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Jahrgang 8, Nr. 9 (April 28, 1955)

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ul des Deutschen Gewerkschaftsbundes 
1. Mai 1955 
(4V 
7 
Am 1. Mai halten die neuen deutschen Gewerkschaften 
Rückschau auf das erste Jahrzehnt ihrer Arbeiten und 
ihrer Erfolge. In hartem Ringen wurde vieles erreicht. 
Die weitere gute Entwicklung der Neuordnung der Wirt- 
schaft, der sozialen Sicherheit und die Festigung des demo- 
kratischen Lebens bleiben aber auch fernerhin das unab- 
dingbare Ziel unserer Arbeit. 
Aus den Erfahrungen dieses Jahrzehnts haben der 
Deutsche Gewerkschaftsbund und die in ihm vereinten 
Gewerkschaften für die nächsten Jahre ein Aktions- 
Programm geschaffen, das folgende Forderungen aufstellt: 
1. kürzere Arbeitszeit, 
2. höhere Löhne und Gehälter, 
3. größere soziale Sicherheit, 
4. gesicherte Mitbestimmung, 
5. verbesserter Arbeitsschutz. 
Arbeiter, Angestellte und Beamte, Männer und Frauen, 
haben durch ihre beispiellosen Leistungen in der privaten 
und öffentlichen Wirtschaft, im Handel, im Handwerk und 
in der Industrie, in den Betrieben und Verwaltungen ein 
in der Geschichte unseres Volkes einmaliges Werk des 
Aufbaues vollbracht. Bis zur Stunde ist ihnen der gebüh- 
rende Anteil an diesem Aufbauwerk noch nicht zuteil 
geworden. 
Mit der Attfstellung dieser Forderungen verbindet der 
Deutsche Gewerkschaftsbund den Ruf an alle Arbeiter, 
Angestellten und Beamten, sich in und mit den Gewerk- 
schaften für die alsbaldige Erfüllung der Forderungen ein- 
zusetzen. 
Die im DGB vereinten Gewerkschaften sind gewillt, ihre 
ganze Kraft auf die Durchsetzung dieser Forderungen zu 
konzentrieren. 
In den zurückliegenden Jahren haben die Gewerkschaften 
um jeden Pfennig Lohnerhöhung und um Jede Mark Ge- 
haltserhöhung einen schweren Kampf mit den Arbeit- 
gebern führen müssen. Jede, auch die kleinste Verbesse- 
rung des Lebensstandards mußte den Unternehmern in 
hartem Kampf abgerungen werden. 
Bis zur Stunde sind weite Kreise der Arbeitgeber nicht 
bereit, die von den Gewerkschaften erhobene Forderung 
auf Verkürzung der Arbeitszeit zu erfüllen. 
Unser Ruf nach größerer sozialer Sicherheit und nach 
einer Reform der Sozialversicherung ist bisher ungehört 
verhllt 
Starke Kräfte sind am Werk, die Immer noch ungenügende 
Mitbestimmung der Arbeiter, Angestellten, Beamten und 
ihrer Gewerkschaften einzuschränken oder zu beseitigen. 
Die Erfüllung der von den Gewerkschaften aufgestellten 
Forderungen ist bei gutem Willen der privaten und öffent- 
lichen Arbeitgeber möglich. Sie ist notwendig, wenn die 
Arbeitnehmer und ihre Familien in Zufriedenheit und 
sozialer Sicherheit leben sollen. Sie ist notwendig, wenn 
unsere Demokratie Bestand haben soll. 
Zehn Jahre nach Beendigung des Weltkrieges ist unser 
Land und unser Volk immer noch in mehrere Teile 
getrennt. Aus dieser Spaltung ergeben sich für die Men- 
schen in der sowjetisch besetzten Zone, aber auch in 
der Bundesrepublik schwere seelische, soziale und wirt- 
schaftliche Belastungen. Wir erheben an diesem 1. Mal 
mit allem Nachdruck erneut unsere Stimme und fordern 
die Wiedervereinigung unseres Landes. Die Wieder- 
vereinigung ist die Voraussetzung für ein beständiges 
Werk des Friedens. 
Ungeachtet der Ratifikation der Pariser Verträge muß die 
Wiedervereinigung Deutschlands auf dem Wege der Ver- 
ständigung oberstes Ziel sein und bleiben. 
Die Erfahrungen langer Jahrzehnte, Niederlagen und Siege 
einer unabhängigen und demokratischen Gewerkschafts- 
bewegung beweisen, daß die Arbeiter, Angestellten und 
Beamten sich ihren Platz in der Gesellschaft nur durch 
große, starke und einheitliche Gewerkschaften sichern 
können, 


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