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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 2, Nr. 19 (September 10, 1949)

Johi
Kleine Auseinandersetzung mit zwei Fussballsystemen,   p. 14


Page 14


1 ! L &~ _K   l e"   A * J   d e L a ¸s-1
KLEINE AUSEINANDERSETZUNG MIT ZWEI FUSSBALLSYSTEMEN
Der Zweck dieser Zeilen ist, euc±, der j¸n-
geren Fuþballgeneration, einmal klarzu-
machen, welcher Unterschied eigentlich zwi-
schen dem modernen Stopper oder MW-
System und dem heute vielfach als veral-
tet aufgefaþten Angriffsspiel mit vorge-
zogenem Mittell"ufer besteht.
Wichtig ist vor allem zu wissen, wer der
Erfinder des Stoppersystems ist. Nun, das
war kein anderer als der selige Mister
Chapman. Damals wohl der bekannteste
Manager der Welt, der die ber¸hmte Elf der
Londoner Arsenal - im Volksmund die
,,Gunners' oder ,Kanoniere' genannt -
betreute.
Dieser Mr. Chapman war nicht nur ein klu-
ger, sondern vor allem auch ein vorsichtiger
Fuchs. Durch sensationelle Spielereink"ufe
hatte er eine Elf auf die Beine gebracht, die
selbst im gewiþ verw–hnten Mutterland des
Fuþballsports einmalig war und es bis auf
den heutigen Tag geblieben ist.
Da er aber damit verbunden seinen Kl-ub
zu riesigen Geldausgaben gezwungen hatte,
muþte er unter allen Umst"nden erreichen,
daþ seine teure Mannschaft durch gutes Ab-
schneiden in der Meisterschaft und in den in
England fast noch wichtigeren Pokalspielen
die n–tigen Zuschauermassen fand.
Mr. Chapman tat, was ein kluger Mann in
einem solchen Falle immer tun sollte: er
¸berlegte . .. ,Vor allem', so sagte er sich,
,hast du einen starken Sturm, der dir er-
laubt, deine Deckung zu verst"rken. Und da
diese Deckung mit Torwart Bartram und den
Verteidigern Hapgod und Male sowieso
internationales Format hat, so m¸þte die
Hinzuziehung des Mittell"ufers als Stopper
gen¸gen, um meine ªArsenal-Festung<( un-
einnehmbar zu machen. Du bekommst dann
beide Auþenl"ufer frei, und die k–nnen dann
dem Angriff die unbedingt notwendige
Unterst¸tzung geben.
Was soll ich euch groþ sagen. Chapmhans
Plan war gut und hatte Erfolg auf den ersten
Anhieb. Arsenal wurde in dieser Saison
Erster in der Meisterschaft und schaffte
auþerdem das so seltene ,Duble Event', d. h.
die Gunners gewannen auch noch den Pokal.
Und sie gewannen die Meisterschaft in den
beiden folgenden Jahren, was in England
noch nie passierte.
Die logische Folge war, man wurde aufmerk-
sam auf das neue System und versuchte es
nachzuahmen. Bei uns in Deutschland nat¸r-
lich auch.
Deutschland ist nicht ¸berall
Aber nicht nur in Deutschland, in allen L"n-
dern Europas spielt man heute MW-System,
d. h. im Sturm stehen im Gegensatz zu dem
fr¸heren Angriffsspiel die Spitzen des W,
also die beiden Auþen- und der Mittelst¸r-
mer, vorne, w"hrend die beiden Halbst¸r-
mer zur¸ckgezogen spielen. In der Verteidi-
gung wird umgekehrt gespielt. Hier sind die
beiden Auþenl"ufer vorne und ¸bernehmen
die Deckung der gegnerischen H-albst¸rmer,
w"hrend der Mittell"ufer, im krassen Gegen-
satz zu fr¸her, fast auf der H–he des Straf-
raumes stehenbleibt und die beiden Vertei-
diger die Deckung der gegnerischen Auþen
¸bernehmen. Das hat den Vorteil, daþ der
Torerfolg f¸r den Gegner schwer gemacht
wird. Vor allem, da bei dem derzeitigen
Mangel an wirklich erstklassigen Fuþballern
(Technikern) das Sicherheitsspiel am leichte-
sten die vorhandenen Schw"chen in jeder
Mannschaft zudeckt.
Immerhin, es gibt keine Regel ohne Aus-
nahme, auch im Fuþball nicht. In Wien,
Italien, Spanien gibt es auch heute nochi
Mannschaften, die noch immer das alte
sch–ne Angriffsspiel beherrschen, und was
dabei wichtig ist, mit Erfolg beherrschen.
Zwei alte Hasen
Daþ auch die Verfechter der alten, vor allem
der Wiener Schule etwas von ihrem Fach
verstehen, haben erst k¸rzlich die Spieler
der Wiener Austria-Elf und die Schalker
Knappen bewiesen, die durch einen neuen
aufsehenerregenden 9:0-Sieg ¸ber die gewiþ
nicht schlechten Benrather zeigten, daþ man
mit einem echten Mannschaftsspiel den Geg-
ner in Grund und Boden spielen kann. Ja-
wohl, die Knappen spielen wieder Kreisel
