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Jahrgang 5, Nr. 12 (June 12, 1952)

Wetterfunker um den Nordpol,   p. [5]


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Jan Mayen hat keinen Hafen, im Sommer verhindert es die gewaltige Bran- 
dung, im Winter das Treibeis. Dadurch ist die Versorgung nicht so einfach.
Ein paar Schritte von der Funkstation entfernt 
steht das Wetterhuschen. Gerade sind die Wetter- 
funker dabei, die feinen Pritinstrumente abzulesen. 
Die Punkweterwarte auf Jan Mayen ist eine der 
wichtigsten Radiostationen in der Zentra-Arktis. 
Jan Mayen muß senden - auch für Mitteleuropa. 
nas Netz ging ein Alk. Das bedeutet einen schmack- 
haften Sonntagsbraten für die Station. Im Sommer 
nisten hunderttausende Seevögel auf der Insel 
Weit sind die Küsten des Eilandes mit bleldiendem 
Treibholz bededt. Die polare Drift, die Namen zu- 
erst bewies, bringt es aus nordsibirischen Wildern. 
Während das Entsatzschiff Im schweren Südwest- 
sturm auf Reede liegt, bringen Matrosep unter 
großen Gefahren den notwendigsten Proviant in 
eine Bucht der Steilküste. Einer der Jan-Mayen- 
Besatzung hat lich abgeselt und nimmt ihn an. 
Norwegen (dem Spitzbergen, die Bäreninsel und 
Jan Mayen gehören). Die zurzeit nördlichsten 
Dauerstationen sind heute: Alert (Nordküste von 
Grant-Land in der kanadischen arktischen Insel- 
welt; nur noch 830 km bis zum Poll) und Rudolf- 
insel im Franz-Joseph-Archipel, russische Arktis; 
900 km vom Pol entfernt). Die Norweger unter- 
halten im europäischen Teil der Nordpolarwelt 
heute nicht weniger als zehn Stationen, darunter 
so wertvolle wie Jan Mayen, Myggbukta (Nord- 
ost-Grönland). 
DerDienst auf den heute mit mancherlei Bequem- 
lichkeiten, zum Teil sogar recht behaglich aus- 
gestatteten Polarwetterwarten bedeutet physisch 
kaum noch eine Belastung für die zumeist nur 
wenige Männer (drei oder vier) zählenden Be- 
satzungen. Anders sieht es um die seelische Be- 
anspruchung aus. Da haben das lange Dunkel des 
beißendkalten Winters, die Trennung von den 
Angehörigen, das eintönige Leben und die Ein- 
samkeit starken Einfluß auf das Gemüt. Da es sich 
jedoch ausnahmslos um sorgsam ausgewählte, er- 
probte und für den schweren Dienst wohl vor- 
bereitete arktiserfahrene Leute handelt, kommen 
doch die früher auf Expeditionen nicht selten auf- 
tretenden Fälle von *Polarkoller» so gut wie 
überhaupt nicht mehr vor. 
Als ungewöhnlich schwer gilt der Dienst auf der 
norwegischen Funkwetterwarte Jan Mayen (zwi- 
schen Grönland, Norwegen, Spitzbergen und Is- 
land gelegen). Ihren Namen hat sie von dem 
niederländischen Walfängerkapitän Jan Jakobsz 
May, der sie 1614 entdeckt hat. Fast genau unter 
diesem winzigen Eiland geht an der Ostseite der 
warme Golfstrom nach Nordosten, zieht an der 
Westseite der kalte Polareisstrom mit seinen 
Treibeismassen längs der ostgrönländischen Küste 
gegenläufig südwestwärts. So befindet sich Jan 
Mayen im Zentrum eines beständigen Kampfes 
zwischen warm und kalt. Hierdurch kommen 
häufig Orkane von einer Heftigkeit zustande, wie 
man sie sonst kaum noch in irgendeinem andern 
Gebiet der Arktis noch auch in andern Teilen 
der Erde festgestellt hat. Hier sind bereits Wind- 
geschwindigkeitem von 300 km/st (= rund 80m/sec) 
Der Tag der Ablösung ist gekommen. Bei einem 
kleinen Umtrunk zbergibt der scheidende Leiter der 
Station den drei neuen Uberwintrern den Dienst. 


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