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The History Collection

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Jahrgang 4, Nr. 18 (September 8, 1951)

hst
Denkt an Europa,   pp. 2-[3]


Page 2


-            ~ Maurke Caymfl             7
Generalse.uret"t der ACJF, Paris.
ãWas den Staat und die "llen tlchen Ein-
richtungen anbetrifft, so ist es ihre Pflicht,
der Jugend zu dienen und nicht die Jugend
sich dienstbar zu machen.
Der junge Sozialist soll im Anh"nger der
christlichen Arbeiterjugend einen Kampf-
genossen. der christliche Student in seinem
freidenkenden Kameraden einen Freund, der
bereit ist, mit ihm zu arbeiten. finden.'
mit 10 000 Jungen und M"dchen und Scharen
Prominenter, an der Spitze Vizekanzler
Bl¸cher, der franz–sische Hohe Kommissar
Francois-Poncet und Pilet Golaz, Ex-Pr"si-
dent der Schweiz. Dazu eine Flut von Foto-,
Film- und Funkleuten, von den Presse-
m"nnern gar nicht zu reden, die in der
prallen Somnmersonne Artikel schwitzten. Es
wurde gesungen, es wurde Musik gemacht,
es wurden Reden gehalten - sehr gute und
mnittelm"þlige, wie immer bei solchen An-
l"ssen.
31 Einen starken Eindruck hinterlieþ die Cc-
Sie gab ihr eigentlich das Gepr"ge. Zu Tau-
. z-        senden waren unsere- M"del und Jungen
enschen aus fast allen Kontinen-
ten waren zu Gast: aus Algerien
und Argentinien. Marokko und Indo-
nesien, aus den Väereinigten Staaten,
,aus Syrien, Kanada, Siarm und aus der
Ukraine, alles in allem rund 25 000 aus
27ä Nationen.
,5000 bildeten eine Lagerdekade. diskutier-
ten und schafften in einer der neun Arbeits-
gemeinschaften mit, sangen und tanzten,
gingen miteinander spazieren, lernten sich
kennen und verstehen und bauten so das
neue Europa, das sie alle in den n"chsten
Jahren erhoffen, hier aber im kleinsten
Kreis praktizierten: in der eisten euro-
p"ischen Stadt.
Stadt? Was sind 6O0) Zelte, was sind 2000
Bewohner? Nicht Gr–þe und Einwohnerzahl
machen eine Stadt aus, sondern ihr Lehen.
Und was dieses Leben anbetrifft, so kann
manche deutsche Groþstadt nicht mit dein
Lorelei-Lager konkurrieren. Hiier ist Radio
1-orelei', tont es Abend fur Abend durch die
Lagerlautsprecher. äWir weisen noch ein-
mal auf das Abendprograiinii hin: Umn 20 Uhr
lauft im Kino der Charlie-Chaplin-Filmn
,Goldrauschzi. Zur selben Zeit spielen im
Schiller - Theater die Heisterbacher Laien-
spieler den ä Mord im Doml von Eliot.
Freunde des Puppenspiels haben Gelegen-
heit, um 20.30 Uhr im Ausstellungszelt die
,Verkehrte Welt<', aufgef¸hrt von den
Hohensteiner Puppenspielern, zu sehen. Um
21 Uhr ist eine Wiederholungsvorstellung
des Films <Louisiana Story'< im Karl-Schurz-
Zelt. Bei Eintritt der Dunkelheit beginnt ein
.- -  ..  -
-~        JU3UI E55IUUIKIII
Väor.,ityender des Deutschen Bundesjugendl-
ringes'
l)er Wiille zu einer Europciischen. zu eiie~r
uinverbr¸chlichen Gemeinschaft kann Berije
ve<rsetzen. Darum Einigkeit iii Freiheit, fest
verschuOren laþ't uns Europa bauen. Und
wenn immer Staatsm"nner oder Reprasen-
tcnten <tes –tientlichen Lebens glauben. Halt
gebieten zu m¸ssen, dann sollen sie sich vor
