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Jahrgang 5, Nr. 22 (October 30, 1952)

Auf gutem Wege,   p. [3]


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Erfolgreiche Jugendarbeit vor dem Kongreß 
Erstmalig in der Geschichte der deutschen Gewerkschafts- 
bewegung war, daß die Delegierten des Gründungskongresses 
in München einen Vertreter der Jugend in den Bundesvorstand 
wählten. Jene Entscheidung zeugt für den Weitblick des 
Münchener Kongresses, der die Jugendarbeit mit in den Vorder- 
grund gewerkschaftlicher Arbeit stellte. Im Zuge dieser Entschei- 
dung wurde beim Bundesvorstand die Hauptabteilung Jugend 
geschaffen.ý Der Aufbau war verständlicherweise mit vielen 
Schwierigkeiten verbunden, gab es doch keinen Vorgänger und 
keine Vorgeschichte für den Bereich der Jugendarbeit auf 
Bundesebene. 
Den Delegierten des Bundeskongresses in Berlin mußte nun das 
Ergebnis der geleisteten Arbeit auf dem Jugendsektor vorgelegt 
werden. Im Geschäftsbericht und im Referat des Kollegen Albin 
Karl .Uber den Stand der Organisation» nahm die Jugendarbeit 
einen breiten Raum ein, Und das, was gesagt wurde, war positiv 
und erbrachte den Beweis für die Zweckmäßigkeit und Notwen-
digkeit des Geleisteten. 
Vertrauen der Jugend 
In einer Zeit, in der man von einer Skepsis der Jugend gegen- 
über Organisationen und Parteien spricht, ist zahlenmäßig
der 
Anteil jugendlicher Mitglieder an der Gesamtmitgliederzahl 
stärker geworden. Es ist festzustellen, daß bei dem Mitglieder-
zuwachs der Anteil junger Menschen im Alter vom 14. bis 
21. Lebensjahr weit größer ist als' bei anderen Altersgruppen.
Am 30. Juni 1950 wurden 
281 053 männliche und 
124 319 weibliche, 
also insgesamt 405 372 gewerkschaftlich organisierte Jugendliche 
bis zum 21. Lebensjahr gezählt. 
Das waren damals 8,2 v. H. der gesamten Mitgliedschaft. 
Am 30. Juni 1952 wurden 
470 089 männliche und 
188 732 weibliche, 
also insgesamt 658 821 Jugendliche im gleichen Alter gezählt. 
Das entspricht einer Steigerung der Mitgliederzahl der Jugend- 
lichen unter 21 Jahren um mehr als 50 v. H. Das zeigt, daß die 
arbeitende Jugend Vertrauen zu der Gewerkschaftsbewegung 
gewonnen hat und mit Interesse aktiv mitarbeitet. 
Die Arbeit der Gewerkschaftsjugend findet unter anderem auch 
ihren Ausdruck in ihrem Anteil an der Jugendarbeit im öffent- 
lichen Leben. Der Deutsche Bundesjugendring mit etwa fünf Mil- 
lionen Mitgliedern ist die offizielle Repräsentation der deut- 
schen Jugend, in der die Gewerkschaftsjugend eine maßgebliche 
Rolle spielt. Von dieser Ebene aus wird versucht, im Interesse 
der Jugend Einfluß zu nehmen auf die behördliche Jugendarbeit
und auf die Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Jugend- 
pflege. 
Die Gewerkschaftsjugend ist heute ein Begriff in der Offent- 
lichkeit. 
Die Mitwirkung in außergewerkschaftlichen Organisationen und 
Institutionen des In- und Auslandes erfordert eine tätige Mit- 
hilfe von seiten der Gewerkschaften. Sehr umfassend sind die 
koordinierenden Aufgaben, die der Bund besonders auf dem 
Gebiet der Jugendgesetzgebung und Jugendwohlfahrt zu be- 
arbeiten hat. 
Von jeher ist der Betrieb die Basis gewesen, von der aus ge- 
werkschaftliche Arbeit. entwickelt wurde. Die bisherige Entwick- 
lung der betrieblichen Jugendarbeit berechtigt zu den besten 
Hoffnungen. 
Die Jugendarbeit konzentriert sich nicht mehr wie früher allein 
auf die Groß- und Industriestädte. Auf dem Lande, wo ehedem 
weder eine Gewerkschaftsarbeit noch eine Jugendgruppe exi- 
stierte, ist heute ein Einbruch vorgenommen, der sich nicht zu- 
letzt durch den Strukturwandel unserer Bevölkerung erklärt. 
Viele Jugendliche aus Flüchtlingskreisen sind ein belebendes 
Element in unserer Jugendarbeit. Und mit dieser Arbeit ging es 
aufwärts. 
Neue Aufgaben 
Wenn also im Gesamtaufgabengebiet der Jugend in der Berichts- 