wie eh und je. Und was die Wiener anbe-
trifft . .,ich sah sie, und mir und 15 000
blieb der Atem weg. Solche spielerischen
Feinheiten, solche Ballartistik, solches ge-
konnte Fuþballspiel sahen wir seit langem
nicht mehr. Hinterher hatte ich dann Ge-
legenheit, mit Trainer M¸ller und dem Be-
treuer der Schalker, Ferdl Swatosch, dem
ehemaligen Austria-Internationalen, zu spre-
chen und ihre Ansichten ¸ber neue und alte
Spielsysteme zu h–ren.
Sie waren objektiv
denn sie bestritten durchaus nicht, daþ es
leichter ist, mit dem Stopperspiel zum Ziel
zu kommen. Aber, so f¸hrten beide aus, wir
wollen keine Schablonenarbeit im Fuþball.
sport. Wir wehren uns gegen einen Stan-
dardtyp des Fuþballspielers. Wir m–gen ihn
nicht, den Sportlehrer vom laufenden Band.
Jedes System hat seinen Vorzug.
,,Und sehen's, wenn unsre Leut' spuiln und
die anderen wie die Haserln hin- und her-
rennen, das macht Freud. Und wenns einer
ei L"ufer ist wie der Ocwirk, i bitt Sie,
warum vor olles in dr Welt soll er hinten-
bleibn wie angenagelt. Und', f¸gt Trainer
M¸ller hinzu, ,wenns vielleicht auch ein
biþerl leichtsinnig sind, die Bubn, was schads.
Man muþ halt net jedes Match gewinnen.
Aber man muþ an Fuþball spuiln, woran
unsere Leut' ei Freud habn. Gelt!'  Johi
Wir sprachen zuletzt vom Monat August,
als dem Monat der Meisterschaften. Am
vorletzten Augustsonntag haben auch die
Schwimmer ihre Meister ermittelt. Die
kleine nieders"chsische Stadt Peine war
Mittelpunkt dieser Entscheidungen. Den
Freunden des Schwimmsportes geht es
"hnlich den Leichtathleten, sie verf¸gen
u~zht ¸ber einen solchen Anhang wie
K–nig Fuþball. Aber trotzdeml Bei den
Schwimmern gibt es noch eine echte
Sportkameradschaft.
Die alten Meister haben es nicht mehr
alle geschafft. Neue Namen sind aufge-
taucht, der Nachwuchs dr"ngt immer
mehr nach vorne, doch noch haben sie
nicht die alte Klasse der Sletas, Fischer,
Schwarz, Plath, Arendt bei den Herren
und Graþ, Weber, Kapell, Schmitz bei
den Damen erreicht. Die Weltrekord-
zelten sind noch weit von den deutschen
Bestzeiten entfernt. Doch es wurden
Meister:
100 mn Kraul Ditzinger in  1:00,6 Min.
200 mf Kraul Ditzinger in 2:19,5 Min.
400 mn Kraul Lehmann  in 5:08,9 Min.
1500 m Kraul Lehmann   in 20:-43,5 Min.
100 in R¸cken Schuster  in  1:13,3 Min.
100 mn Brust  Klein   in  1:10,0 Min.
200 mn Brust  Klein   in 2:40,9 Min.
Alle Herrenschwimmstaffeln gewann der
MTV Braunschweig.
Frauen:
100-mn-Kraul Ahrendt    in 1: 11,6 Min.
400 mn Kraul Herbrudc   in 6:03,8 Min.
100 mn R¸cken Herbruck  in 1:18,4 Min.
100 in Brust  Krey      int 1:25,0 Min.
200 in Brust  Schmidt   in 3:04,9 Min.
Die Staffeln 3)X 100 in Lagen, 4 X 100 m
Kraul, 4X 10<) m R¸cken und die Brust-
staffel gewannen in obiger Reihenfolge
Eimsb¸ttel, Bonn, D¸sseldorf und noch-
mals Bonn.
Internationales Format haben nur unsere
beiden Brustschwimmer Klein und Klinge.
Die Leichtathleten holten ihre Mehr-
kampfmeisterschaften  nach.  Deutsche
F¸nfkampfmeisterin wurde wie erwartet
Lena Stumpf. Deutscher F¸nf- und Zehn.
kampfrneister wurde Gerd Luther. Die
Uberraschung dieser Meisterschaft war
der unbekannte Sepp Hlpp aus Balingen,
der den zweiten Platz belegte und von
dem Fachleute sagen, er sel der zu-
k¸nftige Meister.
An den n"chsten Sonntagen starten dig
Fuþballoberligen in dem Kampf um dl.
Meisterschaft. Im  S¸den, Westen und
Norden startet man mit Vertragsspieler-
mannschaften. Offen gesagt mit Berufs-
fuþballspielemn. In der Spitzenklasse darf
den Spielern ein H–chstgehalt von 320
D-Mark gezahlt werden. Wir glauben
annehmen zu k–nnen, daþ es in einigen
F"llen auch etwas mehr Ist. Leider -,
und dieses haben wir schon –fters be-
tont, mangelt dem deutschen Fuþball-
sport die Klarheit. die absolut notwendi
ist. Doch dar¸ber werden wir eina
ausf¸hrlich sprechen.
Das Vertragsspielerverh"ltnis wird viel en
Mannschaften ein neues Gesicht geben.
Die Zuschauer werden sich an dIe neueiA
Spieler gew–hnen m¸ssen.
Schalke 04 iblelbt der Oberliga edwaten,-
In e eine Spiel, das an alte Zeiten z'
nnrte, schlugen sie Vif. Benrat9iO.$
,lilf;iv"ltlm


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