einen heiligen Europawillen der Jugendl
gestellt sehen.'
Tanzabend auf dem Plateau Moliere. Hier
ist Radio Lorelei. Ich wiederhole: Um ...
So war das. Einmal? Jeden Abend. Wenn es
nicht die Heisterbacier Laienspieler waren,
dann sind es eben die .,Compagnons de la
claire fontaine'~ oder die Dramdtikgruppe
der Universit"t Padua oder sonst wer ..
,Jeden Abend!
Der H–hepunkt war am 18. 19. August:
Groþkundgebung und europ"isches Festival
"Wir haben keine streunende Jugend, keine Arbeitslosen und
kein Fl¸chtlingselend,"
,Nun werden wir unser Mittagessen bei der
Genossenschaft haben", sagte mein finni-
scher Begleiter. Ich schaute ihn verdutzt an.
,Ja, kommen Sie nur. Die Arbeitnehmer in
Finnland kaufen und essen bei der Genos-
senschaft. Das ist um vieles billiger, und
daher kommen wir auch mit unserem Geld
besser aus.'
Das groþe, moderne, 1500 Personen fassende
Restaurant lag in der ersten Etage eines
der vielen H ochh"user inmitten von Hel-
sinki. Seine Besucher waren gut gekleidete
und wohlgen"hrte Arbeiter, Angestellte,
Sekret"rinnen, Beamte, Verk"uferinnen, Rei-
sende und Angeh–rige der freien Berufe.
Das Fehlen jeder Hast und Nervosit"t - in
den Straþen der Hauptstadt. wo das Hupen
den Autos und das Klingeln den Straþen-
bahnen verboten ist -, schon als besonders
bemerkenswert verzeichnet, war hier gerade-
zu wohltuend. Man brauchte nur in die Ge-
sichter all dieser jungen und "lteren, gerade
vom Arbeitsplatz gekommenen Menschen
zu schauen, um festzustellen, daþ sie zui-
frieden, heiter und sorglos waren.
Die Gespr"che bewiesen es. Der Facharbei-
ter mit seinen 3t5 000 Finnmark im Monat
(700 DM), die Sekret"rin mit 28 000 Finn-
mark (560 DM), die Verk"uferin nit 25 000
Finnmark (500 DM) meinten, daþ das Leben
in Finnland zwar auch teuer sei, ihnen aber
ein Wettlauf zwischen Preisen und L–hnen
erspart bleibe. ãSeit dem Jahre 1947 ist das
so: steigen die Lebenshaltungskosten um
5 v. H.. stei(len automatisch die L–hne und
Geh"lter um 5,5 v. H. Der Arbeitnehmer in
Finnland kann also niemals zu kurz kommen.'
Das war schon die zweite Uberraschung in
diesem n–rdlichsten Land Europas. Denn
schon auf der groþen Besichtigungsfahrt war
dem westdeutschen Journalisten aufgefallen,
was ihm auch f¸hrende Gewerkschafter und
die Vertreter in den Ministerien best"tig-
ten, daþ die L–sung der sozialen Fragen
Programmpunkt Nr. 1 der finnischen Regie-
rung sei. Kurz zusammengefaþt sieht das
so aus: die 500 000 Fl¸chtlinge aus den von
Ruþland annektierten Gebieten wurden alle
wieder in Wohnungen und Arbeitspl"tzen
untergebracht. Die 32 000 Bauern unter ihnen
erhielten, dank einer vorbildlichen Boden-
reform, alle wieder ein eigenes Besitztum.
Man schuf keine Fl¸chtlingszentren mit
Baracken-, Bunker- und H–hlenbewohnern,
sondern setzte z. B. die Facharbeiter unter
ihnen da an, wo Industrien bestanden oder
neue errichtet werden konnten. So gibt
es im Land der 1000 Seen kein Fl¸chtlings-
elend, daher auch keine vagabundierende
Jugend. Es gibt aber auch keine Arbeits-
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