University of Wisconsin Digital Collections
Link to University of Wisconsin Digital Collections
Link to University of Wisconsin Digital Collections
The History Collection

Page View

Aufwärts
Jahrgang 2, Nr. 13 (June 18, 1949)

TH., F.
Warum bekomme ich nichts für mein Geld?,   p. 3


Page 3


WARUM BEKOMME ICH NICHTS FUR MEIN GELD?
.Ja, ja', seufzte der Groþvater, wich kann
mich noch gut der Zeit erinnern, wo man
ein P"ckchen Tabak f¸r 10 Pfennig und in
der Milit"rkantine ein groþes Glas Bier f¸r
5 Pfennig bekam.'
.Und Suppenfleisch kostete 6 Groschen', er-
g"nzte die Oma - äund ¸berhaupt alles
war billiger als heute.'
,Ja, daf¸r habt ihr aber auch viel weniger
verdient.'
.Das stimmt! Aber wir konnten uns doch
damals f¸r unseren Lohn mehr kaufen. Was,
Alte, mit ner Mark in der Tasche konnte
man sich schon prima am¸sieren?'
Freilich, die Alten haben recht. Man kann
heute mit seinem Lohn oder Gehalt herzlich
wenig anfangen. Die Preise sind gestiegen,
und die L–hne konnten nicht mitkommen,
obwohl sie, in Geld ausgedr¸ckt, h–her sind
als fr¸her. Der G e 1 d l o h n ist zwar ge-
stiegen, aber der Reallohn, das ist ja
gerade die Summe von G¸tern, die man f¸r
sein Geld kaufen kann, ist gesunken.
In dieser Tatsache liegen einige sehr inter-
essante Zusammenh"nge verborgen, an
denen wir als nachdenkliche junge Menschen
nun doch nicht vorbeigehen wollen. Wir
wollen einmal versuchen, etwas hinter die
Kulissen der Wirtschaft zu schauen. Glaubt
ihr, daþ man f¸r den Wert einer heutigen
Mark im Zeitalter Karls des Groþen, also
so um 800 nach Christi Geburt, eine voll
ausgewachsene Kuh kaufen konnte? Tat-
sache! So hoch war damals die Kaufkraft des
Geldes. -- Oder daþ im Mittelalter ein
Kreuzritter f¸r sich und seinen Knappen,
einschlieþlich der beiden Reitpferde, Ver-
pflegung und Unterkunft von Deutschland
bis Kleinasien mit ganzen 40 Mark bestrei-
ten konnte?
Entsprechend den niedrigen Preisen waren
aber damals auch die Einkommen sehr
gering.
ImMittelalterherrschte eben ein ungeheurer
Mangel an Edelmetall, und hierdurch ein
hoher Wert des Geldes.
Erst seit dem 16. und besonders seit Mitte
des 19. Jahrhunderts stieg die Edelmetall-
erzeugung. Durch die gewaltigen Produk-
tionssteigerungen und die gesteigerten Aus-
Berlin zu Groþvaters Zeiten um 1900. Auch
m¸nzungen sank der innere Wert des Goldes
und des Silbers. Dies hatte ein allgemeines
Steigen der Preise zur Folge. Die L–hne
blieben hinter der Preissteigerung zur¸ck.
Und so kommen wir auf den Kern der
Sache! Man muþ bei den L–hnen und Ge-
h"ltern den No minallohn von dem
R e a 1 1 o h n unterscheiden.
Ob ich 30 oder 40 DM in der Woche ver-
diene, ist nicht so wichtig wie die Feststel-
lung, wieviel ich mir f¸r meinen Wochen-
lohn kaufen kann. Selbstverst"ndlich, wenn
die Preise der Waren gleichbleiben, dann
bedeutet die Auszahlung von 40 DM tats"ch-
lich eine Steigerung des Lohnes um ein
volles Drittel. Aber wenn die Preise auch
um ein Drittel gestiegen sind, dann sind die
40 DM nicht mehr als vorher 30 DM.
Es kommt somit auf das Verh"ltnis der Preise
zu den L–hnen an. Die Lohnpolitik muþ, um
wirkungsvoll zu sein, durch eine entspre-
chende Preispolitik erg"nzt werden. Es hat
sich leider in der Vergangenheit oft gezeigt,
daþ eine Erh–hung der Geldl–hne lediglich
zum Ausgleich f¸r eine vorher stattgefun-
dene Preissteigerung diente. Nun ist dies
durchaus erw¸nscht. Wenn die Preise der
wichtigsten Unterhaltsg¸ter steigen, m¸ssen
die Gewerkschaften versuchen, durch ent-
sprechende Erh–hungen der Tarifl–hne die
Sicherstellung der bisherigen Lebenshaltung
zu erreichen. Aber genau genommen, ist
dieser Vorgang keine Lohnerh–hung,
sondern nur Lohnanpassung an die
gestiegenen Preise. Eine echte Lohnerh–hung
ist nur m–glich, wenn bei steigenden Geld-
l–hnen die Warenpreise nicht auch im
gleichen Maþe steigen. Die Preise m¸ssen
entweder gleichbleiben oder wenigstens
weniger als die L–hne steigen oder sogar
fallen, wenn die Geldlohnsteigerung gleich-
zeitig eine Reallohnerh–hung bewirken soll.
Und dies ist durchaus m–glich.
In der Vergangenheit, in der man den Dingen
ihren freien Lauf lieþ, hinkten die L –h n e
immer hinter den Preisen nach.
Zwei Weltkriege und der Unsinn wirtschafts-
politischer Machtk"mpfe zwischen den ein-
zelnen Staaten, Monopolimperialismus und
nationalistischer Wahn haben den Wohl-
