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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 8, Nr. 15 (July 21, 1955)

An den 'Aufwärts',   p. 2


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Blickpunkte * * 
Die dritte Strophe 
Es war rein zufällig, daß ich am Mittwoch- 
abend die Sendung .Wer gewinnt» des NWDR 
anhörte. Es handelte sich um ein Stdte-Quiz 
Oldenburg-Sachsenhausen, das direkt vom 
Band gesendet wurde. Dabei wurden einige 
Teilnehmer nach der dritten Strophe des 
Deutsdlandliedes gefragt. Drei konnten sie 
nicht nennen, worauf im Saal dröhnendes 
Gelchter anhob. Der vierte   konnte sie 
schließlich nennen. Der Leiter der Sendung 
war der Conförencier Hans-Joachim Kulen- 
kampff, gegen den Oberstaatsanwalt Dr. Gerd 
Hiete aus Braunschweig sich nunmehr be- 
sdwerdeführend an Bundespräsident Heuss 
und an Generaldirektor Grimme vom NWDR 
gewandt hat, weil er glaubt, daß in dieser 
Sendung das Deutschlandlied verunglimpft 
wurde. 
nung Ausdruck gibt, daß diese Politik anhal- 
ten möge. Es soll in diesen wenigen Zeilen 
nicht untersucht werden, ob diese Politik aus 
innerer Schwäche geschieht oder ob es, wie 
die bodenlosen Pessimisten annehmen, nur 
ein neuer Trick ist, um auf anderem Wege 
zur Weitrevolution zu kommen. Ich bin der 
Ansicht, daß weder das eine noch das andere 
der Grund ist, sondern die Kenntnis von der 
verderbenbringenden Auswirkung eines even- 
tuellen Atomkrieges weitgehend die Wand- 
lung bewirkt, eine Wandlung, die sich ja auch 
in der amerikanischen Außenpolitik in stei- 
gendem Maße bemerkbar macht, 
Im Zuge dieser Entspannung haben sich auch 
die Tore Rußlands ein wenig geöffnet. Wir 
gestehen, daß wir uns darüber freuen, ohne 
daß wir deshalb Kommunisten werden oder 
verkennen, daß Rußland nach wie vor ein 
diktatorisch regiertes Land Ist. In letzter Zeit 
Werner Hansen 
50 ko alt 
listen in der Emigration nach Australien ge- 
schafft, wo er etwa ein Jahr verbleiben mußte, 
bevor die Englnder erkannten, daß die deut- 
schen Gewerkschaften und Sozialisten keine 
andere politische Hoffnung hatten als die Be- 
endigung des Krieges und die Beseitigung des 
Hitler-Regimes. 
Als einer der ersten 1945 nach Deutschland 
zurückgekehrt, beteiligte sich Werner Hansen 
an der Ausarbeitung der Grundsätze, nach 
denen die neue Gewerkschaftsbewegung später 
gebildet wurde. Bereits im März 1945 bereitete 
er im linksrheinischen Gebiet, zusammen mit 
Hans Böckler und dem Siebener-Ausschuß, die 
Neugründung der Gewerkschaften vor. Nach 
vollzogenem Aufbau der Gewerkschaften im 
Rheinland wurde Werner Hansen mit derLei- 
tung des gewerk.sdaftliden Zonensekretariats 
für die britische Zone in Bielefeld betraut, mit 
der Aufgabe, die organisatorische Vorberei- 
tung für den Zusammenschluß der Gewerk- 
schaften der britischen Zone durdizuführen. Es 
war ein Auftrag, den Werner Hansen von Hans 
Bödkler bekommen hatte, der ihn für sich nach 
Bielefeld delegierte. 
Nach dem Gr1ndungskongreß der deutschen 
Gewerkschaften  l94    übernahm   Werner 
Hansen als Nachfolger von Hans Böckler die 
Leitung des Bezirks Nordrhein-Westfalen. 


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