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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 2, Nr. 20 (September 24, 1949)

Schmidt, Karl
"Messe der Berufe",   p. 13


Page 13


ETWAS FEHLTE!
Das Treffen der Gewerksdihltsjugend
von IG Metall in L–densdceid
Das erste Gewerkschaftsjugendtreffen der IG Me-
tall fand nun endlich in L¸denscheid vom 20. bis
21. August statt. Schaffende Jugend aus vielen
westdeutschen St"dten war gekommen, um ge-
meinsam f¸r Jugendrecht und Jugendgesetz zu
demonstrieren. Geschlossen zog die Jugend auf
den Karl-Marx-Platz von L¸denscheid. Groþe
Transparente mit Aufschriften wie äWir sind die
Bannertr"ger der Zukunftl - Freiheit, Arbeit
und Frieden! - Mit uns zieht ein neuer Geist!'
waren in den Reihen der Jugendlichen zu sehen.
Um   das mit Fahnen geschm¸ckte Rednerpult
nahmen die vielen tausend Jugendlichen Auf-
stellung. Lautsprecher erm–glichten ein gutes Zu-
h–ren. Mit dem Lied Mit uns zieht die neue
Zeit' wurde da Treffen er–ffnet. Der Vorsitzende
der IG Metall, Kollege Walter Freytag, nahm das
Wort. Er sprach von den vielen Problemen, von
Klassenunterschieden, von Existenzen, von Be-
fehlenden und Gehorchenden. Doch das, was der
Jugend am n"chsten lag, n"mlich die berechtigte
Forderung nach einem einheitlichen und gerechten
Jugendschutzgesetz, kam nicht zur Sprache. Man
merkte bei vielen Jugendlichen entt"uschte Ge-
sichter. Warum hatte man sie entsandt? Die
Frage ist berechtigt. Sie waren mit dem Ge-
danken hierhergekommen, auf dem ersten Treffen
der werkt"tigen Jugend von Eisen und Metall
die Rechte zu fordern, die grundbestimmend und
zielsetzend f¸r ein fortschrittliches Jugendgesetz
sind. Was nun? Als einer aus eurer Mitte rufe
idc euch: Reklamiert das Treffen von L¸denscheid!
Ihr macht es nicht allein f¸r euch, sondern auch
f¸r die, die nach euch kommen. Sie sollen dem-
n"chst mit dem Gedanken, ein festes Fundament
vor sich zu haben, weiter bauen k–nnen auch
f¸r die Kommenden. Nur so kann Baustein f¸r
Baustein f¸r die Vollendung eines Werkes ge-
setzt werden.        Paul Schmidt, Duisburg-Ruhrort
Leider hat kein Kollege der Redaktion am L¸den-
scheider Treffen teilnehmen k–nnen. Ein angeforderter
Bericht blieb aus.
Wir wissen aber, daþ am Abend vorher an den
Lagerfeuern in der Zeltstadt der Viertausend viele
ernsthafte Gesprache ¸ber Gewerkschaften und Ju-
gendprobleie gefuhrt worden sind. Gesprache, in
denen von Juqendschutzerweiterunq, Arbeitsdienstab-
lehnung, besseren Fortbildungsmoglichkeiten usw. die
Rede war, so wie man es am anderen Tag auf den
Transparenten lesen konnte. Ziele, iie zwar auf der
Kundgebung ohne Echo blieben, aber dennoch fest-
umrissene Fordertingen sind unrl von denen wir, selbst
wenn sie mal nicht erwahnt werden, weil andere Auf-
gaben als wichtiger und dringlicher vorangestellt
wer(len m¸ssen, nicht lassen! Die Transparente be-
wiesen es!                        Die Redaktion.
"Was soll ich werden? In welchem Handwerk habe ich die meiste Freude
an der Arbeit?"
Das sind die inhaltschweren Fragen bei der
Berufswahl aller Jugendlichen.
In Bremen fand in der Zeit vom 21. bis zum
28. August 1949 eine einzigartige Ausstellung,
die Messe der Berufe', statt, in welcher jeder
junge Mensch Einblick in nahezu s"mtliche Ge-
werbebetriebe gewinnen konnte. Silber- und
Goldschmiede, Tischler, Polsterer, Buchdrucker
und viele andere Beiufe zeigten hier praktisch
ihre Leistungen und hatten in der groþen Sport-
halle richtige kleine Schauwerkst"tten aufgebaut.
Groþe Webst¸hle ratterten, und viele Modell-
maschinen waren in T"tigkeit. Gr–þere Firmen
nahmen an ihren St"nden zahlreiche Anmeldungen
f¸r Betriebsbesichtigungen entgegen. Berufs- und
Fachschulen vermittelten den Jugendlichen und
ihren Eltern weitesten Einblick in jegliche Ge-
werbet"tigkeit. Das Interesse an dieser lehr-
reichen Schau fand nat¸rlich st"rksten Widerhall
und zahlreichen Besucherzuspruch.
So im Glanz der Scheinwerfer l"þt sich gewiþ
jede Arbeitst"tigkeit "uþerst vorteilhaft beleuch-
ten, jedoch wie viele dunkle Schatten liegen in
manchem Lehrjahr der Jugendlichen, wie viele
