University of Wisconsin Digital Collections
Link to University of Wisconsin Digital Collections
Link to University of Wisconsin Digital Collections
The History Collection

Page View

Aufwärts
Jahrgang 5, Nr. 24 (November 27, 1952)

Cornelia
Amerika auf den Nabel gesehen,   p. [6]


Page [6]

1A15 IIIKU  U  v  Uon  nuuV,  q;Vuc gi 
Keine Mdchenhandler - eine 
ganz solide Firma ist das. Elektri- 
scher Apparatebau. Und das gehört 
zu der medizinischen Untersuchung, 
der sich jede neue Arbeitskraft 
vorher unbedingt unterziehen muß. 
Cometias zweiter Brief aus Neuyork 
ich suche einen Job, denn ich brauche Dollars. Auch 
In Amerika kostet das Leben Geld. Heute schreibe 
ich Euch über meine Bewerbung bei der General 
Instrument Corporation. So modern wie dieser In- 
dustriezweig ist, der Radar- und Fernsehgeräte 
herstellt, so modern sind auch die Einstellungs- 
methoden. Und mir wurde ein wenig der Schleier 
des Geheimnlsses der amerikanischen Produktivi- 
tät gelüftet. Moderne Firmen stellen nicht Arbeits- 
kräfte da ein, wo sie sie gerade brauchen, sondern 
dort, wo sie am geeignetsten sind. Und wofür sie 
am geeignetsten sind, das wird mit Tests und 
Untersuchungen festgestellt. Ein paar Tage, nach- 
dem ich mich um eine Stelle beworben hatte, 
wurde ich zum .Intelligence Test» eingeladen. Das 
ist wie ein Quiz, ein Sdnelldenkerturnier. Und je 
nachdem, wie man abgeschnitten hat, bekommt 
man einen Intelligence Quotient, eine Gradzahl, 
zuerkannt, auf die man mehr oder weniger stolz 
sein kann. Natürlich gibt es noch eine medizinische 
Untersuchung von einem freundlichen Onkel Dok- 
tor. Und wenn dann am Schluß alles zusammen- 
gezählt ist, Prüfung, Test und Untersuchung, dann 
bekommt man entweder den Job, oder man kann 
sich noch irgendwo anders bewerben. Was bei mir 
rausgekommen ist, erfahre Ich in den nächsten 
Tagen, und Ihr erfahrt es im nächsten Heft. Bis 
dahin viele Grüße               Eure Cornelia. 
ölzalen - ein lohnendes Oeschft 
(FoT ung  ,own Seite 4) 
Eines Tages flog in Iran die Tag und Nacht 
schwer bewachte eiserne Brücke in die Luft, die 
die Haupteitung der Anglo-Iranian 0il Co. trug. 
Das war das Meisterstück des Abd ei Hued, von 
dem man später sagte, als man das wußte, was 
auf sein Kerbholz ging, er sei der größte Erdöl- 
bandit der Geschichte, Vier Jahre lang schröpfte 
er die Ango-Iranian, bis zu dem Tage im Jahre 
1939, als man seine Feldlager auf dem Hügel 
Karseane umzingelte. - Heute steht hier ein 
weißer Stein, natürlich nicht, um die Helden- 
taten des Abd ei Hued zu verherrlichen, nein, 
an dieser Stelle soll Gott in einem brennenden 
Dornbusch mit Moses gesprochen haben. Auf- 
gehört haben die Oldiebstähle aus den Pipe- 
lines, von denen es immer mehr gibt, aber nicht, 
dafür ist das wertvolle Naß überall in der Welt 
viel zu begehrt. Nur viel schwerer ist es ge- 
worden, die Leitungen anzuzapfen, denn sie 
werden viel schärfer überwacht. Zudem haben 
sich die großen Erdölgesellschaften in Iran, 
Irak und Arabien zusammengetan, um gemein- 
sam gegen die Banditen vorzugehen. In Kairo 
errichteten sie sogar eine Agentenschule, die 
Mitglied einer großen Iranischen Olplünderer- 
Organisation zu sein. Und als die Aiglo-Iranlan 
auf diese Nachricht hin mehrere Truppführer 
ihrer Reparaturtrupps verhaften ließ, war die 
erste Revolte da. 
Iran macht mit den Banditen kurzen Prozeß: 
Man schneidet ihnen zuerst die Hände ab und 
hängt sie dann auf. Als juristische Grundlage 
dient ein poetisch anmutender Paragraph des 
iranischen Strafgesetzbuches: .Die Rohrleitun- 
gen sind die Lebensadern des Kaiserreiches. In 
ihnen kann man das Erdöl, das Blut der Nation, 
rauschen hören. Wer eines dieser Rohre an- 
bohrt, versetzt dem Lande seiner Väter einen 
Dolchstoß und macht sich damit des unverzeih. 
lichsten aller Verbrechen schuldig.* 
Recht oft muß der Paragraph angewandt werden, 
denn immer wieder schlagen die Banditen ihren 
.Blutegel» in die Rohre, jenen eigens aus Ame. 
rika eingeführten Apparat, der nichts anderes 
ist als ein engespitzter Zapfhahn mit einem 
langen Gummischlauch. Mit ein paar Hammer- 
schlägen hat er das Stahlrohr durchstoßen, und 
I1 li           A USlii!iiii  U N S R E  G R U  P E 1iiiiiii  ii iiiiii 
i  *........ .. ... 
1- 
1 


Go up to Top of Page