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The History Collection

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Jahrgang 5, Nr. 11 (May 29, 1952)

Zwischen Rednerpult und Wandelhalle,   pp. [9]-[12]


Page [9]

WAI 
weite Bundesjugendkonfere 
al 
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fu 
e) 
n Bergen, die 
m und Wein- 
Bekannte ge- 
att gemacht." 
ichtspostkarte 
;endkonferenz 
des Deutschen Gewerkschaftsbundes 1952 in Stutt- 
gart, sondern entstammt einem Brief, den der 
,hochadLtbare Geheimde Rat von Goethe" im Jahre 
1797 aus Stuttgart geschrieben hat. Schon damals 
waren die Besucher von der glücklichen Lage der 
Stadt begeistert. Obwohl es zu dieser Zeit noch 
keinen Fremdenverkehrsverein  gab, war sie 
schon als Tagungsort bekannt, denn Goethe kam, 
um .in einem Kreis edler Menschen Gespräche 
aber Dichtung und bildende Kunst zu pflegen«. 
Die Tagungsteilnehmer von 1952 werden vor 
Neid erblassen, wenn sie hören, daß man sich da- 
mals neun Tage Zeit nahm, um ein Thema zu be- 
sprechen. 
Die Bundesjugendkonferenz, die vom 16. bis 
18. Mai 1952 in Stuttgart tagte, hatte in knapp 
zweieinhalb Tagen-acht wichtige Tagesordnungs- 
punkte zu besprechen. Daß dieses Pensum rei- 
bungslos erledigt werden konnte, spricht nicht nur 
für die Routin.e der Konferenzleitung, sondern 
auch für die Ausdauer und Arbeitsfreude der 
Delegierten. Der Vorsitzende des DGB, Christian 
Fette, der der Konferenz fast während der ge- 
samten Dauer beiwohnte, meinte, wenn die Ge- 
werkschaftsjugend in diesem Sinn und in diesem 
Geist weiterarbeite, sei ihm um die Zukunft der 
deutschen Gewerkschaftsbewegung nicht bange. 
In seinem Schlußwort sagte er, daß sich niemand 
zu alt oder in der Position zu hoch fühlen dürfe, 
um zu glauben, daß er von der Jugend nichts mehr 
lernen könne. Es wäre zu wünschen, daß alle 
Stellen, an die sich die Anträge und Entschlüsse 
von Stuttgart richten, sich diesen Satz zu eigen 
machen würden. 
Die Reisenden, die an diesem Wochenende den 
Stuttgarter Hauptbahnhof verließen, haben sich 
wohl über das festliche Gesicht des Bahnhofsvor- 
platzes gewundert. Hier und vor dem Tagungs- 
lokal, dem Kursaal in Bad Cannstatt, waren die 
Fahnen der elf Gastländer gehißt worden und 
gaben der Stadt das Gepräge. (Viele altein- 
gesessene Stuttgarter behaupten allerdings, es 
sei auch an anderen Tagen ein seltener Zufall, 
wenn man in der Innenstadt noch einem Schwa- 
ben begegne.) Im Tagungslokal selbst herrschte 
trotz dem repräsentativen Rahmen eine jugend- 
lich bewegte Stimmung. Die Deutsche Bundespost 
hatte nicht nur ein Sndespostamt eingerichtet 
und einen Sonderstempel herausgebracht, sondern 
auch der Tagung entsprechend jugendliche Be- 
amte hinter die Schalter gesetzt. 
rOße wd Wnsche 
Mit der festlich gesdimÜ 
Blickpunkt eine große 
grünen E hing, bot der S 
einen stimmungsvollen Ra 
dieser Konferenz. auf der 
halb des Deutschen Ge 
Möglichkeit hatten, ihre 
raten. Neben zahlreichen 
Gästen nahmen 300 Deleg 
liche Mitglieder der Gewe 
der Konferenz teil. Bund 
am Erscheinen leider ver 
Konferenz eine Grußbotad 
Internationalen Bund Fre 
tonte  Generalsekretär ( 
Schreiben, daß die Dem 
nur eine sichere Heimsti 
es gelinge, die Jugend 
Ideen zu begeistern. Chris 
Delegierten auf, nicht nu 
zu sein, sondern auch poll 
um den Ansichten der ( 
Parteien und Parlamentei 
verhelfen. Der badisch-w 
minister Hohlwegler, der 
meister Dr. Klett und der 
sitzende Kleinkneht über 
ihre Grüße und wünschten 
Verlauf. Auch das Bunde 
Abteilung für Arbeitsbez 
nischen Hohen Kommiss 
Gewerkschaft AFofL, da 
der Verband Deutscher Stu 
Bundesjugendring bradchte 
ihre besten Wünsche zum 
der Beqrüßungsanspracher 
worten der ausländischen 
treter aus Norwegen, Sch 
land,  Belgien,  Frankre 
Schweiz, Italien, Osterre 
brachten die Grüße ihre 
sationen und deren Jugen 
