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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 4, Nr. 6 (March 24, 1951)

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Page 15


Hier ist etwas faull
Vor ungef"hr sechs Wochen lief bei uns in G–ttinger
der Veit-Harlan-Film "Unsterbliche Geliebte  an.
Junge Menschen demonstrierten gegen den Film und
verteilten Flugblatter, weil sie seinen "Jud S¸þ- nicht
vergessen konnten, der den Nazis eine groþe Hilfe
wurde, "um das Volk, den groþen L¸mmel', einzu-
lullen.
Die andere Seite war starker (ein schlechtes Zeichen),
die Demonstranten wurden zusammengeschlagen.
Was heiþt Demokratie?
Jetzt einmal ganz abgesehen von der  Unsterblichen
Geliebten'' und dem V o r w u r t, den ich den "lteren
Kollegen mache, uns bei dieser Sache alleingelassen
zu haben Ich L–rte z., wie eine Gruppe Sensations-
histiger ¸ber die Juden diskutierte. Da fielen Worte
wie "Schade, daþ nicht noch mehr Juden kaputt
gegangen sind"' und: "Hoffentlich ist es bald wieier
soweit.'-'
)änd da ich nun diese Leutchen ganz bescheiden fragte.
cb sie sich kein biþchen schemen, erhob sich ein
groþes Geschrei. - "Sie geh–ren wohl auch dazu' .
schrie man mich an. "Wozu?- fragte ich. -Zu den
Judenfretinden! ' -- -Jawohl , schrie ich zur¸ck: da
bekam ich Worte wie .,Dreckschwein und ..Kommu-
nistenweib' an den Kopf geworfen, Anscheinend traute
man sich nicht, handgreiflich zu werden, weil ich ein
M"dchen war. Aber da war auch schon die Polizei
da und trieb mich mit leichten Rippenst–þen aus der
.Menge. Als Unruhestifter. - Was hatte ich getan?
Ich hatte die Juden verteidigt, wurde beinahe daf¸r
gepr¸gelt und von der Polizei weggejagt. - Die ande-
Ten hatten  Menschen das Recht "zu leben' ab-
gesprochen -  sie sprachen weiter uber las Thema
und freuten sich ¸ber meinen Abgang.
Was hat die Polizei verteidigt?
Meine Frage an alle:
F¸r wen Demokratie?             H. Klittzeweit.
Ohne Sdcikanen Ober Europas Grenzen?
Der Bundestag behandelte in seiner 119. Sitzung adl
2i. Februar 1951 eine SPD-Interpellation und zwei
Artrage der CDU und SPD, in denen die Schaffung
eines Europapasses und die Aufhebung des Sicht-
veimerkzwanges im europ"ischen Reiseverkehr ge-
fordert werden.
Der Abgeordnete Dr. Mommier machte dazu u. a. iol-
gende Ausf¸hrungen
,.Man macht uns Vorschlage zu einer Montan-
union, man macht uns Vorschlage zur Bildung
einer Europa-Armee. Hier (gemeint sind die An-
trage) ist etwas sehr Konkretes, Praktisches, nicht
sehr Groþes, was wir den anderen vorschlagen
k–nnen.  A'r werden da sehen, wie weit die
Reden ¸ber Europa und die Vereinigung Europas
ernst gemeint sind.
Wenn aber die demokratischen Regierungen )der
anderen Laneter) glauben sollten, daþ Europ"er
deutscher Nationalitat auch weiterhin nicht ohne
Visumschikanen reisen sollten, denn wollen wir
ihnen  vorschlagen,  wenigstens  die  J u g e n d
Europa ohne diese Schikanen kennenlernen zu
I assen.'
Die deutsche Jugend darf gespannt sein, wie die Re-
gietiungen der demokratischen europ"ischen L"nder
auf diesen Hinweis reagieren werden.
