University of Wisconsin Digital Collections
Link to University of Wisconsin Digital Collections
Link to University of Wisconsin Digital Collections
The History Collection

Page View

Aufwärts
Jahrgang 8, Nr. 24 (November 24, 1955)

Bold, Gottfried
Stadt in Angst,   p. 7


Page 7

Sa 
Eh ,Wortern" von. Format mit Spncr Tracy 
Es war schon eine Sensation, als vor einigen 
Jahren - nach fast einem Halbjahrhundert 
.Wildwest'-Klamauk - es dem Hollywood- 
regisseur Fred Zinneman gelang, mit dem 
inzwischen weltbekannten Film .12 Uhr mit- 
tags« selbst in diesem abgespielten, knalligen 
Filmmilleu eine dramatische Gipfelleistung 
von hoher staatsbürgerlich-menschlicher Aus- 
sagekraft zu gestalten. Jetzt haben mit dem 
farbigen CinemaScope-Film .Stadt in Angst" 
Hollywoods Filmleute nochmals den Beweis 
erbracht, daß die so vielfach fragwürdige, 
unverwüstliche  .Wildwest'-Dramatik   auf 
menschlichen Gehalt und künstlerisches Niveau 
nicht zu verzichten braucht, wenn nur die 
richtigen .Kerle" dabei vor und hinter der 
Kamera stehen. 
War es damals Gary Cooper als der von 
seiner Gemeinde jämmerlich im Stich gelas- 
wohnern irgendwo tief im Westen am end- 
losen Schienenstrang der .Southern-Pacific»- 
Bahn vor sich hindöst, so nennen    darf. 
Bereits seine Ankunft wird zur Sensation. 
Vier Jahre schon hat der Paciflc-Expreß in 
Black Rock keine Station mehr gemacht, als 
eines Tages, ganz unvermittelt, der sdmittige 
Pullmanzug vor dem klapprigen Bahnhof- 
schuppen anhält und jener unheimliche Fremde 
aussteigt. <Was will dar Mann?» ist die bange 
Frage, die allen Leuten In Black Rock - nur 
zu schuldbewußt - auf den Lippen brennt. 
Eine Welle des Mißtrauens, ja des Hasses 
schlägt ihm entgegen, die zu offener Feind- 
schaft wird, als er nach einem Farmer japa- 
nischer Herkunft fragt, der vor einigen Jah- 
ren in den Ort gezogen war. Aber allem 
eisigen Schweigen, hämischen Grinsen und 
aller offenen und hinterhältigen Bedrohung 
gepeitschter, engstirniger nationaler Fanatis- 
mus haben in den Tagen des japanischen 
Uberfalls auf Pearl Harbour an diesem ,Japs' 
ihr Mütchen blutig gekühlt. Das gemeinsame 
schlechte Gewissen, die feige Mordtat nicht 
verhindert, nicht angezeigt und gar noch 
vertuscht zu haben, läßt die Bewohner dieses 
scheinbar gottverdammten Nestes wie Pech 
und Schwefel gegen den neuen, fremden Mit- 
wisser zusammenhalten. Er darf die Stadt 
nicht lebend verlassen, wenn sie nicht alle 
zur Rechenschaft gezogen werden sollen. Der 
Fremde aber nimmt notgedrungen den Kampf 
auf, weiß einige Bürger, denen noch ein 
Fünkchen Anständigkeit Im Leibe glimmt, auf 
seine Seite zu ziehen und verläßt andern- 
tags - nachdem er mit genialem Trick einen 
mörderischen Uberfall abzuwehren wußte und 
die Hauptibeltäter dem Gericht überantwortet 
hat - wieder die Stadt. 


Go up to Top of Page