Zu Beginn der Konferenz 
gierten einstimmig mit de 
tionen des Bundesvorstand 
dacht, den Bundeskanzle 
Brief an den DGB-Vorsi 
daß die Gewerkschaften 
Maßnahmen die Politik de 
würden, wurde mit Empör 
als eine Beleidigung dei 
zeichnet. 
»Falsehmönzer« Daim 
Wenige hundert Meter v 
saal entfernt, hatte vor ru 
volution, die dem komm 
neues Gesicht geben soll 
nommen. Man wußte dan 
kleinen Werkstätte des alten Hauses bei den 
Kuranlagen bis tief in die Nacht hinein gearbeitet 
wurde. Man munkelte sogar von Falschmünzerei, 
und eines Nachts durchsuchte die Polizei das 
Haus, ohne dabei konkretes Beweismaterial zu 
finden. Erst als der Besitzer der Werkstatt, ein 
gewisser Gottlieb Daimler, 1885 mit dem ersten 
Motorrad der Welt durch Cannstatt fuhr, war das 
Rätselraten zu Ende. Der schnellaufende Motor 
trat dann seinen Siegeszug durch die Welt an und 
brachte eine revolutionäre Umgestaltung des 
Verkehrswesens mit sich. Eine andere historische 
Stunde erlebte die Stuttgarter Neckarvorstadt im 
Jahre 1907. Damals traf die arbeitende Jugend 
Europas auf dem Cannstatter Wasen zum ersten- 
mal zu einem gemeinsamen Kongreß zusammen. 
Das Ergebnis war die Gründung der ersten Sozia- 
listischen Jugendinternationale. 
1952 ging von Cannstatt zwar keine Revolution 
aus, und es wurde auch keine neue Organisation 
gegründet. Trotzdem ist das Ergebnis der Tagung 
weit über die Gewerkschaften hinaus bedeutungs- 
voll. In zahlreichen Anträgen und Entschließun- 
gen kamen die Sorgen und Nöte und die daraus 
resultierenden Forderungen der arbeitenden Ju- 
gend zum Ausdruck. In einer Entschließung er- 
klärt sich die Gewerkschaftsjugend bereit, ihre 
ganze Kraft in den Dienst eines neuen, sozial 
fortschrittlichen und freiheitlichen Europas zu stel- 
len. Sie fordert von Bundesparlament und Bundes- 
regierung einen konkreten Plan für die Konsti- 
tieung der Vereinigten Staaten von Europa 
ufnter einer, verantwortlichen Regierung und einem 
Parlament, das die gegenwärtige Ohnmacht des 
Europarats in Straßburg überwindet. Eine andere 
Entschließung fordert die deutsche und die Welt- 
öffentlichkeit auf, sich für die Befreiung der Ju- 
gendliden einzusetzen, die von der Regierung 
der Sowjetzone zu unmenschlichen Strafen ver- 
urteilt wurden, weilsie von dem in jederDemokratie 
garantierten Recht der freien Meinungsäußerung 
Gebrauch gemacht haben. Die Konferenz sprach 
sich ferner gegen jeden Arbeitsdienst, gegen die 
zögernde  Behandlung des Jugendarbeitsschutz- 
gesetzes und gegen des geplante Betriebsverfas- 
sungsgesetz aus. Gefordert wurden wirtschafts- 
politische Maßnahmen mit dem Ziel der Voll- 
beschäftigung, eine geordnete Berufsausbildung, 
eine Änderung des Kündgungschutzgesetzes und 
die Einbeziehung der Jugendlichen in die Arbeits- 
losenversicherung. Eine scharfe Stellungnahme 
richtete sich gegen radikale Strömungen von links 
und rechts. ' 
Der bortchtl0e    ot.lft 
Der Bundestagsabgeordnete der CDU/CSU, Franz 
Josef Strauß, erklärte vor der Konferenz, die best- 
gemeinten Gesetzentwürfe würden durch den Rot- 
stift des Finanzministers verwässert oder zunichte 
gemacht. Der Kampf gegen diesen Rotstift sei eine 
der schwersten Aufgaben der Abgeordneten, be- 
sonders wenn der Finanzminister der eigenen 
Partei angehöre. 
SOLIDARITXTSERKLXRUNG 
Die Delegierten der 2. Bundesjugendkonfe- 
renz des Deutschen Gewerkschaftsbundes in 
Stuttgart als Vertreter von 1,4 Mill. junger 
Gewerkschaftsmitglieder begrüßen die Ent- 
sdslossenheit der Gewerksuhaften im Kampf 
geen ,nds geplante Beriehsvefai 
gesetz, des nicht den Forderung 
Wünschen der Arbeitnehmer entspri 
Die in Stuttgart versammelten jung 
werkschafter erklären sich soldarl 
den Beschlüssen von Bundesvorstai 
Bundesaussduß und versprechen, a 
tun, um den Maßnahmen und Aktie 
DGB zum  Erfolg zu verhelfen 


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