NMan kann geteilter Meinung dar¸ber sein, ob gerade
Deutschland sich dazu berufen f¸hlen sollte, im Kon-
zert der europaischen V–lker schon heute _forte--
statt ..piano' zu spie:in, zumal wenn man sich er-
innert, daþ erst vor knapp f¸nf Jahren das Frater-
nisierungsverbot f¸r die Besatzungstruppen in Deutsch-
land so weit gelockert wurde, daþ sich die alliierten
Soliiaten mit unseren deutschen Kindein anfreunden
durften, um  dann erst sehr viel sp"ter ganz auf-
gehoben zu werden.
Wir sollten auch die Worte rIes Pr"sidenten der Be-
ratenden Versammlung des Europarates, Paul Henri
Speak, die er Ende 1950 sprach. nicht ganz in den
Wind schlagen:
,Man kann dllerdinqs von ihnen (den deutschen
Politikern) verlangen, daþ sie sich beim Ausspielen
ihrer Trumpfe Maþigung auferlegen und nicht ver-
suchen, eine noch gar nicht so lange ziir¸ck-
liegende Vergangenheit v–llig zu ignorieren.
Es lieþen sich auch Ðberlegungen in der Richtung
arstellen, ob den nicht immer arbeiterfreundlicheri
Regierungen verschiedener L"nder Europas ¸berhaupt
an einer Verst"ndigung der Werkt"tigen ¸ber die
Gier.zen hinweg sehr viel gelegen ist, birgt eine solche
Verst"ndigung doch immerhin die Gefahr in sich, daþ
sich die abh"ngig schaffenden Menschen aller Nationa-
litaten ihrer gemeinsamen sozialen N–te und viel-
leicht auch ihrer Kraft bewuþt w¸rden, die sie durch
eine schrankenlose Solidarit"t von Volk zu Volk ent-
falten konnten.
Insoweit aber ist der Entschluþ des deutschen Bundes-
tages zu begruþen, als er die Regierungen der euro-
paischen Lander veranlaþt, Farbe zu bekennen, ob der
Eutopagedanke intellektuelle Spielerei ist, ob man es
et5sz nur auf unsere wehrfahigen Jahrgange abgesehen
hat, oder ob er aus der Uberzeugung entspringt, daþ
es nun allm"hlich Zeit wird, unter die Vergangenheit
einen Schluþstrich zu setzen und unter neuem Vor-
7eichen mit neuen Ideen an die Zukunft Europas und
der Welt heranzugehen.
Wenn es sich darum handelt. wird man die deutsche
Jugend nicht umsonst rufen.
Karl Hauenschild, Hannover-Westerfeld.
F¸r Schneildenker
Unser Zeichner legte uns
k¸rzlich  dieses  Muster-
gem"lde auf den Tisch. In
der Hand hielt er eine
Stoppuhr. um, wie er sagte,
unseren Geisteszustand zu
untersuchen. Was hatte er
sich ausgedacht? In seinem
Kastenlabyrinth  hatte  er
die Zahlen von 1 bis 20
so durcheinandergewurfelt,
daþ es einiger Geschick-
lichkeit bedurfte, sie in
genauer Reihenfolge nach-
einander schnell herauszu-
hnden. Ergebnis: eine ge-
schmolzene Stoppuhr, Doch
pr¸ft selbst einmal in eurer
Gruppe, wer die schnellste
Auffassungsgabe  hat unu
auch die Reihenfolge dei
Zahlen von 20 bis 1 oleich
wieder zuruckhndet.
Silbenr"tsel
a -- he -   ben -   bsi -  da -  darm  -    e de-- del
- flt - e - e - e - e - hn - gi - i -- im --
iiep' -  le -  lend -  tut -ma m-    e -   mor -  n.
-- ner - nis - i - pro.np - ra - ra - re -       a-
sack - sdco - si - sie - sin - stadt - statt - ster
- ster - stoff - tiv - tran - tuc - ve --
DAS K÷NIGLICHE SPIEL
Wer ist der Erfinder?
