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Aufwärts
Jahrgang 8, Nr. 25/26 (December 8, 1955)

Kaufmann, Herbert
Begegnung mit afrikanischer Jugend,   p. 7


Page 7

adolsees 
Schulen, 
des Pf 
rsehr 
tennal 
idertums In Zentral- 
e Jungen und Mld- 
e Entdeckung einer 
Inschaft gebracht, als 
er Sippe üblich war. 
irl .Kameradshaft' 
ad die Verpflichtung, 
t zu verrichten, ver- 
im Denken (oben). 
halt,   Ich denke da an einen ganz jungen Mann, 
der     einen  eben ausgebildeten  Landwirtschafts- 
1 vor   lehrer im nördlichen Togo, im Dorfe Pessidd. 
daran denken,daßa ich ja bei allen Kreuz-ulla- 
Quer-Fahrten in Afrika keine spielenden Kin- 
der gesehen hatte (es sei denn, daß Weiße 
Spiele und Spielzeug eingeführt hattenl), wohl 
aber tanzende... 
Bei uns in Deutschland würden sich die Jun- 
gen  wahrscheinlich  lächerlich  vorkommen, 
wenn sie tanzen sollten. In Afrika ist ein 
guter Tänzer der Führer seiner kleinen 
Gruppe, wird von den Erwachsenen geliebt 
und angefeuert. In den Bandadörfern am 
Schari in Französisch-Äquatorialafrika sah 
ich Dreijährige stundenlang in den Stampf- 
tänzen mitziehen. Die jungen Mädchen in 
den Yakomasiedlungen am Ubangi sind lei- 
denschaftliche Tänzerinnen mit einer langen 
Tradition und Schulung in diesen Ubungen. 
Tanz gehört zum Leben wie Wasser und 
Palmöl und frisches Fleisch. Bei den Watussi 
in Ruanda wird keiner als ein Mann respek- 
tiert, der nicht schon als Junge seine Meister- 
schaft im Tanz - wohl den herrlichsten Tän- 
zen Afrikas! - bewiesen hat. 
höchstens ein Viertel 
e gehen. Erst seit die- 
AVestnigeria alle Kinder 
b.ha  öfter dem Schul- 
vid,t *** IIhin einer  tFWsVS* 
Man stelle sich vor, unsere 
rnten Rechnen in der Haussa- 
jan verlangte von ihnen die 
gen wie üblichl Daß mit dem 
;r Schule auch die Lebens- 
angsam geändert werden, liegt 
Er sollte dort das Konturenpflügen einführen 
und die künstliche Düngung. Er kam aus der 
Stadt Lornd, hatte ein gutes Zuhause gehabt, 
ein Steinhaus mit vielen europäisch möblier- 
ten Zimmern, er war gut gekleidet, sprach 
.fließend Französisch und ein wenig Englisch. 
Der Dorfhäuptling von Pessidd hatte ihm eine 
Hütte angewiesen. Es gab kein Bett darin. 
Er schlief in seiner Decke auf dem Boden. Er 
bekam nur Kassawawurzeln zum Essen, das 
er sich selbst bereiten mußte. Die Dörfler 
widersetzten sich durch passiven Widerstand 
der Einführung des Konturenpflügens, sie ver- 
weigerten die Kunstdüngung. Sie begriffen 
nicht, warum man mehr erzeugen sollte, als 
man selbst verbrauchen konnte. Sie störten 
sich daran, daß der junge Mann Christ war, 
während sie selbst einem animistischen Frucht- 
barkeitskult huldigten. Kurz und gut, er war 
da, wie man sagt, auf verlorenem Posten. Ich 
habe ihn längere Zeit in seinem Umgang mit 
den widerspenstigen Bauern beobachtet. Ich 
habe ihn nie schreien gehört. Er war immer 
gleichbleibend freundlich, ja fröhlich, vor 
allem aber eifrig. Er sprach bei jeder Gele- 
genheit mit ihnen über die Vorteile seiner 
Anbaumethode. Er beklagte sich nicht über 
seine schlechte Unterbringung. Er tanzte mit 
in ihren Tänzen und saß abends an ihren 
Feuern. Einmal sagte ich zu ihm, als man 
gerade wieder einmal seine Ratschläge sabo- 
tiert hatte: .Ich bewundere Ihre Geduld:» Er 
lächelte verlegen und erwiderte Mein Vater 
.hat drei Frauen, und wir waren zu vierzehn 
Kindern. Ich habe von ihm gelernt, sehr viel 
Geduld zu haben, und vom Umgang mit mei- 
nen Geschwistern, daß ein neuer Gedanke Zeit 
braucht, bis man sich ihm unterwirft. Ich habe 
meinen Geschwistern nämlidi beigebracht, mit 
Messer und Gabel zu essen, fügte er hinzu. 
der schön 
Begegnungen mit afrika- 
te ich auf einem Lehrer- 
der Westgrenze Kame- 
inner dort kamen aus ver- 
en, sprachen ein Dutzend 
hen, und ich hatte sie 
ier Art kurzer Gespräche 
1 Gebräuche Beispiele für 
onband zu sprechen. Das 
. Sie gaben mir nicht nur 
reiche Berichte über ihre 
bersetzten  anschließend 
europäische Sprache. Sie 
agen über Europa. Sie 
verbildeten Natürlichkeit 
Ichkeit, wie wir sie nur 
auch von einem empfind- 
sein, das so typisch ist 
erwachende Völker. 
äll - 
on Herbert Kaufmann 


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