University of Wisconsin Digital Collections
Link to University of Wisconsin Digital Collections
Link to University of Wisconsin Digital Collections
The History Collection

Page View

Aufwärts
Jahrgang 3, Nr. 7 (April 8, 1950)

Stuckmann
In 39 Minuten vom Frühling in den Winter,   pp. 4-5


Page 4


Im vorigen *Aufw"rts' zeigten wir euch dieses
Bild. Lest heute die Reportage ¸ber die Draht-
seilbahn auf dem .Sdcauinsland' im Schwarzwald.
In Freiburg bl¸hen die B"ume, und zur gleichen Zeit f"hrt man aber
noch im Schwarzwald Ski.
Fotos: Ardliv
In 39 Minuten vom
FRUHLING in den
Das Pendel zwischen Fr¸hling und Winter. Auf-
und Absteigen w"hrend der Fahrt verboten!
Vor der Bergstation. Das Auflaufwerk der Draht-
seilbahn auf dem ãSchauinsland' im Schwarzwald.
Hier oben denkt man nicht mehr an den Fr¸h-
ling. Bretter anschnallen und dann: Ski-Heil!
Im allgemeinen ist es umgekehrt: Aus dem
Winter kommt man in den Fr¸hling. Ich
habe es diesmal anders herum erlebt. Man
glaubt mir nicht? Ich habe es zuerst auch
nicht geglaubt.
Es war in der vorigen Woche. Ich machte
auf einer Reise einen Abstecher nach Frei-
burg. Mein Freund Barnabas ist k¸rzlich da-
hin gezogen. An einem herrlichen Fr¸hlings-
morgen kam ich an. Die Sonne schien so
warm, daþ ich im Zug schon meinen
Pullover auszog. Die B"ume bl¸hten, und die
Str"ucher waren ¸ber Nacht gr¸n geworden.
Am Dreisamufer lagen M"dchen in bunten
Kleidern und sonnten sich. Zwei ganz ver-
wegene stiegen schon mit den F¸þen ins
Wasser. Uber allem stand der blaue Himmel.
Baden oder Skifahren?
W"hrend des Mittagessens sagte Barnabas:
ãSollen wir heute nachmittag mit den Skiern
losgehen?' - ãWie bitte?' fragte ich, weil
ich dachte, er wollte mich ver"ppeln. ãIch
meine, ob wir heute nachmittag mit den
Skiern weg wollen?' wiederholte er. Ich
dachte an die warme Sonne, die gr¸nen
Str"ucher, die Bl¸tenb"ume und die M"dchen
an der Dreisam... ãDu willst mich wohl
auf den Arm nehmen? Kannst du gar nicht!'
Und ich l–ffelte meine Suppe. ãH–r zu',
sagte Barnabas, ãauf dem ªSchauinsland´
liegt noch 15cm Schnee. Gute Sportm–glich-
keiten, hat der Mann im Wetterbericht ge-
sagt. In einer halben Stunde k–nnen wir
oben sein. - Wir k–nnen aber auch etwas
anderes tun.'
Barnabas pumpte mir eine Skihose. Ich
nahm meinen Kommiþpullover unter den
Arm. Mit den Skiern auf den Schultern
gingen wir unter Bl¸tenb"umen zur Stra-
þenbahn. Da standen noch mehr Leute mit
Skiern. Es scheint doch was Wahres dran zu
sein, dachte ich, dann kam die Straþenbahn.
Es ging alles sehr rasch. In knapp zehn Mi-
nuten waren wir an der Endstation. Dort
stand ein Omnibus, der uns zur Talstation
der Schauinslandbahn brachte. Zehn Minuten
sp"ter saþen wir in einer Kabine dieser
Bahn und sahen nach oben. Auf dem Gip-
fel leuchtete der Schnee. ãIn genau 16 Mi-
nuten sind wir oben.'
Aussteigen verboten 1
Da ging ein Ruck durch die Kabine der
Seilbahn, und wir schwebten zur Station
hinaus. .476 m ¸. M.', stand auf einem
Schild. ãNun fahren wir noch 743 m h–her',
erkl"rte Barnabas klug. "Die Bergstation
liegt 1219 m hoch. Die Strecke von 3,6 km
schaffen wir -wie gesagt-in 16 Minuten;
das sind 4 m je Sekunde. Auþerdem stei-
gen wir auch noch 75 cm in der Sekunde.'
Die Kabine kletterte h–her und h–her: Tief
unter uns das Asphaltband einer Straþe.
.Die Schauinsland-Rennstrecke', sagte Barna-
bas. .Uber 100 Kurven! Die Spezialit"t des
alten Stuck!' - ãGanz nette H–he hier-,
sagte ich. ã60 Meter', schaltete sich der
Schaffner wie ein Museumsw"rter ein. Wenn
hier einmal eine Kabine abst¸rzt...', sagte
ich halblaut. Der Schaffner lachte: ãIm Juni
dieses Jahres f"hrt die Bahn 20 Jahre. Es
ist nie etwas passiert. Das dicke Seil dort,
das ist das Tragseil. 75 Millimeter stark!
250 t Bruchlast! Das h"lt schon was aus. Die
beiden d¸nnen Seile sind die Zugseile:
Jedes ist 24 Millimeter stark. 86 t Bruchlast!
Trotzdem f"hrt jeden Morgen, bevor der
Betrieb aufgenommen wird, eine Kabine die
Strecke ab und ¸berpr¸ft die Seile. Dasselbe
geschieht alle vier Wochen gr¸ndlich durch
eine Spezialkabine.' Ich gab mich nicht zu-
frieden: ãUnd wenn doch einmal etwas pas-
siert?' - Der Schaffner darauf: Es kann
h–chstens einmal ein Schaden im Fahrwerk
eintreten. Ein Druck auf den Knopf bringt
die Anlage zum Stehen.' - ãUnd dann?'
- Dann muþ ich aussteigen und den Scha-
den beseitigen', erkl"rte der Schaffner und
lachte selber ¸ber den Witz, den er wahr-
scheinlich schon zum 2364. Male den Fahr-
g"sten erz"hlt hatte. ãIm gr–þten Notfall
k–nnen die Fahrg"ste im Rettungssadc mit
der elektrischen Seilwinde herabgelassen
werden.' Er deutete auf eine Klappe im
Boden. Eine junge Dame sagte ãHu!'
Einmalig
Inzwischen n"herten wir uns der Mittel-
station. Der Schaffner telefonierte. Ich fragte,
was das zu bedeuten habe. ãDie ganze An-
lage wird von der Maschinenstation aus ge-
lenkt. Wenn ich also fahren oder anhalten
will, muþ ich mich mit dem Maschinisten
verst"ndigen.' An der Mittelstation hiel-
ten wir. Einige Holzf"ller stiegen aus. Der
letzte spuckte seinen Priem in den Wagen.
.Sie Schwein', zischte der Schaffner. So ein
R¸pel', sagte die junge Dame und visierte
ihre Nylons.
4


Go up to Top of Page