Das Schachspiel ist orientalischen Ursprungs. Schon
im 6. Jahrhundert kannten es die Griechen, die es
von den Persern ¸bernommen hatten, und vermutlich
hatten die Perser es wiederum szon den Indern ge-
lernt. Andere Chroniken behaupten, daþ ein Kriegs-
knecht aus Xerxes' Heer der Erfinder des Schachspiels
sei, oder daþ Palamedes w"hrend der Belagerung von
Troja zum Zeitvertreib ftr sein Kriegsvolk das Spiel
zusgedacht habe. Bei all diesen Nachforschungen nach
der Herkunft des uralten Schachspiels wird sogar ouch
eine italienische Frau als Erfinderin genannt. Die
glaubwurdigsten Angaben jedoch fuhren zu dero Er-
gebnis, daþ der Geburtsort des k–niglichen Spiels'
in Persien oder Arabien gesucht werden muþ.
Das Wort Schach' ist vermutlich von dem persischen
Wort cha' oder dem arabischen .schach' hergeleitet,
tie in beiden F"llen K–nig' bedeuten. Daher auch
lie Bezeichnung äk–nigliches Spiel'.
Heute ein geistiger Volkssport
ileute ist das k–nigliche Spiel l"ngst kein Privileg
1er Bevorzugten, der K–nige und Kaiser mehr. Uber
iie ganze Welt verbreitet, ist das Schach in vielen
L"ndern zum geistigen Volkssport geworden.. Hier
stehen Ruþland, Argentinien, Holland und Deutschland
an uhrender Stelle. So gesehen, ist das Schach das
Spiel, das uns dem Alltag entr¸ckt und uns in eine
Welt fuhrt, in der nach strengen Gesetzen gespielt
wird, die jeder Schachspielfe kennt und akzeptiert.
Das k–nigliche Spiel ist ein k–nigliches Geschenk'
fes Geistes an uns alle.
Das Schachspiel ist als das aufzufassen, was es seiner
urspr¸nglichen Sinngebung nach sein will: Symbol und
Ausdruck des geistigen Kampfes Mann gegen Mann.
Dieser "uþert sich in der Schachpartie nach zwei Sei-
ten hin: Nicht darum handelt es sich, seinen Partner
mit Schlaue und Hinterlist niederzuringen, sondern
dessen Fehler und die Unzul"nglichkeiten seines Den-
kens und seiner Phantasie als solche zu nutzen, wie
.A-as oen Silben sind 19 W–rter zu bilden, deren A.t-
langs- und Endbuchstaben, von oben nach unten ge
lesen, einen Ausspruch von Kant ergeben. )ck
e i n Buchstabe. - Die W–rter bedeuten:
1. Stadt in Hessen, 2. Lehrling, 3. Verzeichnis, 4.
Dunkelheit. 5. Stadt in Baden, 6. Witziger Einfall.
7. Flachland. 8. Schottisches Musikinstrument. 9. Not.
JO. Gedanke, 11. Schiff, 12. Zielendes Zeitwort, 13.
Brettspiel, 14. Liebesgott, 15, Zahl, 16 Vogel, 17. Roter
Faibstotf, 18. Serum, 19. Gruþ.
Aufl–sungen aus Nr. 5
Kreuzwortr"tsel. W a a g e r er h t 1. Ebene, 5.
Gramm, 9. Land. 10. Kei, 12. Brei. 13. Erz. 14. Fahne.
16. Ate, 17 Mailand, 19. Rad. 20. Aue, 22. Esel, 24.
klar, 26. Amati, 27. Stall, 28. Arnur, 30. Teig, 32. sie,
34. Ser, 36. Almosen, 40. Ilm, 42. Meran, 43. Uli, 44.
Klee, 45. Ziu, 46. Flor, 47. Aetna, 48. Haken.
