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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 8, Nr. 7 (March 31, 1955)

Thomas
Kulturbringer oder Unterdrücker? Der weiße Mann,   p. 8


Page 8

hübsche doch etwas verschlafene Kleinstadt am nord- 
westlichen Ausläufer des Plöner Sees sein. Nichts gegen 
das Städtchen Tabarka in Tunesien - aber nach Karten 
und Lexikon zu urteilen muß es eine zwar romantische, 
doch etwas verschlafene Kleinstadt am Mittelmeer sein. 
Von Preetz in Holstein nach Tabarka in Tunesien hat es 
unseren Freund Walter Schöning verschlagen. Von Klein- 
stadt zu Kleinstadt. Aber dazwischen liegt nicht nur ein 
Weg vonietlichen tausend Kilometern. Dazwischen liegt 
für Walter gewiß ein Weg, der mit Erfahrungen, Erkennt- 
nissen, Sorgen, Qualen und vielleicht auch mit einigen 
guten Stunden gepflastert ist. Walter gehört zur fran- 
zösischen Fremdenlegion, hat es schon bis zum Korporal 
gebracht. Am 13. März, einem Sonntag, hat er sich hin- 
gesetzt und uns einen langen Brief geschrieben. Als dieser 
Brief am 21. März bei mir ankam, brachte der Postbote 
zugleich noch einen anderen aus Berlin-Wannsee. Aber 
ich möchte euch zunächst aus Walters Brief einige wich- 
tige Absätze vorlesen: 
schaftliche Aufgabe, In dieser Situation unter deinen 23 
jungen Kollegen wenigstens ein paar für den »Aufwärts«
und damit ja auch für deine eigene Auffassung zu ge- 
winnen?» - Wollt Ihr mir einen Gefallen tun? Wollt Ihr 
mir nicht schreiben, warum der Freund neben Euch den 
.Aufwärts" nöch nicht liest? In vierzehn Tagen sprechen 
wir uns wiederl 
Freundliche Grüße, Thomas 
Aus Mannheim schreibt uns Rosel Kunze: <Ich möchte 
so gern Mannequin werden. Kannst Du mir nicht einmal 
schreiben, wie man das anstellen muß?« 
Mache ich gar nicht gern, Rosel. Nicht, daß ich was gegen 
Mannequins hätte. Ich flrchte nur, daß Du Dir Illusionen 
machst, was die Aussichten für ein einfaches Mädchen 
in diesem Beruf betrifft. Beraten kann Dich in dieser Sache 
eigentlich nur ein ernsthafter Mensch, der Dich gut kennt. 
Nur. er könnte beurteilen, ob Dein Wunsch ernst zu 
nehmen Ist. Unabhängig davon kann ich Dir sagen, daß 
es wohl am reellsten ist, wenn ein junges Mädchen 
zunächst eine Lehre im Modefach mitmachen würde, 
bevor es daran denkt, Mannequin zu werden. Wie wäre 
es mit Schneiderin oder Putzmacherin? Wenn es dann mit 
dem Mannequin nicht klappt, hängst Du nicht in der Luft, 
klappt es aber doch, dann bist Du besonders sachkundig. 
Du könntest natürlich auch eine der neuen Mannequin- 
schulen besuchen, die sich in vielen Großstädten auf- 
getan haben. Aber das kostet viel Geld. Und da eine 
solche Ausbildung viel Geld kostet, bist Du nie-sicher, 
ob sie Dich auf der Schule wirklich angenommen haben, 
weil Du Talent zum Mannequin hast... 
LUimNr Lusrl 
Nora Kalweit, Hamburg, schreibt uns zum Thema .Be- 
triebsfeier" in Nr. 5 und Nr. 6 (1955): 
,.dic bin. wie auuh Frau Hilde G. aus InnlstadL nicht 
Kon uc i  u lleinejulLc *e ealflCKaufl. lazur s*. 
er 55 Piaster (10 Piaster etwa 1 DM) bezahlen. Das Ist 
viel zu teuer. Er schickt eine Annamitin in den Laden. Die 
braucht als Asiatin nur 32 Piaster zu bezahlen. Wo wir auf 
der Rückfahrt von Indochina auch anlegten und etwas 
kauften, in Singapur, Aden, Sues, Port Said, sahen wir 
uns betrogen. Hier werden Araber in europäischen Schulen 
ausgebildet - auf daß sie Europäer nachher von hinten 
und vorn betrügen. Seit wir hier In Tabarka liegen, sind 
alle Preise mindestens um 25 v. H. gestiegen. Also, wenn 
ich etwas zu Eurem Plan sagen darf: »Nein«. Du bildest 
die Leute auf Deine Kosten aus, auf daß sie deinesgleichen 
einmal in ihrer Heimat betrügen.» 
Soweit die wichtigsten Teile aus Walters Brief. Ehe ich 
ein paar Worte dazu sage, möchte ich nun ein paar 
Absätze aus jenem Brief bringen, der zur gleichen Zeit 
aus Berlin-Wannsee bei mir eingetroffen istr Er stammt 
von Willy Huhn, einem Dozenten, der, wie er schreibt, 
