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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 4, Nr. 1 (January 13, 1951)

Freischmidt, Karl
Automatenstaat der weissen Ameisen,   pp. 4-5


Page 4


AUTOM ATEN ST.
DER
WEISSEN AMEISE!
Blinde, taube, geschlechtslose
Automaten als Arbeiter und Sol-
daten. - Die Eierlegemaschine:
Zehn Jahre lang alle zwei Sekun-
den ein Ei. - Gew–lbebau bereits
vor Jahrmillionen konstruiert.
Kann man es einAm veriih¸ln wenn er
Schlagzeilen f¸r Phantastereien h"lt? Aber  Termiten-
er wird noch mehr Unglaubliches erfahren,
doch lange nicht all die Unwahrscheinlich-  Bringt me
keiten aus dem   Leben dieser seltsamen    irgendeinE
Tiere.-Zun"chst einmal: Die weiþen Amei-   Leben im
sen, die T e r m i t e n, sind gar keine Amei-  sie aber a
sen, sondern nahe Verwandte der Libellen,  blicklich a
Heuschrecken, Schaben und L"use; nur wegen  ab; f¸r i
ihrer bleichen Farbe und ihres ameisen-   tot. - At
"hnlichen Staates erhielten sie den irref¸h-  einzelnen
renden Namen.                              weiterzulE
den K–rpe
Der Staat Ist ein lebendes Tier            in einem
Termitens
F¸r uns Menschen ist der Staat wie ein    aufgenomi
Kleidungsst¸ck, das vom   Volk  getragen  Eugene M
wird. Das Kleidungsst¸ck kann verschleiþen,  tenforsche
oder das Volk wirft es freiwillig ab - der  platte in
Staat ist dann tot, aber das Volk lebt weiter.  durch ginc
Anders ist es mit einem lebendigen K–rper.  Platte oh
Wird die Zentrale, das Gehirn, zerst–rt,   Weise vol
stirbt der ganze K–rper. Genau so ist es im  fernte, wi
sogenannten Termiten-,Staat': Dort ist die  die Arbei
K–nigin das Gehirn; stirbt sie, dann stirbt  ausgesetzt
der ganze K–rper, das Volk, der ,Staat'.  Wie in je
Alle Lebensvorg"nge des K–rpers steuert   auch im
das Gehirn ¸ber das Nervensystem. Auch    daf¸r, da
Zellen zu(
im Termitenstaat ist es vorhanden, aber wie  k–rperche
es wirkt, wissen wir nicht, weil wir es nicht  den, taub
mit unseren Sinnen wahrnehmen k–nnen. Es   die ohne
ist eine geheimnisvoll unsichtbare Kraft, die  Lebenssaf
in einem bestimmten Umkreis wirksam ist.   Tr–pfchen
K–nigin in ihrer Zelle. Umgeben von ihrem K–nig, den Arbeitern
und Soldaten.
in die K–nigin aus ihrer Zelle an
en Platz dieses Kreises, wird das
Staat weitergehen. Entfernt man
aus diesem Umkreis, so h–rt augen-
alles Leben im Staat auf, er stirbt
hn ist die K–nigin, das Gehirn,
)er die Glieder dieses Staates, die
Termiten, haben noch eine Chance
eben - in keinem anderen leben-
er ist das m–glich -: Befindet sich
bestimmten Umkreis ein anderer
taat, so werden sie von diesem
rmen.
larais, der. s¸dafrikanische Termii-
r, stellte einmal eine dicke Stahl-
einen Termitenbau. Monate hin-
g die Arbeit auf beiden Seiten der
ne Unterbrechung in gewohnter
r sich. Als er aber die K–nigin ent-
irde schlagartig auf beiden Seiten
t eingestellt - das Gehirn hatte
ädem lebendigen Organismus sorgt
Termitenstaat ein Kreislaufsystem
þ die N"hrstoffe den einzelnen
jef¸hrt werden. Diese äroten Blut-
