University of Wisconsin Digital Collections
Link to University of Wisconsin Digital Collections
Link to University of Wisconsin Digital Collections
The History Collection

Page View

Aufwärts
Jahrgang 3, Nr. 8 (April 22, 1950)

Maran, Pierre
Die Kautschukernte,   pp. 10-[11]


Page 10


DIE PRŸRIE TRŸGT FRUCHTE
ãBailey hat mir erz"hlt, daþ die Rancher
auf der anderen Seite der Hauptstraþe die
H"lfte ihres Weizens verloren haben', sagte
Vater eines Abends beim Essen.
,Wie kam das?' fragte Leslie.
,Erfroren', sagte der Vater. Zuviel Frost
nach warmen Tagen. Eine kalte Nacht auf
dem nackten Boden gen¸gt.'
,Du weiþt, wie hoch das Wasser auf man-
chen Feldern gestanden hat, und dann hat's
gefroren', sagte Mutter.
.Daran liegt's', best"tigte Vater.
,Die Erde hebt sich.' Mutter zeigte mit ihren
roten, rauhen H"nden, wie der Boden
arbeitet.
.Und reiþt den Halm von der Wurzel.'
Vater war sehr ernst.
ãDu meinst, daþ unser Weizen auch er-
froren ist?', fragte Leslie erschrocken.
.Vielleicht', sagte Mutter leise.
ãAber der Weizen ist doch gr¸n, und Ellen
sagt, daþ K"lte und Schnee ihm nichts an-
haben k–nnen.' Leslie schrie beinahe. Ich
wuþte, daþ er nicht nur an den Weizen
dachte.
.Ich war heute auf den Feldern. Hier und
da haben die Halme tats"chlich keine Wur-
zeln. Doch jetzt kann man noch nichts
sagen.
ãGlaubst du wirklich, Vater, daþ wir die
Felder mit Winterweizen umpfl¸gen und
Fr¸hjahrsweizen s"en m¸ssen?', fragte ich.
ãSaat und Benzin und Zeit, alles zum Teu-
fel!', sagte Mutter.
ãIn diesem Jahr wirst du das Geld, das du
auf den M"hdrescher genommen hast, nicht
zur¸ckzahlen k–nnen, Ben Webb. Und ich
habe noch nicht gesehen, daþ deine Schwester
etwas abtragen will.'
Ich krampfte die H"nde unter dem Tisch zu-
sammen. Da war er wieder, der scharfe,
h–hnische Ton in Mutters Stimme, der mir
durch und durch ging.   Bitte nicht! H–r'
auf!' Im Innern weinte ich, wie ich es als
Kind getan hatte. Ich konnte Vater nicht
ansehen. Ich hoffte, daþ Leslie nicht zuh–rte.
ãJa, vielleicht kann ich das Geld nicht zu-
r¸ckzahlen. Aber wir werden auch die Ma-
schine nicht verlieren', sagte Vater ruhig,
als ber¸hre ihn der Hohn nicht. ãIrgend-
wie werden wir schon die H"lfteauftreiben.'
Ich war ganz auf seiner Seite.
ãNein, das werden wir nicht.  Aber wir
m¸ssen eine Hypothek aufnehmen. So lange
haben wir gearbeitet und sind schuldenfrei
geblieben, und jetzt willst du leihen und
wieder leihen.  Mutters Gesicht war rot,
ihre Augen waren dunkel und ihre Stimme
schwer vor Zorn und Angst.
ãEs gibt wichtigere Dinge auf der Welt als
unser M"hdrescher, Anna', sagte Vater
kalt. Jetzt waren Vater und Mutter weit
auseinander, so weit wie Vermont und
Ruþland.
Wieder war alles wie fr¸her. Wieder stand
ich zwischen den Eltern. Leslie half mir beim
Abwaschen. Aber Ellen, du hast mir doch
gesagt, daþ die K"lte dem Weizen nichts
anhaben kann?'
ãNicht die K"lte schadet ihm', sagte ich,