auch in der Gewerkschaftsjugend tätig ist: 
.,Nichts hat neben Eurem Kampf gegen die Wieder- 
aufrüstung unseres gespaltenen Landes so sehr meine 
Zustimmung gefunden wie der Vorschlag, einem jungen 
Menschen aus kolonialem Gebiet eine technische oder 
wissenschaftliche Ausbildung zu verschaffen. Das ist auch 
meine Ansicht: »Unterentwickelte Länder brauchen jeden 
Mann mit Fachbildung wie das liebe Brot, um voran- 
Ich wollte euch nur zeigen, daß die Diskussion um unseren 
Plan - der übrigens materiell noch keineswegs gesichert 
ist - ins Grundsätzliche geraten ist. Das habe ich nicht 
beabsichtigt. Aber da es so gekommen ist, müssen wir 
uns auch mit diesen Fragen auseinandersetzen. Also 
schlage ich euch vor, diese beiden Briefe als Diskussions- 
grundlage zu benutzen. Jetzt solltet ihr Stellung nehmen! 
Was meine eigene Meinung. betrifft, so dürfte sie euch 
kein Geheimnis sein. Ich betone noch einmal, daß ich 
Walter Schönings Beispiele keineswegs für erfunden 
halte. Nur glaube ich, er zieht völlig falsche Schluß- 
folgerungen aus seinen Erlebnissen. Die Sicht des Fremden- 
legionärs scheint mir eben nicht geeignet, unterdrückte 
Völker richtig zu beurteilen. 
Aber schreibt mir bitte erst einmal, was ihr von beiden 
Briefen haltet. Dann werden wir weitersehen. Und um 
unser Bild abzurunden, werde ich anschließend einen 
jungen arabischen Freund bitten, im AUFWÄRTS zu der 
gesamten Frage Stellung zu nehmen. 
Thomas 
B    Warren's Besuch 
Fortsetzung von Seite 6 
Tag vernichten kann. Er betonte, daß es Unsinn sei, Luft- 
schutzkeller gegen diese Bomben zu bauen, da sie Im 
Falle einer Explosion einfach keinen Schutz böten.<Das 
ist eine törichte Illusion", sagte er,<dazu angetan, die 
Wirkung der Bomben zu bagatellisieren.» 
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i denen Frauen beschäftigt sein 
männlichen, verheirateten Kol- 
edigen Frauen ist. Begint nun 
elbstverständlich die männlichen 
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eit sich nicht zwei zusammen- 
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Bill sagte: <Es gibt nur eine einzige Möglichkeit, den 
Frieden zu erhalten: Verhandlungen, Verhandlungen und 
nochmal Verhandlungen. Ein internationales Verbot der 
Atombombe ist eine Farce. Falls wirklich ein Krieg aus- 
bricht zwischen der westlichen und östlichen Welt, wird 
er in eurem Land entschieden werden, und zwar durch 
Atom- und Wasserstoffbomben. Kein Militär, so es unter- 
legen ist, wird auf diese Bomben verzichten.» 
,Wozu also ein Heer?« fragte Günter. 
,Ja, wozu?« sagte Bill. <Es ist sinnlos, völlig sinnlos...
Als Karola das Zimmer lüften wollte, sah sie, daß sich der 
Himmel inzwischen erhellt hatte. 
.Hat es noch Sinn zu schlafen?' fragte sie. 
.Viel sogar', sagte Günter. «Du gehst nämlich heute nicht
ins Büro.« 
.Nein«, stimmte Bill zu, <ich werde sie entschuldigen. 
Werde einfach sagen, ich sei ihr Onkel.« 
.Aus Amerika', sagte Günter. 
.Herrlich», rief Karola, <dann werlen wir jetzt schlafen.«
.Und dann miete ich ein Auto, und wir fahren an den 
Rhein», sagte Bill. 
Kurz vor Mittag fuhren sie los. Bill steuerte den Wagen 
zu jener Stelle des Rheins, an der er vor zehn Jahren 
übergesetzt war. 
,Hier - hier landete mein Sturmboot', sagte er leise. 
«Ich werde jenen entsetzlichen Tag nicht vergessen.' 
Und dann erzählte er von diesen vergangenen Tagen, die 
so mit Grauen und Tod angefüllt waren. Karola und 
Günter merkten, daß seine Worte manchmal versagten, 
um den Haß auf den Krieg auszudrücken. Auch sie spürten 
diesen heilsamen Haß, der alle Menschen der Erde ver- 
binden sollte und ohne den ein Frieden nicht denkbar ist. 
.Es ist wichtig, diesen Haß in allen Menschen zu schüren. 
Er muß eine lodernde Flamme sein, die jeglichen Ge- 
danken an den Krieg verbrennt', sagte Bill Warten und 
blies den Rauch seiner Zigarette gedankenvollgegen den 
Rhein... 
Schluß 
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