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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 3, Nr. 23 (November 18, 1950)

H. T.
Schulbeispiele,   pp. 2-3


Page 2


SCHULBEISPIELE
Kasernen waren oft moderner gebaut als Volks-
schulen. Neue Schulen m¸ssen geschaffen werden,
in denen die Kinder sich wohlf¸llen k–nnen.
offentlichen Mitteln f¸r einen Sch¸ler der
h–heren Schulen aufgewendet wird als f¸r
einen Volksschuler. Das bedeutet, wenn f¸r
einen Volksschuler eine Mark ausgegeben
wird, dann werden drei bis sechs Mark f¸r
einen h–heren Sch¸ler aufgewendet. Und zu-
letzt, seht euch die Schulgeb"ude an, sie
sprechen doch auch eine ganz klare Sprache.
Stellt ein Gymnasium und eine Volksschule
nebeneinander.
Mit welchem Recht?
Wir fragen in aller Deutlichkeit und mit
gutem Recht: Woher wird die Berechtigung
abgeleitet, den Sch¸lern an Mittel- und
h–heren Schulen eine bessere Betreuung zu-
teil werden zu lassen als den Volkssch¸lern?
Mit welchem Recht wird aus Steuermitteln
drei- bis sechsmal mehr f¸r einen h–heren
Sch¸ler aufgewendet als f¸r den Volks-
sch¸ler? Und warum muþ man schon auþen
sehen, was eine Volksschule ist? Woher
nehmen sich Staat und Beh–rden das Recht,
in ihren Aufwendungen f¸r die Schulen die
Kinder zu klassifizieren?
Die Antwort kann nur lauten: Es gibt kein
derartiges Recht, keine Handhabe, keine Be-
rechtigung. Absolut nichts gibt es, wovon
die Berechtigung hergeleitet werden kann,
–ffentliche Mittel nach verschiedenen Maþ-
st"ben aufzuwenden.
Wie die Heringe sitzen die Kinder in dei nieisten
in der Lage, den Kindern Wissen beizubringen'
Das Stiefkind
Die Leistungen der zur Entlassung gekom-
menen Volkssch¸ler sind im Durchschnitt
erschreckend schwach. In den meisten F"chern
wird das Abschluþziel nicht erreicht. Wir
haben hier durch unsere Besuche in Schulen
und Lehrwerkst"tten wahrhaft ersch¸tternde
Feststellungen gemacht.
Man wird uns hier entgegenhalten, das sei
durch den Krieg und die Zeit danach bedingt.
Das ist zu einem Teil richtig, aber nicht die
tiefste Ursache.
Das Bildungsniveau in den Volksschulen ist
entschieden zu niedrig. Nicht erst seit dem
Kriege, sondern auch schon vor dieser Zeit.
Bei allen Diskussionen ¸ber Schulreformen
und Schulproblemen l"uft die Volksschule
am Rande mit. Die Volksschule ist die Schule
,Volksschulklassen zusammen. Wie ist da ein Lehrer
Fotos: Dick li), Hoffniann Ii), DGB Bildstelle t2i
der armen Leute. Man konferiert und disku-
tiert endlos seit Jahren ¸ber die Formen der
H–heren Schulen, wo aber wird das Problem
der Volksschule aufgegriffen? Das Problem
das an der Spitze aller Gespr"che und
Reformen zu stehen hat.
6 - 1
Nennen wir einige Zahlen. Nach vorliegen-
den Unterlagen hat ein Lehrer an der Volks-
schule im Durchschnitt 56 Kinder in seiner
Klasse, bei den Mittelschulen sind es 30
Sch¸ler auf einen Lehrer und bei den h–he-
ren Schulen 22 Sch¸ler je Lehrer. Aus eini-
gen St"dten haben wir die Zahlen vorliegen,
was ein Sch¸ler an den einzelnen Schulen
kostet. Es ergibt sich, daþ in den einzelnen
Orten drei- bis sechsmal mehr Geld aus
Was notwendig ist
Die sollen sich unterscheiden, aber nur in
der Form des Lehrstoffes. Es darf kein
zweierlei Maþ geben ¸ber die F¸rsorge, die
man den einzelnen Schultypen angedeihen
l"þt. 90 v. H. der Kinder besuchen die Volks-
schule, und man k–nnte davon ableiten, daþ
dieser Schule der Vorrang geb¸hrt.
Jedes Kind hat das Recht, ein m–glichst brei-
tes Fundament an Allgemeinbildung aus der
Schule mitzunehmen. Aus dieser breiten
Basis ergibt sich die Kulturh–he eines Volkes.
HFans B–ckler sagte auf der Tagung der
deutschen Lehrerverb"nde:
"Unsere Jugend ist unser kostbarstes Gut.
Ihre k–rperliche und geistige Gesundheit
liegt uns allen am Herzen. Es ist unser aller
selbstverst"ndlichste Pflicht, ihr die Ausbil-
dung ihrer k–rperlichen, intellektuellen und
sittlichen F–higkeiten, soweit nur ang"ngig,
zu erm–glichen.'
Die Voraussetzungen zur Erf¸llung dieser
Pflichten m¸ssen in der Volksschule geschaf-
fen werden. Hier wird das Fundament ge-
baut. Die ganz besondere Liebe und F¸rsorge
des Staates und der Allgemeinheit muþ
unseren Volksschulen gelten. Und ganz knapp
umrissen ist folgendes erforderlich:


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