University of Wisconsin Digital Collections
Link to University of Wisconsin Digital Collections
Link to University of Wisconsin Digital Collections
The History Collection

Page View

Aufwärts
Jahrgang 16, Nr. 10 (October 15, 1963)

Käufer, Hugo Ernst
Ein Mädchen mit Pfiff,   p. 19


Page 19

M it diesem Werk zeigen die Amerikaner, 
daß ein guter Film nicht immer teuer sein 
muß. Ganze 150 00 Dollar hat seine Herstel- 
lung gekostet Mit einiger Sicherheit wird er 
ein Vielfaches davon einspielen. Denn Regis- 
seur Ralph Nelson hat aus der etwas phan- 
tastischen Story vom Neger Homer Smith und 
den fünf deutschen Nonnen einen glaubhaften 
und sehr unterhaltsamen Film gewonnen. 
Die Geschichte spielt auf einer verfallenen 
Farm im amerikanischen Südwesten. Homer 
Smith, soeben in Ehren aus der Armee ent- 
lassen und auf einer Autoreise durchs Land, 
wird auf diese Farm verschlagen. Ein Zufall, 
meint Homer. ~Ein Zeichen des Himmels" 
sagen die Frauen, die hier eine neue Heimat 
fanden, denn sie brauchen einen starken Mann 
ins Haus, der die Farm in Ordnung halten 
kann. Homer, der nur kurz Station machen 
wollte, bleibt für viele Wochen. Es ist nicht nur 
die fromme List der Frauen, die ihn hält, es ist 
das unbedingte Gottvertrauen, die große 
Charakterfestigkeit und Güte der Oberin Maria, 
deren Abglanz auf Homers Seele fällt und sie 
verzaubert. Homer bleibt endlich solange, bis 
er den größten Wunsch der fünf, eine eigene 
Kapelle zu besitzen, erfüllt hat. Dann macht er 
sich heimlich aus dem Staube. Die erste 
Messe findet ohne ihn stat, und die Oberin 
sagt allen, die Homer vermissen: <Er ist zwar 
weder ein Mensch unseres Glaubens noch 
unserer Rasse, aber ein Mensch voller Seelen- 
größe und Opferbereitschaft." 
Das ist ein schlichter Film von starker Aus- 
sagekraft geworden, ein erzieherischer Film 
ohne den schulmeisterhaft erhobenen Zeige- 
finger, voller Herzenswärme und Toleranz und 
von einem großen, köstlichen Humor erfüllt. 
Realistisch und ohne optische Finessen ist 
dieser Film gedreht, und doch gewinnt er 
durch seine geschickte Aussparung einen 
herben poetischen Zauber. Viel Unausge- 
sprochenes hat sich zwischen den kargen 
Dialogen versteckt, die Zwischen- und Unter- 
töne werden hier nur erahnt. 
Der Film wird in Originalfassung mit deut- 
schen Untertiteln gezeigt So kommen auch 
wir in den vollen Genuß des Originals, den 
jede noch so gute Synchronisation geschmä- 
lert hatte, so fühlen auch wir die komische 
Spannung, die aus den Sprachchwierig- 
ketten der Nonnen erwachst. 
Er ist - man darf es sagen - ein echter Beitrag 
zum Ideal der Humanit Das alles gelänge 
nicht dem begabtesten Regisseur, hätte er 
nicht die geeigneten Schauspieler zur Hand. 
Dieser Film ist bis in die kleinsten Rollen 
trefflich besetzt. Besonderes Lob aber gebührt 
Sidney Poitier, der den Neger Homer Smith 
mit anmutiger Nonchalance, und natürlichem 
Charme spielt; Sidney Potier, der große, herr- 
lich begabte Menschendarsteller, der von sich 
behauptet: ,Ich bin erfolgreich, weil ich es mir 
einfach nicht leisten kann, ein schlechter 
Schauspieler zu sein. Wenn ich mich bla- 
miere, mache ich gleichzeitig die ganze 
schwarze Rasse lächerlich." 
Hans Plack 
Hugo Ernst Käufer 
Protest des Poeten 
Jean Anoulh, Frankreichs schreibfreudiger 
Bühnendichter, hat jetzt eine wirksame Form 
gefunden, seinen Protest gegen das de-Gaulle- 
Regime kundzutun. Er untersagte die Auffüh- 
rung seiner Stücke an Theatern, die in Staats- 
regie geführt werden. 
Neue Böl-Verfllmung 
Kurz vor Redaktionsschluß erreicht uns die 
Nachricht, daß Heinrich Bölls gerade erst er- 
schienener Roman ~Ansichten eines Clowns" 
schon verfilmt werden soll. Für die Regie ist 
Rolf Hädrich vorgesehen, die Hauptrolle soll 
Hanns Lothar übernehmen. 


Go up to Top of Page