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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 2, Nr. 19 (September 10, 1949)

Bo., K.
Zeltlagergrüße!,   p. 13


Page 13


ERLEI BRAUCH
1
Das Leben des Bauers im Jahreslauf wird g"nz-
lich von der Sorge um das Gedeihen des Ge-
treides, der Feld- und Gartenfr¸chte bestimmt.
Uralte kultische Vorstellungen und Br"uche, die
zum Teil heute noch im Gebrauch sind und das
Wirken guter Geister und M"chte f–rdern, den
sch"digenden Einfluþ feindlicher D"monen aber
verhindern oder ausschalten sollen.
Diese Glaubensvorstellungen und Br"uche, die so
alt sind wie der bewuþte Anbau von Pflanzen
¸berhaupt, ziehen sich durch das ganze Jahr, be-
ginnen eigentlich mit der Wintersonnenwende
Weihnachten), schlieþen das Fastnachts-, Fr¸h-
lings- und Sommerbrauchtum ein und enden
schlieþlich mit der Erntezeit.
Die Ernte, besonders beim Getreide, ist mit vielen
Br"uchen und Aberglauben verbunden. Manche
D"monen und Geister aber sind zu Scherzfiguren
und zum Kinderschreck abgesunken und haben mit
altem Glauben und Brauch nichts mehr zu tun;
andere aber zeigen noch ganz das urspr¸ngliche
Erscheinungsbild mit Glaubensz¸gen einer Zeit,
die noch keinen Pfluganbau kannte. Von solchen
Kornd"monen wird geglaubt, daþ sie beim Ab-
m"hen des Getreides von Halm zu Halm springen,
ihre Zuflucht schlieþlich in der letzten Garbe
finden und sich dort verborgen halten. Um diese
letzte Garbe dreht sich eigentlich nun das ganze
Brauchtum der Getreideerntezeit. Man ruft sie
dreimal an, umtanzt sie und sch¸ttet - gleichsam
als Dankopfer - Getr"nke ¸ber sie aus. Die
h"ufigste Benennund f¸r die letzte Garbe, die am
deutlichsten uraltes Brauchtum erkennen l"þt.
ist "der Alte", nach der auch in manchen Ge-
genden das sp"tere Erntefest "Fest der Alten"
oder ,,llenk–ste" heiþt. Noch im vorigen Jahr-
hundert fielen in Th¸ringen die Schnitter vor
"dem Alten" nieder, k¸þten ihn, riefen ihn bei
Namen, banden ihn als Strohmann und ¸ber-
gaben ihn schlieþlich dem Gutsherrn mit den
Worten: Nehmen Sie den Alten wohl in acht /
UR ERNTEZEIT
Er wird Sie beh¸ten Tag und Nacht.- Bei Ernte-
bier ist gelegentlich heute noch der als Stroh-
mann gebundene "Alte" zugegen, sitzt mit bei
Tisch und wird von der sch–nsten Schnitterin
im Tanz herumgeschwenkt.
In anderen Gegenden wird aus .dem Alten" Brot
gebacken, das - dem Charakter dieses Korn-
d"mons entsprechend - als besonders gl¸ck-
bringend f¸r Haus und Hof gilt. Der Bauer und
sein Zuggespann essen von diesem Brot noch bei
Beginn der Fr¸hjahrsbestellung, pfl¸gen wohl
auch noch einen Teil davon unter, um dem
Acker die Fruchtbarkeit wiederzugeben.
Unter den tierischen Ernted"monen ist der Hahn,
der bereits in der Antike als Fruchtbarkeits-
symbol galt, der h"ufigste. Mancherorts wird das
Erntefest "Aarnhan ã, "Hahnhasch  oder dgl. ge-
nannt. Ein abgeschlagener Hahnenkopf wurde als
Zierde auf die letzte Garbe gesteckt und diese
feierlich nach Hause getragen. In Abwandlung
und Sinnverlust dieses alten Fruchtbarkeitsritus
kennt man heute noch das sogenannte Hahn-
oder Topfschlagen als Belustigungsspiel beim
Erntetest. So ist der Hahn, wenn auch nur noch
aus Flitterwerk, als Verzierung der Erntekronen,
die mit a 11 e n Fr¸chten des Feldes behangen
sind, bekannt. Nieders"chsische Bauern nageln ihn
heute noch als Gl¸cks- und Schutzsymbol an ihre
Scheune.
Es ist ein alter, ¸berall bekannter Brauch, den
Bauer oder einen Fremden, der ein Erntefeld be-
tritt, zu "binden-. Knechte und M"gde umringen
und "binden' ihn mit einem Kranz aus Ÿhren,
Kartoffelkraut oder in Weinbaugebieten mit einer
Rebe. Sie lassen ihn erst wieder frei, wenn er sich
mit einem guten Trinkgeld "losgekauft" hat. Das
gleiche erreichen sie, wenn sie um den Bauer
einen Kreis aus Kartoffeln oder anderen Feld-
fr¸chten legen. Dieser alte Brauch ist heute zu
reinem Gabenheischen abgesunken, etwa in der
Art, daþ, wie in Mecklenburg und am Nieder-
rhein, der j¸ngste Knecht beim Einfahren der
letzten Kartoffelfuhre dem Hofbesitzer die dickste,
mit B"ndern verzierte Kartoffel auf einen Stock
gespieþt ¸berreicht und bittet: "Hier ist die Kar-
toffel vom Lande, / Gewachsen auf schwerem
Sande. / Enth"lt einen kr"ftigen Fusel, / Der