ães sind die warmen Tage, die den Schnee
schmelzen lassen und dem Weizen den
Schutz rauben. Dann faþt die K"lte zu.'
Leslie ging schweigend in sein Zimmer.
ãMein Gott', sagte ich wie damals im Schnee-
sturm, mein Gott, laþ' den Weizen nicht
sterben', betete ich.
Die ganze felgende Woche beobachteten wir
den Weizen, ohne viel dar¸ber zu sprechen.
Es wurde warm. Das Gras vor dem Haus
wurde gr¸n, die Espen am Bach schimmerten
silbern.
ãWir fahren raus und sehen uns den Weizen
nochmals an', sagte Vater eines Morgens in
der zweiten Aprilwoche.
,Was meinst du, wie es aussieht, Ben?',
fragte die Mutter.
ãGut, daþ wir nicht so voreilig waren',
sagte Vater. äEin paar Leute haben schon
den Winterweizen untergepfl¸gt und neu
ges"t. Aber mir steht er noch zu gut.'
PIERRE MARAN
Cksi eX      t,%t4f-s + %er"fle
In langen Tr"gerkolonnen n"hern sich die
Eingeborenen dem baumlosen weiþen Sand-
platz von der Station. Sie tragen die Kaut-
schukernte in K–rben auf dem Kopf. M"nner,
Frauen und Kinder steigen ¸ber das steile,
sich abw"rts senkende Steinger–ll des Berg-
pfades talw"rts. In ihren Bewegungen spielen
Freiheit und Stolz, als w"re die unge-
brochene Kraft der Berge in ihren K–rpern
lebendig geblieben.
Im Schwung fallen die K–rbe vom Kopf in
sicher auffangende Arme, und die Mengen
des rohen Kautschuks vermehren sich in
endlosen Korbreihen.
Die H"uptlinge, als Ÿlteste und Verantwort-
liche der Sippen, werden der Reihe nach auf-
gerufen. Die Leute schleppen die K–rbe zur
Waage, um den Kautschuk abwiegen und
seine Sauberkeit pr¸fen zu lassen.
Die Gehilfen der Station h"ndigen entspre-
chende Quittungen aus, darauf die Gewichte
der Ablieferung vermerkt sind. Das Gewicht
des abgelieferten Kautschuks hebt oder senkt
die Zahl der Fl¸che, die die Gehilfen des
Kommandanten den Eingeborenen als Zu-
gabe verabfolgen. Die abgefertigten H"upt-
linge gehen mit ihren Quittungen hin¸ber
in die Faktorei.
Batouala wird als letzter aufgerufen. Die
farbigen Soldaten z"hlen die Reihen seiner
K–rbe. Ihre Gesichter verziehen sich zu
breitem Grinsen. Batouala weiþ, daþ alles
Lachen auf diesem Platz der Anfang oder
das Ende einer Schurkerei bedeutet.
,Soll das deine ganze Ernte sein?' h"n-
selt ihn der Sergeant Sandoukou. Batouala
will etwas erwidern, aber der Sergeant ver-
bietet dem H"uptling das Wort.
"Ist das ein Gewicht f¸r einen H"uptling?-
Sch"mst du dich nicht, mit so wenig Kaut-
schuk zur Station zu kommen? -Wir haben
Befehl, auf dich besonders achtzugeben! -
Schweig! - Keine Widerrede!"
"Eh-par-pardon Commanda!-' stammelt
Batoula, und seine aufgeregten Augen gehen
hin und her.
ãWirst du endlich           n    -
schreit ihn der Ser-
geant an und holt
mit der Hand zum
Schlage aus.
Gegen die hand-
greiflichen  Droh-
ungen wendet sich
Batouala  hilfesu-
chend an den Offi-
zier, und Sandou-
kou ¸bersetzt dem
H"uptling die Ant-


Go up to Top of Page