Entt"uschungen und Bedr"ngnisse sozialer Natur.
Um diesen Gefahren vorztibeugen, wie beispiels-
weise der Ausnutzung der Lehrjungen, der Un-
f"lle infolge ungen¸genden Unfallschutzes, der
moralischen Verwahrlosung usw., hat es sich der
Ortsaussdcuþ in Bremen des Deutschen Gewerk-
sdcaftsbundes zur Aufgabe gemacht, hier in der
,Messe der Berufe' in anschaulicher Weise den
jungen Menschen ¸berzeugende Aufkl"rung ¸ber
alle schwebenden Fragen zu geben. Jeder Lehr-
ling oder Sch¸ler und Erwachsene konnte am
Schluþ der Rundschau durch alle Berufe die Er,
kenntnis mit nach Hause nehmen, daþ er jeder-
zeit Rat und St¸tze und in der Freizeit auch viel
Lebensfreude in der Gewerkschaftsbewegung
finden wird.     Text u. Foto: Karl Schmidt, Bremen
91-.
das ehemalige Gestapogef"ngnis Hanst-
holm in D"nemark nunmehr d"nische Ju-
gendherberge geworden ist und die 15
Zellen Schlafr"ume f¸r die jungen Men-
schen geworden sind?
nmd einer Mitteilung der Kriegsgegner-
Internationale in Genf die Verweigerung
der Milit"rdienstpflicht in 34 L"ndern
schwer bestraft wird, in 18 weiteren
L"ndern kann man sich ihr unter gewis-
sen Voraussetzungen entziehen, w"hrend
es in 24 L"ndern keine Milit"rdienst-
pflicht gibt?
dA@ graphische Jugend' des Bezirks
Bielefeld am 3. und 4. September in der
Jugendherberge Olrlinghausen ihr erstes
Bezirksjugendtreffen veranstaltete?
die Gewerkschaft –ffentliche Dienste,
Transport und Verkehr am 12. September
in Stuttgart ihren 1. Verbandsjugendtag
abhielt?
es nach einer Erkl"rung des Vorsitzen-
den des Interzonen-Jugendhilfswerkes,
Dr. Lenhartz, in Westdeutschland 200 000
arbeits- und heimatlose Jugendliche gibt,
worunter sich eine groþe Zahl Krieger-
waisen, Ostfl¸chtlinge, entlasseneKriegs-
gefangene und Kriegsversehrte befinden,
deren Heimat –stlich der Oder-Neiþe-
Linie liegt?
nodh statistischen Unterlagen des bayri-
schen Arbeitsministeriums 15 000 Jugend-
liche in Bayern arbeitslos sind, w"hrend
26 000 unbesch"ftigte Jugendliche noch
auf eine Lehrstelle warten?
in Petershagen an der Weser das erste
Binnenschiffer-Jugendheim der Doppel-
zone er–ffnet wurde, das dem Berufs-
schulunterricht der Binnenschifferjugend
dienen soll?
seit dem 1. September alle arbeitslosen
Jugendlichen West-Berlins bis zu ihrem
18. Lebensjahr regelm"þig an f¸nf Wo-
chentagen einen sechsst¸ndigen Berufs-
schulunterricht besuchen m¸ssen?
auf Grund eines Erlasses der Verwal-
tung f¸r Wirtschaft als neue Lehrberufe
mit dreij"hriger Lehrzeit die Berufe des
Tierpflegers,  des  Chemiefacharbeiter&
und des Schneidwarenschleifers aner-
kannt wurden, w"hrend in den Berufeh
Gastst"ttenkaufmann, Gemeinschaftskoch,
S¸þspeisenkoch und Gastwirtschaftsmetz-
ger keine Lehrvertr"ge mehr abgeschlos-
sen werden k–nnen?
die Christliche Arbeiterjugend Deutsch-
lands eine neue Zeitung unter dem Titel
.Befreiung' herausgibt,deren ersteNum-
mer zum Bochumer Katholikentag bereits-
erschienen ist?
In Kiel ein Haus -der Jugend er–ffnet
wird, das dem Landesjugendring in
Schleswig-Holstein von der Landesregie-
rung ¸bergeben wurde?
der Landtag, von Rheinland-Pfalz gegen
-die Stimmen der kommunistischen Frak-
tion ein Gesetz zum Schutz der Jugend
vor Schundliteratur veralbsciedet hat?
In Hannover 'eine evangelische Zentrale
f¸r den freiwilligen Arbeitsdienst-> ge-
gr¸ndet wurde, der in Niedersachsen
gegenw"rtig 17 Lager mit 400 jungen Ar-
beitsdienstfreiwilligen angeh–ren sollen?
In D¸sseldorf ein Kino, das ausschlieþ-
lich Filme Mfr Kinjer' und Jugendliche
zeigt, mit 120 Pl"tzen eingerichtet wurde?
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ei¸e ai
Mit dieser besonders ver-
kleideten zweimotorigen
Kompressor - Brough-
Superior-Rennmaschine
will der britische Motor-
rad-Rennfahrer R. Noel
Pope nach Amerika fah-
ren und dort auf den
seit 10 Jahren bestehen-
den Weltrekord (290 Stun-
denkilometer) des Deut-
schen Ernst Henne eineit
Angriff unternehmen. Er
hofft, mit seiner unge-
w–hnlichen  Spezialma-
schine bis zu 320 Stun-
denkilometer zu erreichen.
Foto: dpd


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