bringt uns all einen Dusel. / Dein Hof sei ge-
segnet allezeit, / Zum Rundtrunk sind wir bereit."
Darauf muþ der Bauer die Flasche kreisen lassen
und die B"uerin alle zu Kaffee und Kuchen ein-
laden.                       Wolfgang Jacobeit.
Eine ganze Reihe Berichte von Wanderungen
und Zeltlagern sind der Redaktion zugegangen.
Wollten wir sie alle bringen, so h"tten wir bis
Weihnachten allen Raum f¸r Zeltlagerberichte
verwenden m¸ssen. Wir werden an dieser Stelle
laufend etwas aus den Berichten ver–ffentlichen
und hoffen auf Nachsicht bei unseren jungen
Kolleginnen und Kollegen.
"Auf, du jungerWandersmann!' ¸berschreibt
Elisabeth Steinhagen aus Dortmund ihren
Fahrtenbericht zur Burg Altena. Trotz Regen
scheint die Gewerkschaftsjugendgruppe einen
frohen Tag erlebt zu haben.
Auch die Gewerkschaftsjugendgruppe des
Kreisausschusses Nordenham hat ihre Fahrt
nach Wildeshausen im Zeichen des Regen-
bogens unternommen und nach sch–nen, be-
sinnlichen Stunden der Entspannung das
Jugenddorf Adelheide besichtigt.
Kollege Hermann Jung aus Hamm von der
IG Bau hat uns einen Fahrtenbericht zur
Hohensyburg vorgelegt. Mit demokratischer
Wnisheit wurden alle Schwierigkeiten eines
zweit"gigen Zeltlagers gemeistert. F¸r die
¸bersandten Bilder danken wir, k–nnen sie
aber wegen Platzmangels leider nicht ver-
–ffentlichen.
Eine zur Nachahmung empfohlene Ahrfahrt
haben die jungen Bauarbeiter der Hoch-Tief
AG, Essen, unternommen. Frisch und fr–h-
lich, doch leider ohne einheimische Tanz-
beine, vergingen die beiden frohen Ferien-
tage schnell.
Auf den H–hen des Teutoburger Waldes
f¸hrt die Gewerkschaft Textil, Bekleidung,
Leder ihr Sommerlager durch. Gewerkschaft-
liche Bildungsarbeit und Jugendpflege mit
Ausfl¸gen in die Umgebung wechseln ab
und lassen keine Langeweile aufkommen.
Aus Langeroog hat uns Kollegin Irmgard
Stemmer aus Hannoversch-M¸nden einen
lustigen Bericht vom Gewerkschaftsjugend-
lager Niedersachsen zugesandt. Sommer,
Sonne, See haben f¸r eine ausreichende Er-
holung gesorgt, und frisch gest"rkte Kolle-
ginnen und Kollegen werden nun zu Hause
mit neuer Energie die gewerkschaftlichen
Aufgaben anpacken.
Zeltlager der IG Metall, Bezirk Nordrhein-
Westfalen
,Kennt ihr die Geschichte von der Hungersnot,
die in unserm Lager groþen Schaden tut,
der Magen knurrt, der Magen knurrt,
der Magen, Magen, Magen knurrt,
so sangen 107 rauhe Jungenkehlen. Zuerst
klang es geradezu aufr¸ttelnd, doch weil das
Hungerlied nachher ein sch–ner, melodisch
abgestimmter Kanon wurde, glaubte man an
das Magenknurren nicht mehr. Es war alles
goldrichtig in diesem Zeltlager, das der Be-
zirk Nordrhein-Westfalen der IG Metall f¸r
seine Jugendsprecher abhielt. Der Zeltplatz,
ideal gelegen am Fuþe des Tomberges in
der Eifel, machte einen sauberen, fast freund-
lichen Eindruck. Die Zelte waren mit Blumen
und Gr¸n geschm¸ckt, und jedes trug den
Namen eines Gewerkschaftsf¸hrers.
K¸che, einwandfreie Waschanlage und Sport-
platz befanden sich in unmittelbarer N"he.
Gute und reichliche Verpflegung und vor-
bildliche Harmonie und Kameradschaft aller
Teilnehmer sorgten daf¸r, daþ die Zeltlager-
tage f¸r die Jugend von Stahl und Eisen',
wie sie sich stolz nennt, ein sch–nes Erleb-
nis und ein Ansporn f¸r die k¸nftige Arbeit
wurden.                            K. Bo.
13
Aus einem Bericht des
Jugendsekretariates L¸neburg
Hatten wir am Jahresende 1948 eine
Gesamtabnahmezahl von 500 Jugend-
zeitungen, so ist der Vertrieb leider
auf 300 Exemplare zur¸ckgegangen.
Wir   erhalten  von   den   Haupt-
kassierern der Industriegewerkschaften
laufend R¸ckgaben "lterer Nummern,
die nicht verkauft wurden. Es scheint,
daþ sich unsere Funktion"re bei dem
Vertrieb in den Industriegewerkschaf-
ten keine M¸he geben, diese Jugend-
zeitung abzusetzen. Die Unterkassierer
sagen wieder ihrerseits, die Jugend-
zeitungen nicht auf ihren Kassierer-
g"ngen mitnehmen zu k–nnen, da der
eine Pfennig sich nicht lohne. Der
Geldmangel bei vielen erwerbslosen
Kollegen ist ein weiterer Grund. Trotz
der sehr guten Ausstattung unserer
Zeitung m¸þte es m–glich sein, aus
rein werbungsm"þigen Gr¸nden f¸r
den geringen Verkaufspreis von 0,10
D-Mark unsere Jugendzeitung abzu-
setzen.
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