stand vernichtet. Und was das Traurigste ist,
man hat vor allem denen genommen, die
schon vorher wenig hatten. Wieder einmal
sollen die arbeitenden Schichten die Haupt-
lasten tragen, wenn es nach dem Wunsche
der ehedem herrschenden Kreise ging.
Aber diesmal wollen wir ihnen das Spiel
verderben! Wir wollen uns einschalten in
den Gestaltungsprozeþ von Wirtschaft und
Staat, damit dem Arbeiter sein Recht werde
und insbesondere auch sein Recht auf ge-
rechten Lohn und ausreichenden Anteil an
den Fr¸chten seiner Arbeit.        F. TH.
schon damals reichten die L–hne nicht aus.
LI EB ER FR EU N D!
Es dr"ngt midh, Dir, der gesamten Redaktion und
allen den vielen Mitarbeitern meinen berzlichsten
GlIlckwunsch zum ersten Jahrestag des Aufw"rts
darzubringen.
Jede neue Nummer madct Freude und zeigt, daþ
es Euch gelang, mit dem ãAuiw"rts' ei,'e Zeit-
sadrilt zu schailen, die aldh nicht nur die Besten
unserer Jugend eroberte, sondern auf deren Er-
schelnen sich audi viele der ãAlten' jedesmal
freuen.
Gl¸ckaul Ifr die Zukunftl
Jedoch mischt aldh etwas Wehmut In meinen Gl¸ck.
wunscd. Vor Jahresfrist zwang uns die lizenz,
itr die Herausgabe des   Aufw"rts' infolge der
damaligen Papierknappbhet die Auflage zu be-
schr"nken. Angesichts der vielen Hunderttausende
gewerksdhafilich organisierter Jugendlidher und
des Hungers nach einer guten Jugendzeitsdirift
erachien uns diese Auflage damals viel zu
gering.
Aber wir hatten das Bed¸rfnis wohl ¸bersch"tzt
denn der äAufw"rts' blieb zun"dhst hinter der
von uns als zu niedrig beklagten Zahl zurck.
Seither Ist der Leserkreis wesentlich gewachsen.
Und dodc, das Erreldite kann audi heute aldt
ganz befriedigen. Euer ãAufw"rts'. dessen Leiter
und Mitarbeiter Im Laute des ersten Jahres eine
wirklicd hervorragende Jugendzeitsdirift sdiuien
muþ kenftig In noch viel weitere Kreise der
Jugendlidhen dringen. Die Papierknappheit Ist
aberwunden, tberwindet nun den vermaledeiten
Gleidciut der ãvielen', damit der Auiw"rts die
Fahne wird, um die sich unsere ganze gewerk-
sdhaltlidie Jugend schart.
Idc weiþ, mit wie gl¸henden Eiter ihr eurer
adhinen Aufgabe geredit zu werden sud.t Ich
weiþ, Ihr alle ruht bei dem Im ersten Jahr Gesdial-
fenen nicht aus. Ihr m¸þtet nidct die zukunfis-
frohe Jugend sein, wenn es Euch nicht dringte,
nocd mehr, nodi Besseres zu leisten.
Und damit dem    Autwiwts' weiter ãgute Fahrt
voraus'
Mit bestem
Gruþ Euer Franz Splledt
1                                11                             1
] EI
3 .zi
1 Ei
I -2MILL.VWONUNGEN  5  1
CH=BESCHZMDIGT    |    |
* -ZERSTORT       1938 1f40
Von 16,3 Millionen Wohnungen in den
vier Besatzungszonen Deutschlands sind
6,3 Millionen, rund 40 v. H., total zer-
st–rt. Von dem Rest sind weitere 3 Mil-
lionen teilweise besch"digt Unser Bild
veranschaulicht, daþ die H"lfte des fr¸he-
ren Wohnungsbestandes ausf"llt. Vor-
dringlichste Aufgabe ist, Wo h n u n g e n
f¸r die Werkt"tigen zu schaffen.
Der Zeitpunkt' unter dem unser Aufw"rts' her-
auskam, war ung¸nstig. Der Tag X. die W"h-
rungsreform, belastete die langersehnte Jugend-
zeitsdbrift sehr.
Kritiker gab es auch bei uns genug. Jeder Auf-
satz, jedes Bild wurde unter die Lupe genommen.
und alles wurde bem"ngelt. Langsam ging es
dann mit dem Aufw"rts' aufw"rts. Die Kritik,
und vor allem di. Arbeit vieler Kollegen. halfen
die Kinderkrankheiten zu ¸berwinden. Heute gibt
es im allgemeinen an unserer Jugendzeitscirift
nicts mehr auszusetzen Gewiþ m¸ssen wir be-
m¸ht sein, den Aufw"rts' noch mehr zu vervoll-
kommnen. Aber vor allem geht es nun darum, ihn
den vielen jungen Menscden, die ihn noch nkbt
kennen, zu Freund und Helfer zu machen. Ob
auch das gelingt, h"ngt von uns allen, von jedem
einzelnen Kollegen ab.
Mit freundlichem Gruþ Willi Pr¸m
NA     ÷   l     _     tr"gt die Gewerkschaften
unseres Landes In eine bessere Zukunft. Die Ge-
werkschaften und die schaffende Jugend geh–ren
zusammen.
Unsee Gewerkschaftsjugend-Zeitscbrift ,.Aufw"rts
von den schaffenden jungen Menschen selbst ins
Leben gerufen und getragen, ist und wird uns
Immer ein Helfer sein, um die Forderungen der
Gewerkschaftsjugend an die Gesetzgebung und an
die Gesellschaft zu erf¸llen.
Die Jugend2eitschrift ist Freund und Wegbereiter
der Gewerkschaftsjugend.
Ihr ein herzliches Gl¸ckauft       Georg Reuter
i


Go up to Top of Page