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Jahrgang 3, Nr. 9 (May 6, 1950)

Jugoslawien,   p. 8 and 9 PDF (1.3 MB)


Page 8 and 9


Sehr viel wird ¸ber das Land Jugoslawien
geschrieben und gesprochen, doch wie wenig
kennt und weiþ man von diesem Land, das
bisher eine abwechslungsreiche Geschichte
erlebt hat.
Jugoslawien besteht erst seit dem Jahre
1918 und entstand nach dem Zerfall des
Staates Osterreich-Ungarn durch Vereinigung
des K–nigreiches Serbien mit Montenegro,
Teilen Bulgariens, Dalmatien, der Herze-
gowina, Kroatien und Slowenien. Bis zum
Jahre 1929 nannte es sich K–nigreich der
Serben, Kroaten und Slowenen'. Erst da-
nach wurde der Name in Jugoslawien um-
gewandelt.
Das Land hat rund 15 Millionen Einwohner,
die zu 70 v. H. in der Landwirtschaft t"tig
sind. 45 v. H. des Bodens sind landwirtschaft-
lich genutzt. In der Hauptsache werden
Mais, Weizen, Tabak und Wein angebaut.
Auch Obst wird in reichem Maþe geerntet.
53 Millionen Pflaumenb"ume machen das
Land zum gr–þten Pflaumenerzeuger der
Erde. Seit Beendigung des zi
krieges ist man dabei, die 1
Landes aufzuschlieþen, da Bode
Eisen- und Manganerze, Quedi
und Braunkohle, Aluminiumern
sende Industrie beg¸nstigen.
Die groþen kulturellen und star
Unterschiede f¸hrten nach 1'
starken politischen Gegens"t2
Land nicht zur Ruhe kommen
Serben, als der gr–þte Stamm mit 6,5 Mil-
lionen Menschen, schwangen sich zur herr-
schenden Schicht auf, wogegen die Kroaten
(4 Millionen) und Slowenen (1 Million) im
starken Widerspruch standen. Daneben gab
es noch gr–þere Minderheiten an Ungarn,
Deutschen und Mazedoniern, die auch ihre
Rechte anmeldeten. Eine Einheit des Landes
war auf diese Art nicht m–glich. 1929 l–ste
K–nig Alexander alle Parteien auf und er-
richtete eine Diktatur. Bei der gleichen Ge-
legenheit erhielt das Land den Namen
Jugoslawien. Doch auch durch diese Maþ-
0
nahmen wurden die starken Gegens"tze
nicht ¸berbr¸dct, und 1934 wurde der K–nig
ein Opfer seiner eigenen Politik. Er wurde
ermordet. Sein Sohn alsNachfolger gab dem
Volke einige Freiheiten zur¸ck und milderte
dadurch die Gegens"tze im Land. Zu diesem
Zeitpunkt begannen ausl"ndische Staaten
ihren Einfluþ geltend zu machen. Allm"hlich
¸berwog der deutsche Einfluþ, unter dessen
Druck sich Jugoslawien 1941 dem Drei-
m"chtepakt Deutschland-Italien-Japan an-
schlieþen muþte. Eine Revolution, zwei Tage
nach dem Beitritt zu diesem Pakt, f¸hrte da-
zu, daþ Deutschland und Italien eingriffen,
das Land niederwarfen und unterdr¸ckten.
Jugoslawien wurde aufgeteilt. Kroatien
wurde selbst"ndig, Dalmatien und Teile
Bosniens kamen an Italien, und auch Deutsch-
land, Ungarn und Bulgarien wurden mit
Gebietsteilen bedacht. Doch damit war der
Freiheitswille dieser V–lker nicht zu unter-
dr¸cken. In den kaum zug"nglichen Bergen
sammelten sich die Freiheitsk"mpfer, die
den Kampf gegen Hitler und seine Helfer
f¸hrten. Es kam zu blutigen, grausamen
K"mpfen. Eine Million Menschen soll dabei
umgekommen sein. Die Partisanengruppen
f¸hrten diesen Kampf unter voneinander
verschiedenen politischen Anschauungen. Ein
Teil war f¸r die alte Monarchie, der andere
f¸r eine Republik. Als st"rkster Faktor
dieser Gruppen sch"lte sich die nationale
Befreiungsarmee unter Tito heraus, die auch
1944, nach dem Einmarsch der Russen, die
Macht unter F¸hrung Titos ¸bernahm. Jugo-
slawien wurde eine Volksrepublik, bestehend
aus den sechs Bundesrepubliken Serbien,
Kroatien, Slowenien, Montenegro, Bosnien
und Mazedonien.
Unter der Diktatur Marschdll Titos hat das
Land scheinbar seinen inneren Frieden ge-
funden. Doch ist dieser Friede von auþen
bedroht. Tito, der gegen¸ber dem Ausland
eine unabh"ngige Politik f¸hren will, hat
sich dadurch als fr¸heres Mitglied des Komim-
form in starken Gegensatz zu Sowjetruþ-
land gestellt. So k"mpfen Ost und West um
ihren Einfluþ in Jugoslawien, Dabei darf
man nicht ¸bersehen, daþ Jugoslawiens
Grenznachbarn dem Ostblock angeh–ren.
Fotos: Seeger (5), dpa (2)
ISybol: El "e Hand. Sie h"lt mit diktatorischer Macht die ver-
ß&denart qsten Volkerst"mme, die von einer wechselvollen
G bfidite gestempelt sind, zusammen.
^ Do" z"h t alten die einzelnen St"mme an ihren alten Sitten,
4)Gdraudier und Trachten fest. Hier ein zogarianischer Bauer
ta Karntefn, in seinem nationalen Gewand.
Die Frati -, s Montenegro, dem  S¸dwesten des Landes, tr"gt
O   de typisc en Kopfputz aus gest"rkter Leinwand, sorgf"ltig
mlI selbstg sponnener Seide bestickt.
P Aptstddt Belgrad, moderne Metropole S¸dosteuropas, leb-
Wat ilarbe froh. Der Blick f"ngt sich an Hochh"usern, die nicht
stn die .ymbole der Staatsmacht tragen.
Steile, nackte Gebirge, Steppenlandschaft, fruchtbare alpine Wiesen, Walder,
wechseln mit sanf-
1ter, sonniger Mittelmeerlandschaft, St"dten von der Sch–nheit Ragusas.
Christen, Orthodoxe, Moslems sind die gr–þten Religionsgemeinschaften
Ein ungewohntes Bild:
w M"nner beten vor der Kirche, Frauen verrichten die Andacht drinnen.
Mit Energie geht man daran, die Wunden des Krieges zu heilen. Neue Wohnh"user
und Ge-
0 sch"ftsbauten entstehen. Der gr–þte Eifer gilt der Schaffung
von Industrieanlagen.
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