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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 4, Nr. 13 (June 30, 1951)

Meine besondere Liebe galt immer der Jugend,   pp. 2-3 PDF (1.3 MB)


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Ich betrachte mich noch heute als Vertreter der ehemali-
gen jungen Generation, weil ich aus dieser Jugend heraus
gewachsen bin zu der Stellung, die ich heute beziehe.
Und so mein Gel–bnis, daþ ich es mir ganz besonders
angelegen lassen sein werde, der Jugend das einzu-
r"umen,worauf sie berechtigten Anspruch erheben kann.
erkl"rte der neugew"hlte Vorsitzende des
Deutschen Gewerkschaftsbundes, der Kol-
lege Christian Fette, in seiner groþen
Schluþrede auf dem Kongreþ in Essen.
Diese Worte sind kein Lippenbekenntnis.
Rund zwanzig Jahre kenne ich Christian
Fette, und ich weiþ, daþ er wohl ¸berlegt,
was er sagt, und ohne Einschr"nkung daf¸r
einsteht. Die Gewerkschaftsjugend hat in
ihm einen guten Freund.
Sehr viel war zur bevorstehenden Wahl
des Bundesvorsitzenden in der Presse ge-
schrieben worden. Wilde Kombinationen,
Klatschgeschichten, Phantasieberidcte mach-
ten die Runde. Doch neben der unfairen Sen-
sation gab es auch viele Stimmen der Ob-
jektivit"t. Die Gewerkschaften haben die
Neuwahl nicht ¸bereilt. Eine so groþe und
m"chtige Organisation wie die unsere muþ
w"gen und pr¸fen, um den richtigen Mann
an die Spitze zu stellen.
Der Kongreþ in Essen hat dies getan. Mit
¸bergroþer Mehrheit, ohne Gegenkandidaten,
w"hlte er Christian Fette. Diese Wahl hat
Bedeutung  f¸r jedermann in Stadt und
Land, f¸r den Arbeiter, Angestellten und
Beamten, f¸r den Politiker und Sozialpart-
ner auf der anderen Seite. Schon die erste
Pressekonferenz kurz nach seiner Wahl und
die programmatische Schluþrede beweisen,
daþ hier ein Mann sein Werk beginnt, der
erfahren, klug, besonnen, der aber auch
fest und bestimmt in seiner Haltung ist.
Am Vormittag des ersten Kongreþtages lag
eine bestimmte Spannung im Saal, auf den
Trib¸nen und G"ngen. Warum auch nicht?
Die Wahl zu einem Amte, das so viel Ver-
antwortung aufb¸rdet und so entscheidend
f¸r die Gewerkschaften und die Offentlich-
keit ist, ist schlieþlich eine Angelegenheit
von so auþerordentlicher Bedeutung, daþ
Spannung und Erwartung berechtigt sind.
Lag doch die Entscheidung in der Hand der
Delegierten, der Frauen und M"nner, die
aus Betrieb und Werkstatt, aus B¸ros und
Amtsstuben kamen.
Doch der Gehalt des auþerordentlichen
Kongresses ersch–pfte sich nicht nur in der
Wahl des Vorsitzenden. In drei ausf¸hr-
lichen Referaten wurden die wirtschaftspoli-
tische Lage, die Sozialpolitik und der
Kampf um die Mitbestimmung von der ge-
werkschaftlichen Sicht kritisch durchleuchtet.
Kollege Dr. Viktor Agartz zog die Bilanz
dei deutschen W'irtschaftspolitik seit dem
M¸nchener   Gr¸ndungskongreþ.   Kollege
Willi Richters Referat behandelte ausf¸hr-
lich alle Gebiete der Sozialpolitik, w"hrend
Kollege Erich B¸hrig eine eingehende Dar-
stellung ¸ber die Entwicklung und Bedeu-
tung des Mitbestimmungsrechtes gab.
In einer ernsthaften Diskussion nahm der
Kongreþ zu den einzelnen Problemen Stel-
lung und gab seiner Stellung in entschieden
gehaltenen Entschlieþungen Ausdruck.
Ein Erlebnis war die Begr¸þung der an-
wesenden alten Kollegen Wissel, Spliedt
und Seidel. Rudolf Wissel, der 83j"hrige,
dankte in einer sehr menschlich gehaltenen
Ansprache, die mit st¸rmischem Beifall auf-
genommen wurde.
Blick in den Essener Saalbau, in dem der auþerordentliche Bundeskongreþ
stattfand
Einer der jungen Delegierten
Willi Boden
Besonders eindrucksvoll war das Gedenken
an Hans B–ciler, dessen W¸rdigung Georg
Reuter in seiner Er–ffnungsansprache vor-
nahm.
Groþ war die Zahl der G"ste. Die euro-
p"ischen und amerikanischen Gewerkschaf-
ten hatten Vertreter entsandt. An ihrer
Spitze der Generalsekret"r des 1 B. F. G.
Oldenbrock. Wir sahen den Vizepr"sidenten
des Bundestad(es, Carlo Schmid, die Bundes-
minister Storch und Kaiser, den Minister-
prasidenten Arnold und sehr viele Kollegen
aus den Betrieben. Die Frau des Kollegen
B–ckler saþ an beiden Tagen in der vor-
dersten Reihe.
Nat¸rlich versuchte das halbe Dutzend Be-
fehlsempf"nger fes war keiner mehr) die
ihnen aufgetragenen Befehle an den Mann
zu bringen. Doch die Delegierten wollten
die Propagandareden nicht h–ren, und die
energische Kongreþleitung verstand es, sie
zu unterbinden. Auch mit den eingereichten
Piopagandaantr"gen wollte der Kongreþ
nichts zu tun haben.
Der auþeroidentliche Kongreþ in Essen hat
klar und zielbewuþt seine Arbeit getan.
Setzen wir hierhin, was Matthias F–cher
dazu sagte:
,Dieser Kongreþ stand wie kein anderer
im vollen Licht der –ffentlichen Beurteilung,
einer Beurteilung, der wir uns alle bewuþt
bleiben wollen. Wenn auch das eine oder
andere Wort gefallen ist, so war doch die
Einstellung der Delegierten zur Sache der
Gewerkschaftsbewegung ein gutes Zeugnis
von Einsicht und Reife, die heute in un-
seren Reihen vorhanden sind. Sie ist die
beste Garantie f¸r die Entwicklung des
einheitlichen  deutschen  Gewerkschafts-
gedankens und f¸r die Erf¸llung unserer
Aufgaben.'


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