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Aufwärts
Jahrgang 5, Nr. 12 (June 12, 1952)

Föcher, Matthias
Ein offenes Wort,   p. [3]


Page [3]

rgendwelchen Sclreiberlingen gegen die Gewerkschaften benutzt 
rurde. 
on eigenartigem Reiz ist es, wenn man den treibenden Kräften 
[ieser Verdummungskampagne nachspürt. Dann stellt sich die sehr 
nteressante Tatsache heraus, daß die Gewerkschaftsgegner ihre 
igenen Fehler der Gewerkschaftsbewegung unterstellen und vor- 
rerfen, um diese dann hinter den angeblichen Fehlern der Ge- 
rerkschaften tarnen zu können. Alles, was sie den Gewerkschaften 
indichten ist Grundzug ihres eigenen Wesens. Das zeigt deutlich 
ine Prüfung der den Gewerkschaften gemachten Vorwürfe. 
) Nicht die Gewerkschaften stören oder gefährden die demokra- 
ische Ordnung, sondern jene auf Selbstsucht und Ungerechtigkeit 
ufgebauten  politischen Machenschaften, wie diese Kreise sie 
rollen. Die Gewerkschaften haben stets betont, daß es Pflicht und 
üufgabe aller verantwortlichen Kreise sein müsse, das Volk 
r n e r 1 i c h für den demokratischen Staat zu gewinnen. Das Ist 
aber nur möglich durch eine Politik, die jedem Staatsbürger die
Gewißheit und Sicherheit gibt, daß er vor dem Gesetz gleich sei.
Eine Politik, die bestimmten Schichten Vorrechte und Sonderrechte 
egenüber anderen Schichten gibt, widerspricht dem Wesen der 
emokratie und muß ihre Festigkeit gefährden. Zudem wird man, 
wenn man diese Kreise jener Gewerkschaftsgegner überprüft, fest-
stellen, daß es vielfach sehr eigenartige Demokraten sind, oft 
-L*ute, die auch den Hitlerstaat bejahten und geldlich stützten, 
die sich heute demokratisch gebärden und morgen unbedenklich 
ede andere Staatsform tragen und unterstützen würden, wenn sie
ihrem Motto diente; Jede Staatsform ist gut, sofern sie uns den 
<illen tut. 
1 Die Gewerkschaften als unheimliche Macht. 
Eý ist für die politische Urteilslosigkeit der Gegenwart bezeichnend,
[l8 selbst sonst besonnene Leute auf solchen Unsinn hereinfallen. 
Sinst wäre es doch nicht zur Unterzeichnung jenes törichten 
rtSerats <An Alle' durch Organisationen von Erwerbsgruppen 
9 kommen, die zu einem erheblichen Teil vom Betriebsverfassungs- 
S,:setz und von der Mitbestimmung kaum berührt werden. Man 
kInn sich fast plastisch die Gänsehaut vorstellen, die den biederen
-astwirt überlaufen muß, der sich ausmalt, daß in Zukunft
ein 
Cewerkschaftsmann seinen Bierkran zu beaufsichtigen habe. Was 
'uß man doch diesen Schichten, den Bauern, den Einzel- 
h ndlern, den Gastwirten, den Hausfrauen, ja selbst in einem 
L-ndesbezirk der sehr seltsamen Wirtschaftsgruppe«, dem Bund 
der Frontsoldaten <Der Stahlhlm', für krauses Zeug vorgeflunkert
hluen, daß sie sich zur Unterzeichnung eines solchen Insertions- 
S- slnns bereit fanden. Es ist gut, daß Dummheit kein schmerz- 
iftes Gebrechen ist, sonst würden Heulen und Wehegeschrei die 
1I±nde durchzittern. 
Betrieben durch Betriebstremde» zu storen suhen. Man empfindet 
bei solcher Salbaderei fast körperlich das Aufleuchten gutmütiger
und menschenfreundlicher Augen der Arbeitgeberschicht gegenüber 
der kalten, feindlichen und fremden Welt der Gewerkschaften. 
In allem Ernst! Es ist wirklich schwer, nicht ironisch zu werden. 
Wir erkennen sicher an, daß es in dieser Wüste von Egoismus und
Herrschsucht auch einsichtige und weitblickende Arbeitgeber gibt, 
und wollen beileibe nicht verallgemeinern. Diese soziale Einsicht 
und Verständnisbereitschaft ist aber leider Gottes noch ein recht 
dünnes Rinnsal. Das lehrt deutlich jeder Tag und die bittere Er- 
fahrung der Arbeitnehmer. Sie wissen, daß es doch besser ist, auf 
die Gewerkschaften zu bauen, als solchen zum Teil sehr ver- 
dächtigen Tiraden zu trauen. 
Den Nachdenklichen im Lande so 
lauf der gewerkschaftlichen Aktio 
Oder sollte es wirklich törichte 
annehmen, daß die Beteiligung N 
tausenden von Arbeitnehmern a 
gebungen eine Sache des Zwange 
nehmerschaft - und ich betone 
liche - weiß um die Bedeutung 
gesetzes. Die gewerkschaftlichen 
Die Gewerkschaften wollen keine 
sondern schlicht und einfach das 
Wirtschaft. Das ist gewiß nichts 
Unchristliches und wäre sehr leid 
Recht und Gerechtigkeit in der P 
gewerkschaftlichen Maßnahmen 
sondern Antwort auf eine falsche 
der Politik. Sie sind nicht Ursach 
Das sollten alle ehrlichen und 
versuchen. Nicht die Gewerkscha 
Frieden und eine gesunde Weiter 
die in Wirtschaft und Politik led 
schen und herrschsüchtigen, mit ei 
sehen. 
Im übrigen hat die Kampagne 
Fronten geklärt. Die Organisation 
für ihren Insertlonsfeldzug aufge 
Betriebsverfassungsgesetz durchz 
die FDP, die sogar in besonderen 
dessen kümmerliches Surrogat 
spritzt. Diese seltsame Waffenbr 
Politikern, den christlichen Arbeit 
auch der Arbeitnehmerschaft in 
schlägt und wo das Recht liegt. 
Raffiniert! Raffiniert! So schichtern ist die Kleine nämlich sonst 
gar nicht, wenn sie sich im Wartesaal umhertreibt. Sie tut nur so. 
Weil die Großen Im Film mitunter auch so tun, wenn sie unvor- 
bereitet fotografiert werden sollen. Dann wird die ganze Sache 
interessanter. Und interessanter findet Veronika auch das Leben 
im Bahnhof, Interessanter Jedenfalls als die Arbeit in der Fabrik. 
Vielleicht ist die Sache ganz harmlos. Vielleicht will sie nur ein 
bißchen bummeln. Vielleicht will sie auch anbändeln. Wahrschein-
lich sogar. Im Wartesaal sind so viele schicke Mäanner. Dann geht 
die Sache fibel aus. Die ,.Wartesaal-Männer» wollen sich nur amil-
seren. Dann ist kein weiter Schrift mehr zu der Alten unten, deren 
Gewerbe Im Wartesaal liegt Alwöchentlich nimmt die Polizei sie 
min naarmal mit Zwecklos. Endstation bleibt der Wartesaal.  h.t. 


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