro-
paisches Wiederaufbauprogramm), dessen Name ebenfalls den Eindruck einer
groB-
zugigen amerikanischen Hilfe hervorrufen soll. In keiner der zahllosen amerikani-
schen Propagandaveroffentlichungen fiber den Marshallplan in Westdeutschland
ist
ein Wort daruber zu lesen, daB es sich bei ihm nicht um eine grotzigige amerika-
nische ,,Srhenkung" handelt, sondern um Kredite, die restlos zuruckgezahlt
werden
mussen. Das besonders raffinierte an diesen Krediten ist, daB der amerikanische
Glaubiger den westdeutschen Schuldner im unklaren daruiber Ii&Bt, wann
die Ruck-
zahlung zu erfolgen hat, beziehungsweise unter welchen Bedingungen.
Die Verschuldung Westdeutschlands an das amerikanische Finanzkapital ist
nach
dem zweiten Weltkrieg durch GARIOA und Marshallplan ins Uferlose gestiegen.
Sie betragt bereits mehr als funfzehn Milliarden Mark. Diese Verschuldung
in sechs
Jahren ist grober als die gesamte langfristige Verschuldung ganz Deutschlands
im
Jahre 1931 nach dem Hereinstr6men der groBen amerikanischen Anleihen. Im
Juli
1931 erreichten die langfristigen Kredite ganz Deutschlands die Hohe von
10,7 Mil-
larden Mark und wurden damals als gefahrlich hoch betrachtet.
Diese vor dem zweiten Weltkrieg eingegangenen Schulden muissen natfirlich
zu der
Neuverschuldung hinzugerechnet werden, wenn man ein reales Bild von dem Ein-
fluB des amerikanischen Finanzkapitals in Westdeutschland, von seiner Verfilzung
mit dem deutschen Finanzkapital haben will, denn diese Altschulden sind in
Bausch
und Bogen von der Adenauer-Regierung anerkannt worden.
Die Gesamtverschuldung Bonns
Die gesamte Verschuldung Deutschlands an das Ausland betrug im Jahre 1940
nach
dem damaligen Dollarkurs von 2,5 RM rund 9,4 Milliarden Mark, nach dem heutigen
Kurs also etwa 15,8 Milliarden Mark, jedoch ohne die inzwischen aufgelaufenen
Zinsen und Zinseszinsen. Selbst bei bescheidenster Schatzung dfirfte der
Betrag nicht
weit unter 20 Milliarden Mark liegen. Davon dfirften 12 bis 15 Milliarden
auf die Ver-
einigten Staaten entfallen. Bei einer Gesamtverschuldung an das Ausland von
etwa
35 Milliarden Mark ist Bonn also mit 27 bis 30 Milliarden Mark allein an
die Finanz-
kapitalisten der Vereinigten Staaten verschuldet. Davon sind 10 Milliarden
Mark
Schulden von Banken, Industrie und Verkehrsunternehmungen, wahrend der Rest
von 17 bis 20 Milliarden auf den Bonner Separatstaat, die Lander und Gemeinden,
entfallt.
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