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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 8, Nr. 15 (July 21, 1955)

Hirsch, Kurt
Lustig ist das Grenzjägerleben,   p. 4


Page 4

In den Bunker 
,Beodere FOrsorge" für einen jungn Klmpfer des 17. Juni -  Reportage
von Udo Höff.nnn 
,dete und vom nordrhein- 
isterpräsidenten  Arnold 
pangen wurde. 
Nach Bonn hatte man den indischen Premier 
enbar aus Furcht vor neutralistischer An- 
ckung nicht eingeladen. 
Der BHE, die vierte Koalitions- 
partei des Kanzlers, befindet 
sich nach dem Austritt seiner beiden Minister 
Kraft und Oberländer sowie weiterer neun 
Abgeordneter in voller Auflösung. Die BHE- 
Partei, die sich später in .Gesamtdeutscher 
Block" umbenannte, war unter dem Flücht- 
lingsetikett von Waldemar Kraft gegründet 
worden, hatte sich jedoch vielerorts zu einem 
reinen Sammelbecken nazistischer und weit 
rechts stehender Elemente entwickelt. Die 
Gunst der Wahlerithmetik hatte den BHE im 
Bund und in mehreren Lindern in eine parla- 
mentarische Schlüsselstellung gebracht, die 
jedoch nicht das fehlende politische Funda- 
ment ersetzen konnte. 
- Politisches Geschäft ohne geistige Uber- 
zeugung ist eben doch keine Basis für eine 
politische Partei. 
Die Arbeitsgemeinschaft christ- 
lich - sozialer Gewerkschafte'r 
im DGB hat sich auf einer Tagung in Dort- 
mund gegen die Gründung christlicher Ge- 
werkschaften ausgesprochen. Dies sei auch die 
Meinung der Katholischen Arbeiter-Bewegung, 
von deren 5000 Mitgliedern sich nur 900 für 
christliche- Gewerkschaften einsetzten. Statt 
dessen solle versucht werden, die Einheits- 
gewerkschaft zu reformieren, was bisher trotz 
gegenteiliger Versicherungen noch gar nicht 
geschehen sei. Sodann wandte sich die Arbeits- 
gemeinschaft gegen den Anspruch des CDU- 
Abgeordneten   Winkelheide,  verbindlicher 
Sprecher der christlich-sozialen Gewerkschafter 
zu sein. 
- Womit gewissen Herren ja nun eine ein- 
deutige Antwort erteilt sein dürfte! 
Während die aus Liberalen 
und  Sozialisten  bestehende 
Regierung Belgiens die Einführung der 40- 
Stunden-Woche grundsätzlich beschloß, erklärte 
Professor Erhard, im Augenblick reiche nicht 
einmal die 48-Stunden-Woche aus, um unseren 
Bedürfnissen zu genügen..Die Verwirklichung 
der 40-Stunden-Woche wäre wirtschaftlicher 
Selbstmord', meinte der um unser wirt- 
schaftliches Wohl so sehr besorgte Professor. 
-  Andere Länder, andere Sittenl" kann man 
da nur sagen. 
Der Landtag von Nordrhein- 
aUWestfalen befaßte sich in sei- 
ner letzten Sitzung vor den Ferien mit dem 
Fall der Professorin an der Pädagogischen 
Akademie Bonn, Dr. Klara-Maria Faßbinder, 
die auf Grund von Anschuldigungen des Ge- 
samtdeutschen Ministeriums und Verleumdun- 
gen eines aus der Sowjetzone geflüchteten 
Betrügers ihrer Xmter enthoben .. en Aar. 
Aufstandes gedachte, schrieb die Mutter einen 
Brief an den DGB. Ob es aber, so schrieb sie, 
nicht ebenso wichtig sei, geflüchtete Teil- 
nehmer des Aufstands wieder in menschliche 
Lebensbedingungen zu bringen? Mutter und 
Sohn landeten nämlich in einem Bunker. 
wäre seine Lehrzeit beendet gewesen. Hier 
im Westen aber wollte man seine zwei Lehr- 
jahre nicht anrechnen. Da er auch nicht noch 
einmal von vorn anfangen konnte, fand er 
keine Lehrstelle. So muß er also als Hilfs- 
arbeiter gehen und In einem Bunker hausen. 
~ll~i~Zd~ 
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reRzrngerlebeR 
