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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 15, Nr. 4 (April 15, 1962)

H. P.
Die unteren Zehntausend,   p. 23


Page 23

der be- 
ahrzehntelang  vermochte  der gebürtige 
izillaner, der schon froh in die USA gekom- 
en und her den for Land und BeMssprte 
pischen Weg vom Schauspieler über den 
otografen, Cutter, Autoren, Gagman und 
egieassistelten zum Regisseur einschlug, 
e Aufmerksamkeit der internationalen Film- 
eit zu erregen, die ihm alsbald rückhaltlose 
ewunderung zollte. 
eine zwar meist humorvollen, aber doch stets 
ozalkritischen Filme, politische und gesell- 
ichaftlche Mißstände aufspürend und sati- 
isch gleichsam  überzeichnend, verrieten 
Ilnen an der unerfreulichen Realtät geschul- 
en Blick und einen scharfen, unbestechlichen 
aeist. Hinter der unkonventionelen, Ideen- 
eichen formalen Gestaltung seiner Werke 
erbarg sich der erfahrene, berechnende Tech- 
niker sowie der experimenterfreudige und doch 
so verantwortungsbewußte Künstler. 
Capras neuester Film indes vermag die Be- 
deutung früherer Werke nicht zu erlangen. 
Einige Mängel - Mängel vom Thematischen 
her - darf der Kritiker nicht anstandslos über- 
gehen. 
Capras sozlalkritIsche Akzente, diesmal in die 
gängige Hülle des modernen Gaunermirchens 
verpackt, kommen einige Nuancen zu tränen- 
feucht und bieder, um wirklich überzeugend zu 
wirken. In der ersten Häfte des Filme wirkt die 
Story allzu verlogen und hanebüchen, in der 
zweiten wird sie zumindest lustig und unter- 
haltsam. 
Szene aus dem preisgekrönten franzli- 
schen Kurzum ,Der Hechzeitsiag" 
Der ungebetene Nachbar 
Eins, zwei, drei 
Verleih United Arists 
Bericht tber die Viii. Westdeutschen Kurzfilmtage in Oberheasen 
S teilen Sie sich folgende Situation vor: Sie 
laden alle Ihre Nachbarn zu einer Party 
ein, alle bis auf einen, mit dem Sie im Streit 
liegen. Die eingeladenen Nachbärn sagen zu, 
doch den einen, nennen wir Ihn Herrn X., 
wurmt das. Er, der Sie tagtäglich beschimpft, 
fühlt sich nun plötzlich übergangen. Und so 
fordert Herr X. Ihre anderen Nachbarn auf, der 
Party fernzubleiben. Einige der Nachbarn, die 
mit Herrn X. im gleichen Gesangverein sind, 
wollen Ihn nicht verärgern und ziehen ihre Zu- 
sagen zurück. 
Was würden Sie nun tun? Die Party ausfallen 
lassen? Die Herren Y. und Z., auf die Sie sich 
ganz besonders gefreut haben, weit sie an- 
genehme Gesellschafter sind, kommen nicht. 
Sehr ärgerlich, aber nicht zu ändern. Die Party 
wird steigen, denn Sie haben alles vorbereitet, 
auch worden Sie Herrn X. einen Gefallen tun, 
wenn die Geselligkeit ins Wasser fiele. Nun 
ja, es wird eben nicht so Interessant, wie Sie 
es sich vorgestellt haben, aber immerhin - 
Immerhin. 
monoketäugigen Grafen von Droste-Schatten- 
burg, vom Politich-Sattrischen her nicht ohne 
Reiz. 
Scha spielerisch durchweg gut besetzt; mit 
einziger Ausnahme Horst Suchhofz, der als 
Piffl allzu dick aufträgt. 
Es wurde viel gelacht. Auch ich habe gelacht, 
frellIcht Doch hätte mir und Wdms Werk m 
manchen Stellen ein Schmunzeln besser 
getan. 
H.P. 
slowakei gern mit ihren Filmen nach Ober- 
hausen gekommen, aber die Funktionäre be- 
fahlen Solidarität, und so wurde der Weg zum 
Nachbarn nicht von allen beschritten. Hoffen 
wir, daß er nur ein Umweg ist, daß wir die 
Filmfreunde aus dem Ostblock Im nächsten 
Jahr wieder in Oberhausen begrüßen könnenl 
Jugloslawien wos einziges, koiumunlstiebe 
Land ließ sich den Weg nicht versperren. 
Jugoslawien, das uns Jahr fOr Jahr mit seinen 
vorzüglichen Kurzfimen  berraschte. Auch 
diesmal qualifizierten sich die jugoslawischen 
Filme wieder, mit den französischen und ameri- 
kanischen gehörten sie zur Spitzenklasse. be- 
kamen Preis und Anerkennung. 
Die Niederlande stellten unter anderen einen 
besonders guten Film vor: <Das Haus" von 
Louls van Gesteren. Ein Haus, gebaut vor der 
Jahrhundertwende, wird heute abgebrochen. 
Durch bezehungsvolle Rückblenden wird die 
Geschichte des Hauses und seiner einstigen 
Bewohner sichtbar gemacht: Wir sehen das 
juame Par. das das neue Haus beiezt sehen. 
wie das einzige Kind geboren wird, sehen den 
Tod der Mutter, später den Tod des Vaters, 
den Tod des Schwiegersohns, der von deut- 
schen Oklkupanten erschossen wird. Alle 
diese Episoden folgen sich nicht chronolo- 
gisch, sie sind vielmehr auf reizvolle Weise 
gemischt; stumm, pantomimisch das Spiel 
Bunt war auch in diesem Jahr das Film- 
angebot, vielseitig und anregend. Es ist un- 
möglich, den vielen guten Leistungen gerecht 
zu werden. Argentinien, Belgien, Brasilien, 
Dänemark, England, Italien, Finnland, Japan, 
Kanada, Spanien, all diese Länder schickten 
ihre besten Kurzfllme nach Oberhausen, eine 
internationale Revue der ideen und Gestaltun- 
gen, BrOcken zum VerstMdnis dieser Völker, 
Deutungen, Anklagen, Offenbarungen, Rich- 
tungen, facettenreich wie diese Welt nun mal 
ist, diese ebenso schöne wie Interessante 
Weilt 
PhlOlpp Wiebe 


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