zeit manches erreicht wurde, bleibt noch vieles zu tun, um die 
Sicherung der Jugend in Arbeit und Beruf zu vervollkommnen. 
Der Jugend muß so viel Sicherheit geboten werden, daß sie in
- Freiheit in eine Soziale Gemeinschaft hineinwachsen und dort 
mutig Verantwortung tragen kann. 
Schwer lösbare Probleme bleiben immer noch die Berufsnot der 
Jugend und der hohe Prozentsatz an Arbeitslosen, den die 
Jugend in der Gesamtzahl stellt. Hier tut sich eine ernste, soziale, 
wirtschaftliche und politische Gefahr auf. Ein erheblicher Teil der 
Jugendlichen ist berufs- und heimatlos, Sie haben unter den 
sozialen Spannungen mehr als die Erwacsenen zu leiden. Um 
so größer und verantwortungsvoller ist die Aufgabe, der heran-
wachsenden Jugend ausreichende Sicherung durch die Gesell- 
schaft zu gewähren. Die Pflicht, an der Erfüllung dieser Aufgabe
mitzuwirken, trifft jeden, der sich für das Schicksal der deut- 
schen Jugend verantwortlich fühlt, vor allem aber alle die- 
jenigen Organisationen, zu deren Aufgabenbereich die Arbeit 
an der deutschen Jugend gehört. 
Das Arbeits- und Berufsschicksal unserer jungen Generation ist 
eine der brennendsten Zukunftsfragen unserer Gesellschaft! 
Die Verbreiterung und Aktivierung der Jugendarbeit hat Raum- 
schwierigkeiten hervorgerufen, die es erforderlich machen, daß 
sich Bund und Gewerkschaften eingehend mit der Lösung des 
Problems des Jugendheimbaues befassen. Dabei kann mit Be- 
friedigung festgestellt werden, daß bei Neubauten von Gewerk- 
schaftshäusern Räume für die Jugendarbeit mit eingeplant wor-
den sind. 
Die erfolgreiche Entwicklung auf dem Gebiete der gewerkschaft- 
lichen Jugendarbeit macht es erforderlich, daß sich die zuständi-
gen Organe der Gewerkschaften und des Bundes noch mehr als 
bisher mit den Jugendfragen beschäftigen; denn sie haben weit- 
gehend eine allgemeinpolitische Bedeutung. 
Die Jugend bedarf der Erkenntnisse und Erfahrungen der Alten. 
Die Aufgaben müssen erkannt und die Pflichten an der Jugend 
erfüllt werden. 
Wenn wir der Jugend innerhalb der Gesamtbewegung ihren 
eigenen Wirkungskreis, ihren eigenen Lebensbereich belassen, 
werden in vertrauensvoller Zusammenarbeit, dessen sind wir ge- 
wiß, der Gewerkschaftsbewegung weiterhin in steigendem Maße 
qualifizierte junge Kräfte zuwadsen. 
Die Gewerksd:haftsjugend betrachtet sich selbst als einen un- 
trennbaren Bestandteil der Gesamorganisation, 
Vom Podium, wo er im Kongreßpräsidium 
seinen Platz hatte, stieg Karl Hauenschild, ein 
junger Delegierter und zugleich Hauptvor- 
standsmitglied der IG Chemie, Papier, Kera- 
mik, zu einem Gespräch mit Wilhelm Geeller. 
Neben alten Kollegen saß Jtlrgen Jöns, 
Jugendsekretär beim Hauptvorstand der Ge- 
werkschaft Bau, Steine, Erden, als einer der 
jüngsten Delegierten in Berlin. Zwei Gewerk- 
schafter unter 21 Jahren waren Delegierte. 
Junge Berineraus den Betrieben kamen mit ihren Fahnen und Wimpeln zur 
feierlichen Eröffnung des Kongresses. Unsere jungen Berliner Kollegen
hatten 
großen Anteil am guten Ablauf der Tagung. In ihrenHänden lagen
der Ordnungs- 
dienst, die Saalkontrolle und die Versorgung der Delegierten mit allen schrift-
lichenUnterlagen. Ihnen gebührt mit Dank für das gute organisatorische
Gelingen. 
Gretuletlon na& der Wahl. WilI Gl Uhold, der Leiter der Hauptabteilung
Jugend beim Bunduesvorstand. der einstimmig 
wiedergewält wurde, gratuliert den neuen Vorsitzenden des DGB, Walter
Freitag. nach vollzogener WahL Es war ein großer 
Vertrauensbeweis der 350 Delegierten fUr die Arbeit der Gewerkschaftsjugend,
daß sie Willi Ginhold, der I ndieal 
Vertreter der Jugend in den Vorstand gewOlt wurde, einmtig ihre Stimme wieder
gaben. Na*  dieser Anerkennung be- 
ginnt ein neuer Abschnitt in der Gewerkscaftsjugendarbeit zum Besten der
arbeitenden Jugend.    Potom: DGB/Bauer 


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