n' sind im Termitenbau die blin-
en und geschlechtslosen Arbeiter,
jeden Schlaf in endloser Kette den
t verteilen, jeder ein winziges
. Oft m¸ssen sie lange G"nge
bauen, um an das Wasser zu kommen, nicht
selten bis 30 Meter tief. Wenn in den heiþen
Gegenden, in denen haupts"chlich die rund
1000 Arten von Termiten leben, einmal der
Brunnen zu versiegen droht, muþ die end-
lose Kette eben schneller umlaufen; und den
Unerm¸dlichen ist dann die äKreislauf-
st–rung' anzumerken, die auch ihren Orga-
nismus t–ten kann.
Klefersoldaten und Spritzensoldaten
Aber auch die weiþen Blutk–rperchen", die
,Polizisten unseres K–rpers', sind in diesem
wunderlichen Staate vertreten - hier sind
es die  Soldaten'; Erfolgt irgendein Ein-
bruch in unsere Haut, verlassen die weiþen
Blutk–rperchen die Blutbahn, schirmen die
Einbruchstelle ab, und unter diesem Schutze
sorgen ihre roten Br¸der daf¸r, daþ sich die
Wunde bald wieder schlieþt. Nicht anders
handeln die Arbeiter und Soldaten, wenn
die ,Haut', jene oft zementharte "uþere
H¸lle eines Termitenh¸gels, verletzt ist. -
ãKiefersoldaten' mit riesigem Kopf und ge-
waltigen Kieferzangen gibt es unter den Sol-
daten, und dann sind da noch die Spritzen-
soldaten', ãmit der ersten von der Natur
hervorgebrachten Spritze bewaffnet; damit
schleudern sie dem Angreifer einen klebrigen
Saft entgegen, der ihm Mund und Nase ver-
klebt. Mehralseinen ,,Mund' braucht dasLebe-
Dieser Kaplan
mit der gleichen
Beides vertr"gt
*auiaUiII1avAII]MuI yA
aus den   Staaten  spielt
Hingabe Bach und Be-Bop.
sich gut nebeneinander.
Wir m–chten an dieser Stelle f¸r die vielen Briele danken, die
zum Jazz-Artikel von
J. Werres (Heft 24, 1950) geschrieben wurden. Begeisterung, Ablehnung und
Kritik sind dar-
aus zu lesen. Leider k–nnen wir nur einige gek¸rzt ver–ffentlichen.
Die Diskussion soll
aber in einem der n"chsten Hefte weitergehen. Wir bitten um Geduld und weitere
Anregung.
Idc lehne den Jazz ganz entschieden ab, weil
ich diesen mit meiner christlichen Uberzeu-
gung nicht vereinbaren kann und, vielleicht
noch besser ausgedr¸ckt, in ihm einen d–-
monenhaften Tanz sehe. Keineswegs aber
deswegen, weil er von den Negern kommt.
Sie schreiben selbst: ãDer Jazz beherrscht
die Zuh–rer. Er geht ihnen ins Blut, in alle
Glieder. Sie klatschen, klopfen, trommeln
den Takt, sie pfeifen und schreien. Manch-
mal sehr laut und nicht mehr sch–n.' Das
sind Ihre Worte, Herr Werres, und so etwas
wollen Sie f–rdern? Im Urwald tanzen die
Neger so lange, bis ihnen der Schaum vor
dem  Mund steht. Herrlich, was? ... Sie
sagen ja zum Jazz, weil er Ausdruck un-
serer Zeit ist. Darin haben Sie ohne Zweifel
recht. Wo die Zeitungen voll von Mord,
Raub und Sexualverbrechen sind, die von
Duke Ellington, der K–nig des Jazz, sagt:  jugendichen begangen werden.
.Lieber gute klassische Musik machen als             Helmut Palmer, Bochum-Linden,
schlechten Jazz.' Sein Jazz ist aber gut!                  Lindener Str.
149.
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