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Jahrgang 15, Nr. 4 (April 15, 1962)

W.
Liebe geht durch den Laden,   p. 22


Page 22

Liebe geht durch den Laden 
W ie bekomme ich einen Mann? Dieses 
Problem heiratslustiger Mädchen hat 
soeben eine neue und überraschende Antwort 
gefunden. 
Ober längere Zeit angestellte statistische Un- 
tersuchungen bei einer Anzahl großstädtischer 
Standesämter ergaben, daß niemand so 
schnell heiratet wie die Verkäuferin. Beinahe 
jede zweite berufstätige Braut, die im Jahre 
1961 unter die Haube kam, stand hinter dem 
Ladentisch. Mit einem Anteil von über 40 v. H. 
rangierten die Geschäftsdamen weit vor jeder 
anderen Tätigkeitl 
Und nicht nur das. Auch im Verhältnis zur 
Zahl der Tätigen kann sich nur noch die 
Stewardeß mit der Verkäuferin messen. Wei- 
tere Umfragen ergaben, daß viele Berufs- 
angehörige sogenannte ~gute Partien" ma- 
chen. Während es beispielsweise bei den 
Büroangestellten *verhältnismäßig selten vor- 
kommt, daß der Chef die Stenotypistin heiratet, 
wählen Einzelhandelskaufleute vielfach mit Be- 
dacht eine verkaufstüchtige Kraft aus der 
Branche zur Lebensgefährtin. 
Bei solchen Berufaheiraten sind die Gründe 
leicht verständlich. Warum aber darüber hin- 
aus die Ehechancen der Verkäuferin gegenüber 
Vorkriegszeiten als verdoppelt gelten können, 
bedarf der Erklärung. Insbesondere, da dieser 
Zug der Zeit laut Statistik von Jahr zu Jahr 
deutlicher wird. So daß bereits manche Firmen 
besonders hübsche Verkäuferinnen nur un- 
gern einstellen. <Da ist jede aufgewandte 
Mühe vertan", sagen sie, ,zu gut aussehendes 
Personal wird weggeheirotet, bevor wir damit 
warm werden und es eingearbeitet haben l" 
Tatsächlich gibt es kaum eine ähnliche Mög- 
lichkeit, in kurzerZeit so viele Mädchen zu tref- 
fen, ins Gespräch zu ziehen und zwanglos 
~besichtigen" zu dürfen, wie hinter dem L- 
dentisch. Und dazu noch junge Damen, die es 
alle gelernt haben, sich vorteilhaft zu geben 
und ihrer Umgebung ein freundliches Gesicht 
zu zeigen 1 
Schließlich sind ja die Eigenschaften der 
idealen Verkäuferin, wie Höflichkeit, Anpas- 
sungswille und das Eingehen auf fremde 
Wünsche, auch die Tugenden einer guten 
Gattin. Ähnlich wie im Urlaub, zeigt sich die 
Frau Im Laden stets nur von Ihrer besten Seite. 
Immer lächelnd, immer gepflegt, immer gut 
frisiert und sorgfältig gekleidet beweist sie dem 
Manne, daß Ihr der Alltag nichts anhaben 
kann. 
Nicht zuletzt spielt auch die Gewöhnung an 
ein angenehmes Gesicht eine erhebliche Rolle. 
Viele Kunden besuchen einen bestimmten La- 
den ja nur der guten Bedienung halber. Kein 
Wunder, daß sich manchmal aus der Sympathie 
zum gewohnten Vis-ä-vis hinter der Theke 
auch freundschaftliche Privatgefühle ent- 
wickeln. 
Und wie gut hat es im Laden die Liebe auf den 
ersten Blick. Der Mann, der sich plötzlich vom 
Anblick einer Frau fasziniert fühlt, braucht 
nicht zu rätseln, wie er sie wiedersehen 
könnte. Er kauft eine Kleinigkeit, und schon 
steht er der Angebeteten wieder gegenüber I 
Sogar eine Erklärung darf er sich sparen. Sein 
täglicher Einkauf beim immer gleichen <Fräu- 
lein" verrät ihn schnell. Obwohl jeder Kunde 
König ist, hat doch auch die Höflichkeit Abstu- 
fungen, die ihn über seine Chancen informie- 
ren. 
In einer Zeit, welche die reduzierten Möglich- 
keiten der Partnerwahl für viele junge Leute be- 
klagt, haben sich hunderttausende Paare über 
den Ladentisch gefunden. Gelegenheit schafft 
Liebe - wo sich täglich so zahlreiche heirats- 
lustige Männer und so viele gutaussehende 
und liebenswürdige junge Frauen begegnen, 
kann sie nicht ausbleiben 1 


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