Die   meinungsbildenden  Manager   wären 
schlechte Propagandisten, wenn sie sich nicht 
des Films bedienen würden, denn in den 
108 000 Kinos mit 56 Millionen Plätzen, die 
es in der Welt gibt, werden jährlich' den elf 
Milliarden Besuchern 1700 neue Filme gezeigt. 
Auch in der Bundesrepublik ufat es schon 
wieder, und die Heimatglocken schwingen- 
einigen wie von seiten der Produktion ver' 
sidiert wird, <saftigen antikommnist'ichen 
Szenen. 
Diese unvollständige Liste wird durch den 
vor kurzem von der Münchner Ariston-Filn- 
gesellschaft fertiggestellten Kurzfilm Schön 
ist das Gren'zjägerleben" ergänzt. Dieser die 
Wehrkraft fördernde militärpolitische Kultur- 
vor. Nur die Luft wird wohl im Gefängnis 
besser sein." Mutter und Sohn machen sich 
Gedanken, ob es nicht ein Mißverhältnis ist, 
wenn der Opfer des 17. Juni feierlich gedacht 
wird, während man geflüchtete Teilnehmer am 
Aufstand in Bunkern vergißt. 
im allgemeinen Propaganda gemacht wird. 
Und deshalb sollte auch an andere nette Kim- 
der, Mädchen und Frauen erinnert werden, 
die vielleicht auch eben Soldaten das Mittag- 
essen serviert haben, als vor zehn Jahren die 
erste Atombombe abgeworfen wurde. Einige 
von ihnen wurden vor kurzem nach den USA 
gebracht, um durch kosmetische Operationen 
ihre verunstalteten Gesichter verschönt zu 
bekommen. Aber andere nette japanische 
Mädchen hatten nach dem Abwurf der Atom- 
bombe auf Grund der radioaktiven Einwir- 
kungen Kinder zur Welt gebracht; deren Ner- 
vensystem oder Knochenbau degeneriert war 
oder die mit mißgestalteten Lippen und Zun- 
gen oder mit Wolfsrachen das Licht einer 
atomverseuchtet Welt erblickten. - Erblick- 
ten, soweit sie überhaupt sehen konnten, denn 
einige von den Babys kamen ohne Augen, ja 
sogar ohne Augenhöhlen zur Welt. 
In einer Meldung zu diesem Film heißt es: 
.Das Mittagessen wird von netten Mädchen 
serviert, und als beim Unterricht ein Vorge- 
setzter auf seine Uhr sieht und merkt, daß er 
die Zeit überschritten hat, entschuld;qt er sich 
bei den Grenzjägern." 
Nichts gegen den Grenschut, soweit er an 
li-   der Grenze steht; nichts gen den, sich bei 
hi:    der Mannschaft entschuldigenden Offizier; und 
ler    schon gar nichts haben wir gegen nette  das 
ill    Mittagessen servierende Mädchen" eineuwen- 
je-    den,. Doch kann man elch bei der Vorankün- 
Im     digung für diesen Film nicht des Eindruckes 
ne    erwehren, daß hier nicht nur für das.Grenz- 
nit   jägerleben", sondern für das Kasernenleben 
Bei anderen' dieser netten Frauen die lebend 
verbrannten, hing in großen Streifen <die 
Haut lose herunter', und ihre Gesichter waren 
<mit schwarzen Blasen" verbrannt und der 
ganze <Körper mit roten Flecken übersät». 
Des weiteren gab es Mädchen und Frauen, 
die nach einem schrecklichen Durchfall star- 
ben und die vor dem Sterben  dunkeIrote 
Stücke ausspuckten', bis sie erstickt waren, 
deren <Gesichter zu einer einzigen Blase an- 
geschwollen" waren und die <am Hals und an 
der Brust furchtbare Brandwunden" aufwiesen. 
Vielleicht wäre es gut und lehrreich, wem 
die Produzenten und Beauftragten solcher 
beschaulicher Kurzfilme auch das Ende der 
Mädchen und Frauen von Hiroshima und 
Nagasaki im Filnstreifen festhalten würden, 
allerdings könnte ein solcher Dokumentar- 
film dem Film- und Kriegsgeschäft schaden. 
Kurt Hirsch 
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