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The History Collection

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Hain, Jack / Status of Jewish workers and employers in postwar Germany
(1949)

Zweck der Erhebung,   pp. 1-2 PDF (780.8 KB)


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DIE 9TELLUNG JUEDISCHE ARBEITER UND UIERNEHM
IM NACHXRIEGMDEUTSCHLAND
ZWECK DER ERHEBUNG
Die vorliegende Erhebung ueber juedische Gemeinden in Deutschland,
die sich insbesondere mit den Beschaeftigungsaussichten dieser Gruppe
befasst, wurde im Juni 1949 auf Aufforderung der amerikanischen Mili-
taerregierung, Manpower Division, durcbgefuebrt. Zur Erforschung des
Problems besuchte der Verfasser Berlin, Frankfurt/Main, zuenchen und
kleinere Staedte in der amerikanischen Zone. Er unterhielt sich mit
ansaessigen fuebrenden juedischen Persoenlichkeiten und zahlreichen Mit-
gliedern der juedischen Gemeinden, Vertretern der juedischen Wohlfahrts-
organisationen, der Internationalen Fluechtlingsorganisation (IRO),
Beamten der Militaerregierung und mit Deutschen aller Berufe einschliess-
lich Vertretern der deutschen Arbeiterbewegung.
Die geringe Zahl der juedischen Bevoelkerung duerfte die Frage nach
dem wirklichen Wert der vorliegenden Erhebung rechtfertigen. Die einst-
mals bluehende juedische Gemeinde in Deutschland, die einen so grossen
Beitrag zur deutschen Wirtschaft und Kultur geleistet hat, ist von
ueber 500 00 Personen im Jahre 1933 auf den heutigen Stand von schaetzungs-
weise 20 000 Personen zusemuengeschmolzen. Des ist alles, was in Deutsch-
land von einer Bevoelkerungagruppe, deren Vorfahren jahrhundertelang in
Deutschland ansaessig waren, noch uebriggeblieben ist.
Selbst wenn diese 20 000 Personen in einer einzigen Stadt konzentriert
maeren, wuerden sie bei einer deutschen Gesamtbevoelkerungsziffer von
65 Millionen nur eine verschwindend kleine Gruppe darstellen. Eine der-
artige Konzentrierung hat indessen nicht stattgefunden. Ausserhalb der
juedischen Gemeinde in Berlin mit 7 121 Mitgliedern und der in Muenchen,
die 800 Mitglieder zaehlt, sind die deutsohen Juden in Gruppen von nicht
mehr als 500 Personen ueber das ganze Land zerstreut. In Frankfurt z. B.,
das vor der Nazizeit den Anspruch erhob, die zweitgroesste juedische Ge-
minde in Deutschland zu haben, gibt es heute nur noch ungefaehr 365
deutsche juedische Einwohner.
Wenn die Bemuehungen fuer die Durehfuehrung dieser Erhebung einer
Rechtfertigung beduerften, so liegt diese darin, dass, trotz der geringen
Zahlenmaessigen Bedeutung der deutschen juedischen Gemeinde im gegenwaer-
tigen Augenblick, das Ausmase ibrer Einglieaerung in die deutsche


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