S e n k r e  h t: 1. Elegie, 2. Bart, 3. Enz, 4. Fehler,
6. Ara, 7. Meta, 8. Mieder, 10. Kai, 11. Ina, 14. fad,
15. Ena, 17. Malaria, 18. Dukaten, 19. Remus, 21. El-
ler, 23. Sam, 25. All, 28. Afrika. 29. Glorie, 31. Ge-
hirn, 33. Elm, 34. Sen. 35. Alle, 37. MEZ, 38. Sau.
ä9. Alne, 41. Met, 43. Ulk.
Silbenr"tsel. 1. Eisack. 2. Intrige, 3. Niederlande, 4.
Aktie. 5. Romeo. 6. Beere, 7. Echo, 8. Irre, 9. Tra-
bant, 10. Eiland, 11. Nase, 12. Dresden. 13. Elias.
14. Rinne, 15. Muffe, 16. Adam, 17. Uhu, 18. Lilie.
19. Wiesel, 20. Unrat, 21. Riese, 22. Finne. 23. Leg-
horn, 24. Elend, 25. Iller- Ein arbeitender Maulwurf
leistet mehr als ein tauler Engel.
6 Fragen. Alibi: Unschuldsbeweis. Nachweis, nicht am
Tatort gewesen zu sein. - Pedant: Formen- und
Kleinigkeitskramer. - Pitrhpine: Amerikanisches Kie-
ternholz, ifas viel zur M–belherstellung verwandt
wird. -- Allegorie: Gleichnishafte Darstellung eines
Begriffes.  -  Osmium:   Bl"ulichweiþes Metall mit
Platin zusammen in der Natur vorkommend, Wird in
der Gl¸hlampenindustrie verwen let. - Plagiat: Amr
geistigen Eigentum eines anderen begangener Dieb-
stahl.
auch umgekehrt die eigene Niederlage dazu diener
soll, bestimmte M"ngel der eigenen Struktur zu er-
kennen und zu ihrer Ausmerzung an sich selbst zc
arbeiten.
Einf¸hrung in das Schachspiel
Indem wir nichts weiter voraussetzen als den Wahl-
spruch: "In der Jugend gelernt, ist leichter gelernt"
werden wir unsere Jugendlichen zum Schachlehrgang
auffordern. In unserer Schachecke .Wir lernen Schach'
kann jeder die Grundregeln des Schachspiels, in all
gemein verst"ndlicher Art dargebracht, erlernen, um
damit in die Geheimnisse' des k–niglichen Spiels
eingef¸hrt zu werden. M¸helos wird der .Anf"nger'
von Folge zu Folge tiefer in das Wesen des Schacht
eindringen, um bald zu einem ge¸bten Schachspielei
aufzur¸cken.
Danach werden wir in der .Aufwarts-Schachecke' u. a.
manches aus der Praxis f¸r den praktischen Gebrauch
sowie auch zun"chst leichtere Schachaufgaben zum
L–sen ver–ffentlichen. So gesehen, wird unsere Schach-
ecke in stets interessanten und lehrreichen Folgen
mit zum logischen Denken anregen, neue Freunde
gewinnen und geistige Kost und Abwechslung f¸r
.ruhige Stunden' bringen.
6 Fragen
Was ist Autodidakt?
1 Autosicherung gegen Diebstahl
2) Aufnahmeapparat f¸r Diktate
31 Fachmann durch Selbststudium
Was ist Kassiber?
I) Geheimnachnrcht
21 amerikanischer Behalter
3) Uberwachung der Kasse
Was ist Pr"ambel?
11 Ungarisches Musikinstrument
2) Einf¸hrung zui einem Gesetz
3) Vogel in der Pr"rie
Was ist Liktor?
1) Pr¸fer von B¸chern
2) r–mischer Gerichtsdiener
3) englischer Likor
Was ist Monopol?
Ii Verflechtung zur Beherrschung dier Produk-
tion und des Verkaufs
2) franzosische Automarke, bekannt durch ihre
Rennwagen
3) h–chster Berg am Nordpol
Was ist Archipel?
I ynselsystem
2) Teil der Arche Noah
3) alter Palast in Griechenland
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